+
CSU-Spitzenleute, wie Heimatminister Markus Söder im vergangenen Jahr, sind das Aushängeschild des Keferloher Montags. „Der Landkreis ist nicht die Melkkuheines CSU-Fördervereins.“Annette Ganssmüller maluche (SPD)

SPD kritisiert den Zuschuss des Landkreises

Keferloher Montag wird zum Wahlkampf-Politikum

  • schließen

Ein Wettkampf im Leistungspflügen soll den „Keferloher Montag“ aufpeppen. 12 000 Euro schießt der Landkreis dazu. Die SPD protestiert: Mit dem Geld der Steuerzahler würde Wahlkampf für die CSU finanziert.

KeferlohAnnette Ganssmüller-Maluche (55), Vize-Landrätin und stellvertretende Kreisfraktionschefin der SPD, verwies auf die Rednerliste der jährlich am ersten Montag im September veranstalteten Landwirtschaftsschau: Horst Seehofer, Günter Beckstein, Markus Söder, Edmund Stoiber. Die Liste prominenter Christsozialer ließe sich beliebig fortsetzen, rügt die Kreisrätin: „Seit Jahren fordern wir CSU-ferne Redner.“ Pustekuchen. 

„Der Landkreis ist nicht die Melkkuh eines CSU-Fördervereins.“ 

Dem Veranstalter, den „Keferloher Freunden“, scheint daran gelegen, das Publikum mit Schwergewichten der Partei zu erfreuen. Heuer wird Ulrike Scharf erwartet, Ministerin für Umwelt und Verbraucherschutz in Bayern. Mitten im Wahlkampf? Drei Wochen vor der Bundestagswahl? Annette Ganssmüller-Maluche gefällt das gar nicht. Auf keinen Fall dürften dafür öffentliche Mittel verwendet werden: „Der Landkreis ist nicht die Melkkuh eines CSU-Fördervereins.“ 

Und überhaupt: 12 000 Euro für ein Wett-Ackern mit 16 Jugendlichen? Allein 5000 Euro seien für Preise ausgelobt. „Wenn ich einem Burschenverein 4000 Euro zustecke, legen die mir einen Wettkampf par excellence hin“, wetterte die Vize-Landrätin. Der über die Region hinaus bekannte Keferloher Montag blickt auf 1000 Jahre Tradition zurück. Einst größter Viehmarkt im Oberland, geriet die inzwischen bis zu 30 000 Euro teure Veranstaltung zuletzt finanziell in Schieflage. Als Landwirtschaftsschau wollen die „Keferloher Freunde“ den Festtag für Bauern wiederbeleben, setzen dabei bewusst auf Tradition. Wobei die Gaudi nicht zu kurz kommen möge, sagt Josef Hornburger (61), CSU-Kreisrat und Mitglied des Vereins. Leistungspflügen ist heuer eine zusätzliche Attraktion.

Zuschuss gegen die Stimmen von SPD und Grüne beschlossen

Gegen die Stimmen von SPD und Grünen gab der Kreisausschuss für Sport, Kultur und Partnerschaften die beantragten 12 000 Euro letztendlich frei. Hornburger freut das ungemein. Für den Landwirt aus Kirchheim steht fest, dass sich die SPD in ihrer Kritik verrannt hat. „Mit dem Geld wird nur das Preis-Ackern finanziert“, versichert er. Die Mittel für den Keferloher Montag würden erneut über Spenden aufgebracht. Im Jahr 2014 gewährte der Kreistag dem Verein einen Zuschuss über 10 000 Euro. Das Geld blieb unangetastet. Um eine Debatte über den Umgang mit Steuergeldern zu vermeiden, halfen private Spender aus. Hornburger kann die ganze Aufregung nicht nachvollziehen. Bis vor 20 Jahren sei Leistungspflügen Teil des Lehrplans der Landwirtschaftlichen Berufsschule gewesen. Den jährlich ausgelobten Kreisentscheid wolle man wiederbeleben, das Publikum zugleich erfreuen. Wett-Ackern sollen vor allem Berufsschüler. An diejenigen gewandt, die einen Burschenverein beauftragen wollen, sagt Hornburger: „Preis-Ackern ist eine ernste Sache, kein Firlefanz.“ Traditionspflege mit Gaudi. Zurück zu den Wurzeln. „So wie man ackert, erntet man“. Das hätten ihn schon Eltern und Großeltern gelehrt.

Was den Vorwurf betrifft, CSU-Politiker zu bevorzugen, reagiert Hornburger mit Blick auf die SPD gelassen: „Bemüht´s euch mal, dass Ihr mehr wie 19 Prozent herkriegt und schaut’s dass Ihr den Schulz herbringt!“ Die Sozialdemokraten nämlich wären nicht per se von der Veranstaltung ausgenommen. Der Verein würde mitziehen. „Es ist doch so: Wir brauchen Leute, die unseren Bauern auch was zu sagen haben.“ Daher auch die Rednerliste voller bayerischer Politiker. Ob Martin Schulz mit hiesigen Bauern ins Gespräch kommt, steht auf einem anderen Blatt.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Wohnturm in Haar geplant: So hoch soll er werden
Ein Investor aus Haar will an der Münchner Straße 123 Wohnungen bauen, inklusive eines 42 Meter hohen Wohnturms. Vor vier Jahren hat genau dort ein Hochhausprojekt einen …
Wohnturm in Haar geplant: So hoch soll er werden
Ein Abend allein für die Ehrenamtlichen
Garchings Bürgermeister Dietmar Gruchmann zeichnet die Helfer aus. Sie bekommen einen Gowirich-Pokal. 
Ein Abend allein für die Ehrenamtlichen
Das ist Aiwangers Plan zur Abschaffung der Strabs
Die Freien Wähler treffen mit ihrem Volksbegehren zur Abschaffung der Straßenausbaubeiträge den Nerv vieler Menschen. Nun ist FW-Chef Hubert Aiwanger in Hohenbrunn …
Das ist Aiwangers Plan zur Abschaffung der Strabs
Kommentar: Die Strabs muss weg
Die Freien Wähler geben sich mit der Absichtserklärung der CSU, die Straßenausbaubeitragssatzung zu kippen, nicht zufrieden. Sie fordern: Ein Gesetz muss her. Gut so, …
Kommentar: Die Strabs muss weg

Kommentare