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Verursacher? Ein A 380 der Emirates.

Über dem Arabischen Meer

Jet aus Oberhaching: Beinahe-Katastrophe in 10.000 Metern Höhe

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Ein Geschäftsflieger einer Charter-Firma aus Oberhaching ist über dem Arabischen Meer knapp einem Absturz entgangen. Mehrere Passagiere wurden bei Turbulenzen schwer verletzt.

Oberhaching/Braunschweig – Der zweistrahlige Business-Jet des Typs Challenger 604 steht zweieinhalb Monate nach dem Vorfall weiterhin am Rand des Flughafens von Maskat in Oman auf der Arabischen Halbinsel. „Die Maschine hat Totalschaden“, sagt Steffen Fries, Geschäftsführer der Charterflug-Gesellschaft MHS Aviation aus Oberhaching (Kreis München). Demnächst sollen das Typenschild D-AMSC und die Tragflächen abmontiert werden – so fordert es der Hersteller Bombardier. Irgendwann wird der Jet wohl ganz abgewrackt – die Folge eines schweren Unfalls am 7. Januar dieses Jahres in über 10.000 Meter Flughöhe über dem Arabischen Meer.

An diesem Tag hatten sechs Urlauber einen exklusiven Rückflug von Male auf den Malediven nach Berlin gebucht. Die erste Etappe war bis Abu Dhabi geplant – dort sollte der Flieger mit den sechs Touristen, einer Servicekraft und zwei Piloten an Bord auftanken. Es kam anders: Gegen 9.39 Uhr deutscher Zeit geriet der Jet plötzlich ins Trudeln. Über 3000 Meter wirbelte die 20 Tonnen schwere Maschine unkontrolliert Richtung Meer, sie drehte sich mehrmals um ihre Längsachse. Beide Turbinen fielen aus, der Absturz drohte. Schließlich gelang dem 40-jährigen Pilot, der aus dem Raum München stammt, aber der Neustart der Triebwerke – er fing die Maschine ab, bevor sie auf der Meeresoberfläche zerschellt wäre.

In der Kabine herrschte das reinste Chaos. Sie war mit Trümmern der Inneneinrichtung übersät, Sauerstoffmasken hingen herab. Mehrere nicht angeschnallte Passagiere waren herumgewirbelt und schwer verletzt worden. Der Pilot funkte Luftnotlage und nahm Kurs auf den nächsten Flughafen – in Maskat/Oman konnte er landen. Dort wurden auch die Passagiere versorgt, ehe sie ein Ambulance-Jet nach Berlin brachte.

„Mittlerweile haben alle das Krankenhaus verlassen“, sagt MHS-Aviation-Geschäftsführer Fries. Auch die Piloten haben den Schock verdaut. Sie hatten sechs Wochen Flugpause und wurden dann erst wieder im Simulator ans Fliegen herangeführt. Mittlerweile sind sie wieder in der Luft.

Beide haben eine eindeutige Meinung über die Ursache der Fast-Katastrophe: Kurz vor dem Vorfall hatten sie aus dem Cockpit heraus einen A 380 gesehen, der dann regelgerecht 300 Meter über ihnen in umgekehrter Richtung ihre Flugbahn kreuzte. Durch Flugdaten ist klar, dass es sich um eine Maschine der Fluggesellschaft Emirates handelte, die zu diesem Zeitpunkt von Dubai nach Australien unterwegs war. Der Challenger sei, davon geht MHS Aviation aus, eine Wirbelschleppe des Riesen-Fliegers zum Verhängnis geworden. Wirbelschleppen sind Luftströmungen, die an den Tragflächenenden entstehen und gewaltige Sogwirkung nach unten entfalten – ein physikalisches Phänomen, das bei jedem Flugzeug auftritt, bei größeren aber stärker als bei kleineren. So ein Mini-Tornado habe den Jet erfasst und nach unten gerissen.

Nun ermittelt die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in Braunschweig. Zwei BFU-Experten reisten für ein Wochenende nach Maskat und untersuchten die Maschine. Flugdaten-Schreiber und Cockpit-Voice-Recorder wurden sichergestellt, bestätigt BFU-Sprecher Gernout Freitag. Ein Zwischenbericht ist in Vorbereitung. „Dass der Überflug eines A 380 eine Rolle gespielt hat, ist im Moment Spekulation“, betont der Behörden-Sprecher. Es gebe „mannigfache andere Möglichkeiten“ – von einem Luftloch bis hin zu Flugzeug-Mängeln.

Sollte sich ein Zusammenhang mit dem A 380 herausstellen, wären die Folgen gravierend: Die internationale Zivilluftfahrtsorganisation ICAO müsste die Sicherheitsabstände neu definieren. Bisher können kleinere Flugzeuge wie eine Challenger mit 300 Metern Höhenunterschied überflogen werden. Eventuell ist das nicht ausreichend.

Die Firma MHS Aviation hat intern schon Konsequenzen gezogen: „Wir haben unseren Piloten die Anweisung erteilt, wo immer möglich bei der Air Traffic Control auf größere Abstände zu drängen“, sagt Geschäftsführer Fries.

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