Hat jemand den Traum gestohlen?

- Grünwald - Besser kann ein Stück nicht beginnen: Der Vorhang schiebt sich langsam zur Seite, der Blick auf die Bühne wird frei gegeben, es geht ein Raunen durch den voll besetzen August-Everding-Saal. Spontaner Applaus. Julian Becker hat das Buch "Der Regenbogenberg" von Margaret Klare, die bei der Premiere mit im Publikum sitzt, vertont und ein aufwändiges Kinder-Musik-Theater-Stück daraus gemacht. Eine Herausforderung für Beckers "Grünwalder Burgspatzen", die in den zwei Aufführungen singen, spielen und tanzen und in 18 Szenen Schwerstarbeit leisten.<BR>

Gleich zu Beginn ein buntes Wirrwarr. Ein Meer aus Blumen. Blumen mit Beinen und süßen leuchtenden Gesichtern. Dazu die Traumsplitter in herrlichen Flittergewändern. Willkommen in der Welt der Träume!<P>Es geht um das Mädchen Petra, das nachts wunderschön träumt: Wie ein Schmetterling fliegt es zu einem Berg, der in allen Regenbogenfarben glitzert. Petra begegnet Figuren aus dem Märchen, fühlt sich glücklich und frei. Als sie kurz darauf im Fernsehen einen Film sieht, der haargenau ihren Traum zum Inhalt hat, staunt sie nicht schlecht. Kann es sein, dass den Menschen Träume gestohlen werden? Mit ihrem Freund Christoph geht sie der Sache nach.<P>Julian Becker hat seine Familie voll eingespannt. Neben seiner Frau Agnes (sie hat das Stück in Szene gesetzt) sind die Töchter Annouk, Arabella und Cosima im Einsatz. Arabella und Cosima teilen sich die Hauptrolle der Petra. Die Mädchen treten souverän auf, lassen sich von kleineren Widrigkeiten wie knackenden Headsets, die bald durch Mikros ersetzt werden, nicht aus der Ruhe bringen. Auch Erzählerinnen-Trio ist unentbehrlich Christoph (Veronika Bittenbinder und Veronika Hutmann) macht seine Sache gut. Den roten Faden bei den Sprüngen zwischen Traum, Fantasie und Wirklichkeit, behalten drei Erzählerinnen in der Hand: Anna Hurnaus, Monika Fried und Susanna de Cruz sind unentbehrlich. Sie berichten singend, jonglieren sogar dabei und greifen hin und wieder in das Geschehen ein. Die Musik ist flott und eingängig. Zwar ist sie einmal bei einem Duett zu schwer gesetzt, sie harmonisiert aber sehr gut mit der Geschichte.<P>Trotz des Riesenaufgebots läuft es fast reibungslos. Ein verpasster Einsatz ist nicht tragisch, das Publikum nimmt`s mit Humor und die Burgspatzen finden sofort ins Stück zurück. Tolles Bühnenbild (die Ansicht von Grünwald stammt von dem Maler Valentin Pruy) und Profi-Unterstützung durch Burgspatzeneltern wie Karin von Sachsen vom Nationaltheater oder Schauspielerin Johanna Bittner. Der Applaus vom Beginn hat sich am Ende noch um einiges vervielfacht.<P>Bernadette Heimann<P>

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