Gut Karlshof ein geschlossener Stoffkreislauf

- Riesenandrang beim Tag des offenen Hofes

Ismaning (mf) - Rund 90 landwirtschaftliche Betriebe haben sich an der bayernweiten Aktion "Tag des offenen Hofes" beteiligt. In Ismaning öffnete das städtische Gut Karlshof seine Pforten und die Massen strömten dort hin, um sich alles ganz genau anzuschauen: Maschinenhallen, neue Offenställe für die Ochsen, Schnapsbrennerei, Hofladen und vieles mehr.

"Am besten haben mir die Kühe gefallen. Die dürfen in den neuen Ställen machen, was sie wollen", zog Yvonne Sinning (7) Bilanz nach einem aufregend-schönen Tag auf dem Bauernhof. Mit ihrer Mutter Cornelia ist sie von Schwabing nach Ismaning gefahren und hatte mit ihr eine fachkundige Begleitung an der Seite. Cornelia Sinning stammt nämlich aus einer Landwirte-Familie. Jetzt allerdings lebt sie mit Yvonne in der Stadt und "für meine Tochter ist so ein Tag wichtig. Sie erfährt, wie etwas hergestellt wird und sieht das alles hautnah." Vom Gut der Landeshauptstadt München war aber auch die Landwirtschafts erfahrene Mutter beeindruckt: "Das ist ein sehr schönes Gut. Alles ist sehr gepflegt und die Gebäude sind übersichtlich angeordnet."

Angetan war Sinning von der verantwortungsbewussten Arbeit auf dem Hof, die Franz Eder von der Werkleitung der städtischen Güter als "geschlossenen Stoffkreislauf" beschreibt. Beispiel Kartoffeln: Die werden angebaut und teilweise zum Verzehr verkauft. Ein anderer Teil der Ernte landet in der Schnapsbrennerei. Die nicht-alkoholische Schlempe aus der Brennerei ist bei Ochsen eine recht begehrte Delikatesse. Die verdaute Nahrung wird ausgeschieden, und diese Gülle kommt dann in die Biogasanlage, die Strom und Wärme erzeugt. Und was dabei übrig bleibt, kommt als Dünger aufs Feld.

Die meisten Besucher waren laut Eder "sehr aufgeschlossen und auch begeistert. Manche hinterfragen Dinge aber auch kritisch. Denen zeigen wir, wie`s gemacht wird und dass bei uns nichts unterm Teppich bleibt."

Landwirtschaft transparent machen

Wegen der Lebensmittelskandale seien die Verbraucher kritischer geworden, sagt Eder. Umso wichtiger sei es, die "Landwirtschaft transparent zu machen." Auf dem konventionellen Gut Karlshof bekommen die Mastochsen nur Futter, das auf dem Gut erzeugt wurde. "Bei uns können Sie den Ochsen und das, was er frisst anschauen", sagt Eder

Acht Angestellte und drei bis vier Saisonkräfte arbeiten auf dem Gut, das vor allem für den Großhandel produziert. Trotz Produktion in großen Mengen achtet man auf Klasse. Das beeindruckte Cornelia Sinning, denn vielfach gelte die Devise "mit wenig Aufwand viel raus holen", weiß sie. Steigende Kosten und Steuern belasten die Landwirtschaftsbetriebe und den Verbraucher, der "gezwungen ist, günstig einzukaufen. Das bedeutet: Es muss kostengünstig produziert werden, um die Erzeugnisse zum günstigen Preis abgeben zu können", beschreibt Sinning den Teufelskreis.

Auf dem Gut Karlshof aber konnte sie ihrer Tochter Yvonne eine "vorbildliche Landwirtschaft" zeigen.

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