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Protestunterschriften übergeben (v.l.) Erhard Neumann, Bernhard Bogdain und Brigitte Scholle an Bürgermeister Christian Kuchlbauer.

1000 Einwendungen

Kampfansage an Polizei-Hubschrauber

Oberschleißheim - In Oberschleißheim ist der Widerstand gegen die Stationierung weiterer Polizei-Hubschrauber ungebrochen. Binnen weniger Tage hat eine ortsansässige Initiative eine weitere Unterschriftenliste eingereicht.

584 Einwohner der Gemeinde zeichneten das Protestschreiben ab. Insgesamt gibt es rund 1000 Einwendungen. Eine Gruppe um Brigitte Scholle und Karl Schwärzell hat dem Oberschleißheimer Bürgermeister Christian Kuchlbauer Unterschriften gegen die Erweiterung des Hubschrauber-Sonderlandeplatzes um die Hubschrauberstaffel der Bayerischen Landespolizei übergeben. Die soll mit ihren fünf Maschinen vom Flughafen München nach Schleißheim verlegt werden.Eine Staffel der Bundespolizei mit 13 Helikoptern ist bereits auf dem Gelände hinter der Flugwerft des Deutschen Museums in Oberschleißheim stationiert.

Anwohner klagen über Lärm

Für 2500 Flugbewegungen pro Jahr sind die Bundeshubschrauber auf dem Landeplatz gemeldet. 3500 Flugbewegungen sollen durch die Landespolizei hinzukommen. Beiden Initiativen langt bereits, was Anwohner an Belastung allein durch das regelmäßige Training aushalten müssten. „Wenn die üben, dann können Sie aus dem Schlosspark bloß noch fliehen“, beschreibt Gabriele Kämpf die Situation an einem Ort, der als Denkmal und als Hort der Ruhe eigentlich geschützt sein sollte: „Das Maß ist voll.“

 Noch mehr Lärm sei man in Oberschleißheim nicht zu ertragen im Stande. Davon ist Kämpf überzeugt. Unter dem Titel „Oberschleißheim soll nicht weiter zerstört werden!“ sammelte die Bürgerinitiative 584 Unterschriften. Die Liste, einschließlich der eineinhalb Seiten starken Begründung, legte Kämpf dem Luftamt Süd der Regierung von Oberbayern persönlich vor. „Ich habe das da reingetragen und abzeichnen lassen“, sagt Kämpf. „Glauben Sie mir, ich habe schon komische Dinge erlebt...“ 

Rundumbelastung durch Autobahnen und Bundesstraßen

Gemeinsam mit Mitinitiatorin Emilie Stöhr argumentiert gabriele Kämpf mit einer für Oberschleißheim bereits unerträglich hohen Verkehrsbelastung und formuliert naturschutzrechtliche Bedenken. Kämpf ist graduierte Landschaftsarchitektin. In dem Begleitschreiben beklagt sie eine Rundumbelastung, eingekeilt von drei Autobahnen (A 9, A 92, A 99), zwei Bundes- (B 13, B 471) und zwei Staatsstraßen (St 2053, St 2342). Obendrein würde der Ort durch die Bahntrasse geteilt. Personen- und vor allem Güterverkehr trügen Lärm bis in Wohngebiete. „Wir können nicht ewig draufsatteln. Irgendwann muss Schluss sein“, sagt Gabriele Kämpf, die sich besonders im Klimaschutz einsetzt.

Nur ein Zeitgewinn

Die Initiatoren verweisen auf nachweislich gesundheitsschädliche Wirkung von Lärm und Stickoxiden. Weite Regionen um die Gemeinde seien als Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiete ausgewiesen, der Hubschraubersonderlandeplatz selbst als FFH-Gebiet europaweit anerkannt. „Und was, wenn einer der Hubschrauber in ein Wohngebiet stürzt?“ Massiv stört sich Kämpf an dem Umstand, das Negativeinrichtungen wie Mülldeponien, Heizkraftwerk, Flug- und Straßenverkehr dem Münchner Norden untergejubelt würden. Der Süden des Landkreises dagegen bleibe verschont. „Uns reicht es langsam. So lassen wir nicht mehr mit uns umgehen“, sagt Kämpf: „Bis hierher und nicht weiter!“ Und wenn, dann bitte schön in den Süden, schiebt sie augenzwinkernd nach: „Denn das letzte, was wir in unserer Lage verlieren sollten, ist unser Humor.“

Die Einwendungen werden im Planfeststellungsverfahren, zu dem die Gemeinde den Freistaat mit einer Klage gezwungen hatte, behandelt. Wobei der Landtag dem Hubschrauber-Projekt bereits zugestimmt hat. Was die Schleißheimer mit dem Verfahren gewinnen, ist also Zeit.

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