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Ein Meister der Wortkunst: Alfred Dorfer bei seinem Auftritt in Putzbrunn.

Kabarett

Alfred Dorfer begeistert Publikum mit Pointenfeuerwerk

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Ein leerer Stuhl auf der noch dunklen Bühne im Putzbrunner Bürgersaal. Mehr bekommen die Zuschauer zunächst nicht zu sehen.

Putzbrunn - Kaum geht der Scheinwerfer an, taucht Alfred Dorfer auf, nimmt Platz, schaut sich im Saal um. Aber nur ein paar Sekunden, dann legt er los.

„Fangen wir an, was können wir miteinander anfangen? Die Zeit überlisten mit denken?“, fragt Alfred Dorfer. Nur denken wäre zu wenig. Zwei Stunden nichts sagen, nichts hören, ja, es wäre möglich, aber dafür Eintritt zahlen, nicht wissen, ob und was der Dorfer denkt, das wäre zu billig.

Also denkt Dorfer laut und das brillant-genial, mit einem drastischen, zugleich subtilen Wortwitz, spitzzüngig gepaart mit tiefschwarzem Humor und einem Pointenfeuerwerk, bei dem es schwer fällt, ihm auf der Spur zu folgen.

Ohne vom Gas zu gehen nur gelegentlich einen kurzen Zwischenstopp einlegen, dem begeisterten Publikum etwas Zeit geben zum spontanen Applaus und Lachen: Das macht den Dorfer aus in seinem aktuellen Programm „bisjetzt“, mit dem er sich zum ersten Mal in Putzbrunn präsentierte und voll ins Schwarze traf.

„Ich erzähle Ihnen von meinen Problemen und Sie zahlen dafür. Das ist der Unterschied zwischen Psychotherapie und Kunst“, macht er deutlich.

Warum er überhaupt gekommen ist, er, der Österreicher? „Angela Merkel hat gesagt, es sollen alle kommen, und da bin ich eben gekommen“, sinniert er und spielt auf die aktuelle Flüchtlingskrise an. Und weil er schon in Bayern ist, bedankt er sich gleich im Namen seines Heimatlandes bei der bayerischen Staatsregierung „für den Kauf der maroden Bank HypoAdria, wir haben es damals in ganz Europa versucht, nicht einmal die Ungarn wollten die Bank“. Und so ist die Politik eigentlich nicht mehr als die Unterhaltungsabteilung der Wirtschaft, zitiert Dorfer den verstorbenen US-Star Frank Zappa. „In Sachen Korruption muss ich Ihnen in Bayern nichts erklären. Das ist kein Verbrechen, sondern Brauchtum“, stellt er sarkastisch klar.

Dorfer ist ein Meister des Wortes und zeigt dies, wenn er beispielsweise erklärt, warum die Österreicher bei Pisastudien vor den Deutschen landen: „Bei uns heißt es, wir gehen in die Schule, in Deutschland wird gesagt, wir gehen zur Schule. Damit ist klar: Wir gehen in die Schule hinein.“ Philosophisch wird er, wenn er die Welt des Mannes erklärt: „Entscheidend ist da nicht die Wirklichkeit, sondern die Interpretation. Da stellt sich die Frage: Nicht das Erreichte zählt, sondern reicht das Erzählte?“

Oder die großen Themen der Sozialwissenschaft, bei der man früher auf die ganz großen Fragen Antworten suchte, heute suche man auf die gewünschten Antworten die entsprechenden Fragen.

So zappt sich Dorfer durch den Abend, die großen und kleinen gesellschaftlichen und menschlichen Themen, weiß, warum es im Paradies so schön war: „Adam und Eva waren ganz am Anfang. Verwandtenbesuche waren noch nicht möglich.“

Und das kommt alles leicht und dennoch gekonnt über die Bühne. Ganz ohne billige Kalauer kommt Dorfer aus, unterstreicht mit seiner Mimik die Aussagen oder verkehrt sie ins Gegenteil. Da zeigt sich seine Erfahrung als gelernter Schauspieler. Auf der Theaterbühne, in Filmen mit Josef Hader („Indien“, 1993), eigenen TV-Shows („MA 2412“, 1998 bis 2002) und als Regisseur bewies er sein vielfältiges Können. Und weil das nicht reicht, legt er sich seit 1984 als Kabarettist mit der Welt an und ist damit einer der wenigen verbliebenen Diamanten dieser Kunstform, ganz in der Tradition von Legenden wie Dieter Hildebrandt oder Gerhard Polt.

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