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Junges Schauspiel Ensemble im Kleinen Theater Haar vor dem Aus

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Haar - Das Junge Schauspiel Ensemble München (JSEM) steht vor dem Aus. Trotz der Zuschüsse von der Gemeinde Haar und dem Bezirk Oberbayern fehlen Theaterleiter Michael Stacheder akut 70.000 Euro, vor allem weil Buchungen für Gastspiele ausbleiben.

Viele Fans wünschen sich eine Zukunft, sie schätzen die Qualität der Stücke. In der Region ist eine fruchtbare Zusammenarbeit mit Volkshochschule und Gymnasien entstanden. „Jeder will uns im Kleinen Theater halten“, sagt Geschäftsführer Stacheder, „aber dafür brauchen wir mehr Geld.“

Hildegard Kronawitter, die Vorsitzende der Weißen Rose Stiftung e.V., schätzt das Ensemble, „weil sie sich auf die Thematik der NS-Zeit sehr intensiv eingelassen haben“. Die Zusammenarbeit sei problemlos gewesen: „Bei freien Theatern ist es unendlich schwierig, eine Finanzierung über einen längeren Zeitraum zu sichern.“ Sie hofft, dass unterstützt von politischer Seite ein Weg gefunden wird.

70 000 Euro braucht Stacheder dringend, um die aktuellen Verpflichtungen wie Honorare, Tantiemen und Aufführungskosten bezahlen zu können. Das Ensemble hat seit sechs Jahren seinen Stammsitz am Kleinen Theater Haar. Zehn Schauspieler - alle haben noch andere Jobs - Bürokräfte und Techniker gehören zum Stamm-Team. Stacheder hat auch privat viel Geld zugeschossen. „Es ist das elendige Lied“, sagt er, „mehr Zuschüsse, etwa 120 000 pro Jahr, wären als Basis für den Spielbetrieb in Haar nötig.“ Institutionelle Förderung durch den Freistaat kann Stacheder nicht beantragen. „Wir erfüllen die Richtlinien noch nicht, dafür bräuchten wir 100 Gastspiele im Jahr.“

Bisher bekommt das Ensemble projektbezogen Gesamtzuschüsse von 65 000 Euro. Die Gemeinde Haar gibt einen Jahreszuschuss von 50 000 Euro, der Bezirk Oberbayern hat heuer 13 485 Euro zugeschossen. Dass reicht nicht mehr, weil die Engagements für Gastspiele ausbleiben, die sorgten bisher für die finanzielle Balance.

„Das liegt nicht an der Qualität“, sagt Stacheder: „Die kommunalen Töpfe sind leer. Und Kämmerer sparen nun mal zuerst an der Kultur.“ In der Spielzeit 2015/16 ist das Ensemble nur 15- bis 20-mal auswärts gebucht. Mit den Einnahmen müssen laufende Kredite und die jeweiligen Aufführungskosten bedient werden.

Die Gemeinde steht dem Ensemble „sehr wohlwollend“ gegenüber, betont Ute Dechent, die im Rathaus für Kultur zuständig ist. „Aber weitere Zuwendungen sind von Seiten der Gemeinde nicht möglich. Mit dem Jahreszuschuss von 50 000 Euro wollten wir das JSEM am Stammhaus in Haar halten und das Genre Schauspiel am Kleinen Theater verankern. Wir hatten damals gehofft, dass die kommunale Förderung Zuwendungen übergeordneter Stellen nach sich ziehen würde. Das ist leider nicht gelungen.“

Der Geschäftsführer des Sozialpsychiatrischen Zentrums (SPZ), das das Kleinen Theater betreibt, schätzt die jahrelange Partnerschaft mit Stacheder. „Die Gruppe macht sehr anspruchsvolle Themen, das ist kein Mainstream“, sagt Markus Witzmann. Das JSEM ist mietfrei im Kleinen Theater. Witzmann möchte die Sparte „Theater“ weiterhin im Spielplan anbieten, gerne mit dem JSEM. „Wir können aber nicht finanziell, sondern nur strukturell helfen. Wir können das Kleine Theater, wenn es nicht gebucht ist, für Proben zur Verfügung stellen und ein Büro anbieten, damit Herr Stacheder nicht extra Räume anmieten muss.“

Gibt es eine zukunftsfähige Lösung? Stacheder führt viele Gespräche mit Kulturstifungen und Kommunalpolitikern. Vielleicht ist auch die Gründung eines Fördervereins möglich. icb

ARD will berichten

Akut benötigt das Ensemble einen Produktionszuschuss in Höhe von 30 000 Euro, damit zumindest noch eine Neuproduktion im Herbst gezeigt werden kann. In Zusammenarbeit mit der ARD plant das JSEM die Uraufführung eines Theaterstücks des afghanischen Schriftstellers Taqi Akhlaqi. Es stellt das Schicksal von Flüchtlingen in den Fokus. Die ARD wird in der Tagesschau und in den Tagesthemen über dieses JSEM-Projekt und somit auch über das Kleine Theater Haar in mehreren Beiträgen berichten.

mm

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