Jung, neugierig und überschwänglich

- Geniales Duo Moser/Triendl im Pullacher Bürgerhaus

VON MANFRED STANKA Pullach - Der Zwischenapplaus ließ erahnen, welch ein Beifallsgewitter zum Konzert-Ende über den Cellisten Johannes Moser und seinen Partner am Klavier, Oliver Triendl hereinbrechen würde. Erste Bravorufe bereits nach Johannes Brahms` Sonate für Violoncello und Klavier in e-moll (op. 38). Das Pullacher Bürgerhaus vibrierte.

Immer sind es die Altersbilder mit Rauschebart, die man von Johannes Brahms zu sehen bekommt. Und sie nähren die Vorstellung, dass seine Musik stets etwas Altersmildes und herbstlich Verblühendes an sich hat - derart geprägt, dass ein junger Brahms kaum vorstellbar erscheint. Und doch war der Meister gerade 32 Jahre alt, als er sein Opus 38 abschloss. Da darf man noch schwärmen, jubilieren, im Allegretto singen und seinen Überschwang in einem kantig, kraftgeladenen Finale sich austoben lassen. Und genauso geht der 24-jährige Johannes Moser diese Musik an. Jung, neugierig, mal überschwänglich, dann auch unsicher fragend, leidenschaftlich aufgewühlt. Seine Technik, geschliffen vom Meister-Cellisten David Geringas, ist makellos, sein Ton hat eine samtene Fülle, wo nötig aber auch die Leichtigkeit des souveränen Tänzers. Oliver Triendl liefert die rhythmische Basis, zeigt gestalterisches Profil, und das Duo ergänzt sich im wachen, draufgängerischen und hochsensiblen Brahms-Spiel zwischen großem Zug und liebevoller Differenziertheit.

Auch Ludwig van Beethovens Sonate für Klavier und Violoncello A-Dur (op. 69) wird vom Duo einer Frischzellenkur unterworfen, und damit wird zugleich die Nähe zur vorher entstandenen Zuhörer hypnotisiert vom Cellospiel "Pastorale" betont. Beethovens Melodien bringt der Cellist durch schlanke Tongebung zum Fließen. Von atemberaubender Entrücktheit: Das Adagio cantabile trägt keine Konflikte aus, sondern steigert sich in seinem frei gelösten Strömen zu einem Hymnus auf die Natur. Moser/Triendl musizieren mit ruhevoller Innigkeit. Ein strömender Atem prägt die Interpretation. Große strukturelle Spannung und liebevolle Details verschmelzen hier zur Einheit.

Licht und Dunkel im Wechselspiel prägen Claude Debussys Sonate für Violoncello und Klavier in d-moll. "Ich liebe deren Proportionen und die klassische Form", gestand der französische Impressionist. Farben blitzen auf, Schattierungen werden hörbar, und auch hier zeichnen sich die beiden Musiker durch universelle Stilsicherheit und Eleganz aus. In Peter Tschaikowskys "Pezzo Capriccioso" betört er sein Publikum durch Wohllaut und pure Klangsinnlichkeit.

Die Zuhörer sind von dem Münchner schier hypnotisiert, erzwingen sich zwei Zugaben. Nach den "Rossiniwalzern" steht der Saal Kopf. Was für ein eine eminente Begabung! Mosers Mutter ist übrigens die weltweit gefeierte Sopranistin Edith Wiens, und Vater Kay sitzt im Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks.

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