Kalkuliertes Spiel mit malerischen Zitaten

- Michael Hausmanns "Stillleben" in der Grünwalder Galerie Hettlage

Pullach - Im Hintergrund Rembrandtsches Halbdunkel, davor ein Kerzenleuchter mit halb erloschener Flamme. Ein leeres Glas oder verstreute Birnen, die einen durchsichtigen Schatten werfen. Fruchtbarkeit und Tod, Ende und Anfang. In seinen in der Grünwalder Galerie Hettlage sehr kunstvoll arrangierten "Stillleben" greift Michael Hausmann auf die Tradition der barocken niederländischen Malerei zurück, deren prunkvoll überladene Tableaus zugleich Sinnbild für die Vergänglichkeit alles Seins sind.

Auch bei Hausmann steckt der Wurm im Detail: Er weiß um den trügerischen Charakter von Sinneswahrnehmungen, um die Rätselhaftigkeiten zwischen Schein und Sein. Sein oft verspielter Realismus kokettiert damit, das Auge des Betrachters zu täuschen oder es zumindest mit unerwarteten Details zu überraschen. Dann etwa, wenn sich ein Ausschnitt der Münchner Schellingstraße fast unscheinbar und doch mit minutiöser Genauigkeit auf der Neige eines Trinkglases spiegelt. Gegensätzliche Elemente formt hier der 1940 in Berlin geborene und seit 1972 in München wohnhafte Künstler zu einer Synthese zusammen. Er tut dies mit Ironie, Witz und einem Manierismus, der wiederum spätbarocke Züge trägt.

Schon seine Arbeitsweise mutet wie ein kalkuliertes Spiel mit "Bausteinen" an. Dies können Karaffen, Früchte, Masken oder Puppen sein. Er arrangiert sie nun zu einem Modell, leuchtet das Ganze mit Scheinwerfern, Lampen und Kerzen oft filmreif aus und überträgt diese Komposition meist mit Acryl, weniger mit dem allzu dickflüssigen Öl, auf die Leinwand.

Zugleich spielt Hausmann mit Versatzstücken der Vergangenheit. Hier beruft er sich unter anderem auf die Weimarer Klassiker und vorrangig auf Johann Wolfgang von Goethe. Dessen Farbenlehre liefert ihm Assoziationen zum "westöstlichen Licht". So sind lyrische Metaphern zu einem Buchstabensalat angereichert, der in einem Sektglas auf-, nieder- und durcheinander perlt. Selbst Goethes Barometer findet sich wieder mit Dichterfürst-Vignette und einem Spruch aus dem "West-Östlichen Diwan". Woher sonst? Nach so viel verspielter Gelehrsamkeit wirkt die Tango-Variation zunächst fast profan. Doch sie ist für etliche Besucher Ausstellungshöhepunkt.

Vier Schuhe auf rotem Samt erzählen von den glühenden Leidenschaften während einer durchtanzten Nacht. In seiner erotischen Aufgeladenheit hinterlässt einer der Schuhe einen schwarzen Schatten. Eine unaufdringliche, effektvolle Symbolik. Hettlage hat neben dem Bild einen roten Sessel gerückt und unterstreicht damit die sinnliche Laszivität der Bildkomposition.Manfred Stanka

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