Der Kampf gegen den Käfer

Putzbrunn - In Putzbrunn wird der Kahlschlag vorbereitet

Putzbrunn - Die Halteverbotsschilder in der Stollstraße stehen schon. Am Montag rücken die Waldarbeiter an und fällen auf einer vier Hektar großen Fläche die Bäume. „Das wird ein Kahlschlag“, warnt Michael Matuschek vom Ebersberger Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) die etwa 50 Bürger, die sich bei strömenden Regen über die Aktion informieren lassen.

Der Kahlschlag ist erst der Anfang. Ab 31. August werden auch die Laubbäume in den Gärten der angrenzenden Waldperlacher Märchensiedlung gefällt. Im Juni passierte bei einer Routinekontrolle, was Förster und Grundstücksbesitzer derzeit am meisten fürchten: Im Wald „Große Wiese“ war auf Putzbrunner Flur ein mächtiger Spitzahorn entdeckt worden, der vom Asiatischen Laubholzbockkäfer (ALB) befallen war. „In sechs Metern Höhe waren Einbohrlöcher“, erklärt Matuschek. Er spricht in diesem Zusammenhang von großem Glück. Etwas höher wären die Löcher nicht mehr zu sehen gewesen.

Der Baum wurde sofort gefällt. Spürhund Jule, ein speziell ausgebildeter, bayerischer Gebirgsschweißhund, kam zum Einsatz. Gefunden wurde eine Larve, die kurz vor dem Verpuppen war, sowie eine Puppe, die kurz vor dem Ausfliegen war. „Wenige Tage später und der Käfer wäre schon ausgeflogen“, sagt Matuschek. Wie vorgeschrieben, wurde der Ahorn sofort gehäckselt und im Heizkraftwerk Taufkirchen verbrannt. Allerdings musste nun die Fällzone in einem Umkreis von 100 Metern um den Baum errichtet werden. Das bedeutet nun: Nicht nur im Wald müssen die Laubbäume entfernt werden, sondern auch in den Straßen der Märchensiedlung. „Die Eigentümer sind alle verständigt. Für sie gibt es eine Informationsveranstaltung am 12. August“, sagt Matuschek.

Bei dem Termin am Mittwoch ging es zunächst einmal um die Maßnahmen im Wald. „Am Montag werden die Waldarbeiter mit großem Gerät anrücken. Etwa drei Wochen sind veranschlagt. Mit dabei sind nach Aussage Matuscheks auch bis zu 15 Experten des AELF, der Forstverwaltung der Stadt München und der Landesanstalt für Landwirtschaft“. Sie schauen sich jeden gefällten Baum an. Mit im Einsatz ist auch Jule sowie weitere Schnüffelhunde aus ganz Europa. „Wir hoffen, dass wir keinen weiteren Befall finden. Das wäre das Schlimmste und für uns Förster auch Schmerzlichste“, meint Jan Linder von der Städtischen Forstverwaltung. Die Stadt München ist eingebunden, weil der Wald zum größten Teil im Besitz der Landeshauptstadt ist.

Die Bekämpfungsfläche sei etwa 1,9 Hektar groß, auf der übrigen Fläche werden die Arbeiter tätig, um die vom Orkan Niklas umgerissenen Bäume zu entfernen. Auch diese werden unter die Lupe genommen und gehäckselt und verbrannt. „Das muss innerhalb von 24 Stunden geschehen“, so Matuschek.

Wie der Laubholzbockkäfer in den Wald kam, weiß Matuschek nicht, hat aber eine mögliche Erklärung: „Wer sich den Waldrand entlang der Stollstraße anschaut, findet dort Schnittgut, Weihnachtsbäume, Pflanzen, die bei uns im Wald normalerweise nicht wachsen oder sogar abgelagerte Euro-Paletten. Das war auch die Ursache für den Befall in Feldkirchen“, meint Matuschek. Die Larve werde nun in einem Labor genetisch untersucht. Vielleicht lässt sich dadurch die Herkunft feststellen.

Dass sie aus Neubiberg kam, hält Matuschek für nicht sehr wahrscheinlich. Er bittet die anwesenden Anwohner, künftig die Augen offenzuhalten: Wenn einer sehe, dass der Wald als Abfalldeponie, auch für Schnittgut missbraucht werde, solle er sofort Alarm schlagen. „Sonst haben wir möglicherweise in einigen Jahren wieder dasselbe Problem“, prognostizierte Revierleiter Alexander Schmid. Erstaunlich gelassen reagierten die Anwesenden auf die Hiobsbotschaften. Es gab nur vereinzelte Kritik über den Umfang der Maßnahme. Man könne auch Lockfallen anbringen, um überhaupt festzustellen, ob der Schädling vorhanden sei. „Wir haben hier im Wald damit gearbeitet. Dadurch wurde der Befall nicht festgestellt“, erläutert Matuschek.

Befürchtungen, dass die Rodungsfläche als Bauland ausgewiesen werden könne, wies Linder von der Hand: „Das ist ein Bannwald. Wir forsten die Fläche wie auf.“ Hier solle ein Eichenwald entstehen, so Matuschek. „Die Eiche wird nicht vom Asiatischen Laubholzbockkäfer befallen.“

Siggi Niedergesäss

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