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Tägliches Ritual: Im „Allegro“ beginnt jeder Tag mit einem Morgenkreis, den Erzieherin Evi Dietrich leitet, hier mit (v.l.) Leo, Ronja, Jakob, Carolin, Emma und Laura. Sie alle haben ab September keinen Raum mehr, in dem sie sich begrüßen können. 

In Haar

Keine Lust mehr auf Kinder: Vermieter kündigt Vorschulkindergarten

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Keine Lust mehr auf Kinder hat der Vermieter des Haarer Vorschulkindergartens „Allegro“. Er hat der Einrichtung gekündigt. Zum 31. August diesen Jahres stehen 36 Buben und Mädchen sowie das Betreuerteam auf der Straße.

HaarDer Haarer Vorschulkindergarten „Allegro“ bereitet 36 Kinder gezielt auf die Grundschule vor. Seit vier Jahren ist er in Räumen im Mischgebiet untergebracht, in der Peter-Henlein-Straße auf 400 Quadratmetern und zwei Stockwerken. Nun wurde der Einrichtung zum 31. August gekündigt, die Inhaberversammlung will keine Kinder mehr. „Über 100 Anrufe habe ich in den vergangenen Monaten im Münchner Osten gemacht – sobald die Vermieter nur das Wort ‚Kinder’ hören, blocken sie ab“, sagte Ute Galfe, bei „Allegro“ für die Verwaltung zuständig.

Marion Hoffmann hatte „Allegro“ im Jahr 2006 in Trudering gegründet, dort mussten sie raus, weil das Gebäude saniert wurde. „Seit vier Jahren sind wir in Haar, es war uns schon klar, dass dies keine Dauerlösung sein könne, bereits zwei Mal wurde unser Mietvertrag verlängert“, sagte Galfe, studierte Betriebswirtin und seit sechs Jahren bei „Allegro“. Nach einer Versammlung der Wohnungsbesitzer im Februar, zu der „Allegro“ nicht eingeladen war, wurde der Mietvertrag für Ende August gekündigt. „Wie uns berichtet wurde, haben sich zahlreiche Eigentümer aus der Nachbarschaft gegen Kinder ausgesprochen – dabei haben wir keinen Garten, in dem wir laut sein könnten, sondern gehen regelmäßig auf Spielplätze und eine Spielwiese. Ich weiß wirklich nicht, wie die Kinder hier stören könnten“, sagte Galfe.

Die Buben und Mädchen sind zwischen fünf und sieben Jahre alt. Einige von ihnen sind hyperaktiv, andere hochintelligent. Bei manchen ist die Entwicklung verzögert. Und auch Flüchtlingskinder besuchen die Einrichtung. Eingeteilt sind alle zusammen in drei Gruppen: „Kannkind“ mit Geburtstag bis 31. Dezember, „Schulkind“ mit Geburtstag bis 30. September sowie zurückgestellte Kinder. „Jedes Jahr sind auch zwei Inklusions-Kinder dabei, die ein Handicap haben, das kann Diabetes sein, ein Sehproblem, aber auch eine seelische Beeinträchtigung“, sagte Galfe. Die Kinder sind ein Jahr bei „Allegro“ und werden in sechs Fächern unterrichtet, wobei jedes Kind mindestens ein Mal am Tag Unterricht hat – neben Spielen, Sport, Basteln, speziellen Logopädie-Stunden, Singen oder Musik.

„Unser Ziel ist es nicht, der Schule etwas vorwegzunehmen, dass sich die Kinder dort langweilen.“ Es gehe um Arbeitsweisen, etwa, wie man einen Stift spitzt oder ein Blatt ausfüllt. In Mathe wird nicht gerechnet, sondern die Kinder lernen den Unterschied zwischen großen und kleinen Mengen kennen, zwischen oben und unten. „In Deutsch erzählen wir Geschichten, die die Kinder nacherzählen oder wir klatschen Silben. In Englisch singen wir Lieder, lernen Farben und in Heimatkunde besuchen wir Museen, gehen in Parks und Fußgängerzonen, schauen uns die Natur oder Denkmäler an“, sagte Galfe. Die Eltern zahlen 365 Euro im Monat, bei einer Betreuung bis 13.30 Uhr. Wer sein Kind für eine längere Zeit abgeben möchte, zahlt mehr. Wer das nicht bezahlen kann, dem helfen der Freistaat und die Gemeinde Haar. „In diesem Jahr haben wir sechs Kinder, deren Eltern den Betrag nicht voll zahlenkönnen“, sagt Galfe.

Nun aber bringt die Kündigung das Konzept und die Einrichtung ins Wanken. Für das nächste Vorschuljahr sieht es sehr schlecht aus. Bisher hat „Allegro“ kein neues Gebäude, man steht in Verhandlungen für zwei Objekte, eins in Haar, das andere in Trudering. „Die haben noch nicht gleich abgewunken wie alle anderen. Wir brauchen mindestens 400, besser 500 Quadratmeter, viele Räume und idealerweise einen großen Garten. Die Gemeinde unterstützt uns, das Landratsamt auch – aber bisher gab’s nur Absagen. Wenn wir nicht bald eine Zusage erhalten, dann gibt’s kein ’Allegro’ mehr“, sagte Galfe.

Gegen das Gesetz

So etwas wie den Haarer Vorschulkindergarten „Allegro“ dürfte es eigentlich in Bayern gar nicht mehr geben. Das bayerische Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz (BayKiBiG) legt fest, dass die Vorbereitung auf die Schule in den Kindergärten erfolgen soll. Die Erzieherinnen dort sollen zudem engen Kontakt zu Schule und Lehrern halten. Doch aufgrund des Personalmangels in fast jedem Kindergarten klappt das kaum noch. Da kommt dann eine private Organisation wie „Allegro“ ins Spiel.

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