Auf Karriereleiter ganz weit oben angekommen

- Der künftige Kreisbrandrat Josef Vielhuber im Gespräch

VON MARC SCHREIB Unterhaching - Der Wunsch zu helfen ist Josef Vielhuber (45) quasi in die Wiege gelegt worden - er ist in der dritten Generation Feuerwehrmann. Am 4. Februar wird der Noch-Kreisbrandinspektor aus Oberhaching das Amt des Kreisbrandrats übernehmen und damit Adolf Fritz aus Garching ablösen, der aus Altersgründen ausscheidet. Bei einem Gespräch in der Unterhachinger Landkreisredaktion des Münchner Merkur erzählte Vielhuber vom neuen Amt und den künftigen Aufgaben.

Amtswechsel

Zum Vorbild nahm sich der Bub Josef Vielhuber Vater und Großvater, die beide in der Oberhachinger Feuerwehr als Gerätewarte arbeiteten. Doch seine ehrenamtliche Karriere übersteigt die seiner Vorfahren bei weitem. "Freizeit nicht vorhanden" - mit diesen prägnanten Worten beschreibt Vielhuber den Aufwand seines künftigen Amts als Kreisbrandrat. Alarmiert wird der "oberste Feuerwehrmann" der Landkreisfeuerwehren aber nur bei Großeinsätzen, wie kürzlich beim Tankwagenunfall in Haar. "Das formale Hauptgeschäft findet abends und am Wochenende statt." Vielhubers Hauptaugenmerk bei seiner künftigen Aufgabe gilt der Ausbildung und der Jugendarbeit. "Ein Patentrezept, wie man die Jungen begeistert, gibt es nicht." Die große Herausforderung sieht Vielhuber darin, den guten Standard an Gerätschaften und Personal beizubehalten.

Einsatzzentrale

An der Feuerwehreinsatzzentrale (FEZ) des Landkreises München wird vorerst nicht weiter gerüttelt, wie Vielhuber klarstellte. Vor zwei Jahren hatte der Landtagsabgeordnete Peter Paul Gantzer (SPD) bei der Feuerwehr einen Alarm ausgelöst, als er favorisierte, dass die Integrierte Leitstelle in München die Aufgaben der FEZ übernehmen könnte. Der Kreistag entschied sich jedoch gegen eine Auflösung. "Mit seinen 300 000 Einwohnern kann der Landkreis von der Leitstelle in München nicht so bedient werden, wie wir das unter Beweis gestellt haben", so der künftige Kreisbrandrat. Der Notruf laufe bei der Integrierten Leitstelle auf, die bei Feuerwehreinsätzen innerhalb weniger Sekunden die FEZ verständige. Zeitverlust gebe es praktisch keinen. Um das auch weiterhin garantieren zu können, wird jetzt technisch aufgerüstet und modernisiert. "Wir erfüllen die Anforderungen und Aufgaben im Übrigen genauso wie die Leitstelle und wie es die gesetzliche Bestandsgarantie vorschreibt." Dazu kommt laut Vielhuber die Ortskenntnis, ein Gespür und die "Einfühlung" dafür, was wo wann gebraucht wird. Bei der Berufsfeuerwehr in München mit 60 000 bis 70 000 Einsätzen pro Jahr könne man nicht zwischen Alarm und Alarm differenzieren. "Die drücken auf den Knopf, und dann stehen 20 Mann vor der Tür, ganz gleich, wie viele nötig sind."

Wohnungsnot

"Ich will keine Gemeinde an den Pranger stellen." Der designierte Kreisbrandrat wünscht sich jedoch, dass die Kommunen verstärkt junge Feuerwehrmänner unterstützen und am Ort halten, deren Einkommen für hiesige Mietpreise oft kaum ausreichen. "Sie verdienen zum angemessenen Leben zu wenig, für eine Unterstützung zu viel." Die Alarmsicherheit am Tag sei zwar noch gewährleistet, aber nicht unbedingt auch in Zukunft. Deshalb müsse ein Umdenkprozess einsetzen. Vielhuber schlägt vor, bei der Besetzung von Gemeindestellen, etwa am Bauhof, verstärkt Feuerwehrmänner zu berücksichtigen, die ihre Ausbildung abgeschlossen haben. Vorzeigegemeinde für Wohnraumbeschaffung sei übrigens Aschheim: Im Dachgeschoss des Feuerwehrhauses hat die Gemeinde fünf Wohnungen ausgebaut. "Solche Möglichkeiten haben viele andere noch nicht erkannt."

Ortsfeuerwehren

Als der Bayerische Städte- und Gemeindetag im vergangenen Jahr den Vorschlag machte, Feuerwehren verschiendener Ortsteile zusammenzulegen, um Geld zu sparen, stellte sich die Staatsregierung sofort hinter die Floriansjünger. "Und das aus guten Gründen", so Vielhuber. Die Entfernungen gerade im Süden von München, in den Landkreisgemeinden, seien vielfach zu groß, um sie von einem Standort aus rechtzeitig zu erreichen. "Der schnelle Zugriff muss gewährleistet sein. Alle Feuerwehren haben ihre Berechtigung."

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