„Katzenbuckel“: Brücke muss höher liegen

Ebenhausen - Ekkehard Körner aus Zell meldete sich jetzt unter dem Punkt „Bürger fragen“ im Gemeinderat zu Wort. Der 74-jährige Patentanwalt bezweifelte, dass beim Ersatzbau der Eisenbahnbrücke an der Alpenblickstraße wirklich eine Anhebung um 90 Zentimeter vonnöten ist.

Wie berichtet muss die schadhafte Brücke aus dem Jahre 1898 durch eine Stahlkonstruktion ersetzt werden, da eine Sanierung unmöglich ist. Wolfgang Häusele vom Büro Trepte Häusele aus Germering hatte dem Gremium die Konstruktion vorgestellt - zusammen mit der Hiobsbotschaft, dass die neue Brücke um einiges höher sein muss als das Vorgängermodell. „Der Grund sind die derzeit abgesenkt verlaufenden Oberleitungen, die so keineswegs dem heute geforderten Standard entsprechen.“

Jetzt muss durch die erweiterte Durchfahrtshöhe auch die Straße angehoben werden. Verläuft sie jetzt mit einer Steigung von sechs Prozent, würde sie dann auf elf Prozent hochschnellen. „Wie ein Katzenbuckel“, kritisiert Körner. Der Zeller hat sich mit der Eisenbahn Bau- und Betriebsordnung (EBO) beschäftigt. „Deren Vorschriften unterscheiden bezüglich der Fahrdrahthöhe an keiner Stelle zwischen Bestands- und Neubauten“, so sein Fazit. „Für den Regellichtraum, sprich den Raum, der um das Fahrzeug herum freigehalten werden muss, ist ein Höhenmaß von mindestens 5,20 Metern angegeben, also weniger, als die Bahn jetzt plant.“ Körner verweist auch auf einen Leitfaden der Deutschen Bahn für Hilfeleistungseinsätzen vom 1. März 2003, der sich an Feuerwehren und das THW richtet. „Hier heißt es, dass sich im Regelfall der Fahrdraht in einer Höhe von 5,50 Meter bis sechs Meter über Schienenoberkante befindet und dass für Neubaustrecken die Höhe 5,30 Meter beträgt.

Außerdem kann er in Bereichen von Tunneln und Brücken sowie in Bergsenkungsgebieten auf 4,95 Meter sowie in Ausnahmefällen auf 4,80 Meter abgesenkt werden.“ Körner wollte wissen, ob sich die Gemeinde oder eine sie juristisch beratende Behörde jemals mit der EBO auseinandergesetzt haben beziehungsweise, ob die Frage der Fahrdrahthöhe jemals mit der Deutschen Bahn diskutiert worden sei.

Bürgermeister Matthias Ruhdorfer (CSU) musste verneinen: „Das haben uns die Ingenieure so mitgeteilt.“ Tatsächlich erhielt Planer Häusele die Zahlen als Vorgaben direkt von der Bahn. Die Situation: Kurz vor der zu erneuernden Brücke ist die S7 noch eingleisig und kommt in einem Bogen aus Richtung Icking. Anschließend verläuft die Strecke zweigleisig in Richtung Bahnhof Ebenhausen (Gegenzug aus Baierbrunn). „Im Bahnhofsbereich ist laut Richtlinie bei einer Brückenerneuerung eine lichte Höhe der Oberleitung von 6,20 Metern über Schienenoberkante vorgeschrieben, auf freier Strecke 5,70 Meter“, begründet ein Sprecher der Bahn auf Nachfrage das Zahlenwerk für Ebenhausen. „Die zusätzlichen sechs Zentimeter resultieren aus der Überhöhung der Gleise von bis zu 85 Millimeter in diesem Bereich.“ Als Überhöhung bezeichnet man die Querneigung in einer Kurve zum Kurveninneren hin, so wie auch bei Radrennen im Oval die Fahrbahn in den Kurven schräg verläuft. „Die Berechnung der Überhöhung erfolgt für jeden Gleisabschnitt individuell, wird entsprechend den Richtlinien sowie den technischen und verkehrlichen Erfordernissen wie Geschwindigkeiten, leichter Personen- oder schwerer Güterverkehr festgelegt.“ Auch Schwingungen spielen eine Rolle.

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