Käfer auf dem Rückzug

Feldkirchen - Er hat einen schwarzen Panzer mit weißen Punkten, schwarz-weiß-gestreifte Fühler - und er lässt Feldkirchen nicht los. Auch in der Bürgerversammlung war der Asiatische Laubholzbockkäfer (ALB) das dominierende Thema. Dabei gibt es auch Probleme auf den Straßen.

„Ich würde sagen, die Masse ist weg“, sagte Hannes Lemme, von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) über den ALB. 2012 war das Tier erstmals in Feldkirchen gefunden worden, seitdem gab es weitreichende Fällungen und Suchmaßnahmen. Die LfL hat seit Juli 2013 nach eigenen Angaben etwa 700 Bäume gefällt, davor war nach Fläche gerodet worden, ohne nachzuzählen.

In 16 Bäumen war ein Käferbefall gefunden worden, allerdings wurden nicht alle gefällten Bäume untersucht. 6000 Mal waren Bäume von Kletterern bestiegen worden, bis Dezember soll das fortgeführt werden, so Lemme: „Ich hoffe, dass die Kletterer alles finden. Ich hoffe aber auch, dass sie leer ausgehen.“

Für große Aufregung sorgte eine Wortmeldung der Grünen-Gemeinderätin Simone Krois. Sie wollte wissen, worauf die „Entwarnung“ von Hannes Lemme basiere. Zudem sagte sie: „Mir fehlt die Kompetenz.“ Daraufhin sah sich sogar Bürgermeister van der Weck (SPD) genötigt, zu mehr Sachlichkeit aufzurufen, Lemme und die LfL machten schließlich nur ihren Job.

Sachliche Kritik kam vor allem von Vertretern der Bürgerinitiative „Gegen den ALB-Traum“. Hans Peter Thomas fragte, wieso denn keine Giftstoffe oder Baumimpfungen eingesetzt würden, die momentan in der Schweiz getestet werden. „Das Mittel ist nicht zugelassen, sorry“, so die fast gebetsmühlenartige Antwort von Hannes Lemme auf wiederholte Nachfragen.

Von einer Behörde könne niemand verlangen, im bewohnten Bereich nicht zugelassene Mittel einzusetzen. Niemand würde dafür die Verantwortung übernehmen, denn die genauen Folgen für Mensch und Tier sind nicht klar. Lemme bedauerte, dass der „bayerische Weg“ so wenig gewürdigt werde: Die LfL setze stark auf Kontrollen durch Baumkletterer und fällt in einem kleineren Umkreis Bäume, als das in der allgemeingültigen Richtlinie vorgeschlagen werde. Dank 194 Lockstofffallen wurden zudem zwei Käferweibchen gefangen, ein Erfolg, deshalb soll diese „Monitoring“-Maßnahme im kommenden Jahr nochmal erweitert werden.

Für Lemmes Ausführungen gab es aber auch Lob: „Sie scheinen der qualifizierte Fachmann zu sein“, sagte Klaus-Dieter Nitsche und bedauerte, dass Lemme zum Jahresende aus Feldkirchen abgezogen wird. Doch manche Bürger sind unzufrieden mit der Käfer-Bekämpfung und wollen neue Strategien. Gabriele Gruber von der Bürgerinitiative prophezeite: „Das war in Neubiberg sicher nicht der letzte Käfer.“

Der letzte Lkw ist nach der Aussage des Anwohners Daniel Rose auch noch nicht in der Salzstraße gefahren. Der Familienvater beklagt, dass dort trotz Lkw-Fahrverbotes 20 bis 30 Fahrzeuge pro Tag entlangfahren würden, teilweise ab halb sechs Uhr früh. Seine kleine Tochter könne kaum mehr die Nacht durchschlafen. Sogar Studenten hat Rose schon engagiert, die sollten von den Lkw Fotos machen, als Beweise für die Polizei. Die Brummi-Fahrer reagierten nach der Aussage von Rose aggressiv: Er sei beschimpft, beleidigt und bespuckt worden.

Der Leiter der Haarer Polizeiinspektion Karl-Heinz Schilling versprach, sich des Themas anzunehmen. Allerdings müssten auf den Beweisfotos die Fahrer zu erkennen sein.

Auch der Verkehrsworkshop mit Feldkirchner Bürgern war ein Thema. Werner Schamberger forderte seine ehemaligen Gemeinderats-Kollegen auf: „Das muss in schnellen Schritten umgesetzt werden.“ Bürgermeister Werner van der Weck sicherte dies zu, sobald das Geld dafür da sei. In einer Sondersitzung Ende November will sich der Gemeinderat mit den Ergebnissen des Verkehrsworkshops beschäftigen und erste Änderungen beschließen.

Von Benedict Witzenberger

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