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Jeden Tag bei den Flüchtlingen

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„Ich habe mich vorgestellt und bin mitgegangen.“
Philipp Bayerle
„Ich habe mich vorgestellt und bin mitgegangen.“ Philipp Bayerle

Pullach - Asylhelfer - das sind in der Regel etwas ältere Leute, die vielleicht nicht mehr voll im Berufsleben stehen - und daher die nötige Zeit mitbringen, um sich engagieren zu können. In Pullach ist das nicht anders. Nur, dass da außerdem Philipp Bayerle sich um die Belange der 100 Menschen kümmert, die seit Mai in der Turnhalle der Mittelschule untergebracht sind.

Bayerle ist 23. Hat gerade im Januar seinen Bachelor in Ethnologie gemacht. Er sagt: „Für mich ist der Kontakt mit den Flüchtlingen auch eine wahnsinnige Bereicherung“.

An einem Freitag im Mai sind die Menschen angekommen im Ort an der Isar, und als sie am Tag drauf mit dem Helferkreis einen Spaziergang durch den Ort machten, liefen sie Philipp quasi in die Hände. „Ich habe mich vorgestellt und bin mitgegangen“. Seither war er fast jeden Tag vor Ort, bei dem Informationsabend Flüchtlinge im Bürgerhaus berichtete er, oft setze er sich nur hin „und warte was kommt“.

Manchmal hilft er jemandem, das Handy aufzuladen, versucht, ein Laptop-Betriebssystem wieder zum Laufen zu bringen. Kann auch sein, dass einer der Turnhallen-Bewohner auch einfach nur rauswill für einen Abend, etwas anders sehen. Zweimal in der Woche gibt Philipp auch Deutschunterricht. Ansonsten hat er drei Tage die Woche einen Studentenjob.

Philipp Bayerle sagt: „Ich bin dankbar, dass das bei mir so gut geht“. Dass er überhaupt die Zeit hat, sich einzulassen auf die Leute. Was ihm selbst viel gibt, wie er sagt, aber er passe auf, dass es die Flüchtlinge bleiben, die im Mittelpunkt stehen. Die Situation in der Sammelunterkunft, sagt er, werde immer schwieriger, die drangvolle Enge dort belaste die Menschen „hochgradig“. Die Gemeinde sei in ihrem Engagement jedoch „mit dem Herzen dabei“.

Gar nicht verstehen kann der junge Mann, der im Herbst entweder ein Masterstudium Ethnologie aufnehmen oder sich mit einem neuen Fach - soziale Arbeit nämlich - befassen wird, dass die Menschen, die hier Zuflucht suchen, während der ersten Monate nicht arbeiten dürfen. „Wem nützt das?“ Mehrmals saß er daneben, als einem Betroffenen mitgeteilt wurde, dass er erstmal zum Nichtstun verdammt ist. „Da kannst Du die Hoffnung schwinden sehen.“ Es gäbe doch auch Jobs, glaubt er, für die man nicht perfekt Deutsch sprechen muss. „Wir sind hier sehr unflexibel.“

Mitte August werden die Flüchtlinge wegverlegt aus der Pullacher Turnhalle. Philipp Bayerle sagt: „Ich hoffe sehr, dass die Kontakte halten. Jetzt haben wir die Beziehungen aufgebaut. Für manche ist es eine Katastrophe, wenn sie wegkommen.“ ak

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