Keine Bildung für Behinderte

- Oberschleißheim - Die Tagesbildungsstätte TABS des HPCA-Bildungswerks (Heilpädagogisches Centrum Augustinum) in Oberschleißheim wird zum Jahresende geschlossen. Wie Bildungswerk-Leiter Norbert Selleneit berichtet, ist der Sparkurs des Bezirks Oberbayern dafür verantwortlich, da das TABS Pflegesatz-finanziert betrieben wird. Die TABS habe bislang einen höheren Satz erhalten als andere Einrichtungen. Dieser solle nun pro Teilnehmer von 60 Euro auf 32 bis 35 Euro reduziert werden. Mit dem niedrigeren Satz aber könne die TABS nicht weiter geführt werden.<BR>

<P>Betroffen vom Aus sind jährlich 32 behinderte Teilnehmer, für die keine Ersatzangebote geplant seien. Betroffen ist auch das betreuende Personal: Sechs Sozialpädagogen, ein Psychologe sowie Zivildienstleistende oder Praktikanten. Das Personal werde laut Norbert Selleneit nicht arbeitslos. "Das Augustinum ist ein großer Konzern und versucht alle unterzubringen." Doch auch wenn darauf geachtet werde, dass keine sozialen Härten entstehen, würden manche eine weniger gut bezahlte Beschäftigung erhalten.<P>Mit der Einstellung der TABS fällt auch die Wohnschule mit ihren vier Gruppen weg. So waren die Gruppen 1 und 2 so weit trainiert, dass sie auf dem Weg zu einem selbstständigen Leben waren. Hier hofft Norbert Selleneit, dass es künftig wenigstens möglich sein wird, weiterhin acht bis zehn Leute ein Vierteljahr speziell zu schulen. "Das TABS war stets für Menschen da, die mit der Arbeit oder der Gruppe in den Werkstätten nicht zurecht kamen. Viele wurden Wohnschule fällt weg dank TABS vor der Psychiatrie bewahrt oder ihnen konnte nach der Schulung sogar wieder Arbeit vermittelt werden." Wichtiger Baustein dabei war das Mobilitätstraining, bei dem die Behinderten auch lernten, wie sie selbst zur Arbeit und zurück kamen. So entstanden dem Bezirk keine Mehrkosten für einen Buszubringerdienst. "Mit dem Sparkurs schneiden wir uns gesellschaftlich ins eigene Fleisch", sagt Selleneit. Die Folge sei, dass die betroffenen Behinderten "schwieriger werden und dann ist mehr Betreuungspersonal notwendig". Das wiederum koste Geld und so sei die jetzige Sparmaßnahme des Bezirks nur eine "kurzfristige Einsparmaßnahme".<P>Während die TABS schließt, wird das Offene Bildungsprogramm zumindest im nächsten Jahr weiter laufen. Norbert Selleneit rechnet zwar mit einem höheren Defizit, aber das Sozialreferat der Landeshauptstadt habe signalisiert, dass die finanzielle Unterstützung fürs offene Programm und das Mobilitätstraining erhöht werden könnte. Mit Sorge blickt Selleneit auf die Behinderten-Werkstätten und Wohngruppen: Auch da zeichne sich ab, dass mehr eingespart werden soll. "Es soll mit immer weniger Betreuern und weniger Ausgaben gearbeitet werden", laute die Devise. Vergessen werde dabei auch die Vorgabe, dass die "Werkstätten auch für Bildung sorgen müssen".Marion Friedl<P>

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