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Ein Paradies für Kinder – eigentlich, denn hier darf nicht gespielt werden – die Grünanlage zwischen Zaunkönig- und Zeisigstraße in Ottobrunn. 

Streit unter Anwohnern

„Kinder dürfen keine Kinder sein“

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Ottobrunn – Eine Grünanlage zwischen Zaunkönig- und Zeisigstraße in Ottobrunn wird zum Streipunkt unter den Anwohnern. Eltern wollen hier ihre Kinder spielen lassen. Das bringt viel zu viel Lärm, finden andere.

Mehrere Buben im Jugendalter spielen auf der Wiese Fußball, kicken sich den Ball zu. 100 Meter weiter sitzen drei Kleinkinder im Sandkasten, bauen zusammen eine Burg. Fünf Mädchen spielen Fangen, laufen umher, lachen und rufen vergnügt. Ihre Mütter sitzen auf den Bänken am Rand des Sandkastens und ratschen. Nachmittags-Idylle in der Grünanlage zwischen Zaunkönig- und Zeisigstraße in Ottobrunn.

Doch hinter so mancher Fassade der umliegenden Mehrfamilien-Häuser wohnt der Ärger. Vor allem in den Gebäuden der Zaunkönigstraße 23 bis 27. Einigen Mietern und Eigentümern passt es nicht, dass die Kinder, die dort mit ihren Familien leben, auf der Wiese hinter dem Wohnblock spielen, vor allem Fußball. Zu laut, zu wild, finden einige Bewohner.

„Sie dürfen nicht lachen, nicht weinen, nicht schreien“, sagt Marita Goldhahn-Denzinger. „Sie dürfen keine Kinder sein.“ Ihr gehört eine Wohnung in dem Block, die sie an Dagmar Öhler-Cardoso vermietet hat. „Die Kinder werden beschimpft, verjagt. Sie sind hier nicht willkommen“, sagt die Mieterin. Das habe auch ihr eigener Sohn (7) schon zu spüren bekommen. Mehrere Eltern haben sich zusammengetan und ausgetauscht. Sie sind empört und sauer. Viele möchten ihren Namen nicht in der Zeitung lesen, sie haben Angst.

Mehrfach sei die Situation eskaliert, erzählen die Familien. Die Polizei wurde gerufen. Drei Mal waren die Beamten in diesem Jahr vor Ort, bestätigt Robert Fritsch, stellvertretender Dienststellenleiter der Polizei-Inspektion Ottobrunn. „Drei Einsätze wegen Ruhestörung durch Kinder “, konkretisiert er. Im Juli, August und November riefen verärgerte Anwohner die Beamten. Anzeigen wurden aber nicht erstattet.

Auf mehreren Wiesen zwischen den Häusern stehen Schilder mit einer klaren Botschaft: „Spielen verboten“. Ein weiteres kommt bald hinzu. Nämlich für die besagte Wiese hinter den Häusern der Zaunkönigstraße 23 bis 27. „Das Gebolze bis in die späten Abendstunden“ sei eine Beeinträchtigung der Wohnqualität und eine Ruhestörung, sagte eine Sprecherin der Münchener Verwaltungsgesellschaft, die die betroffenen Gebäude verwaltet. Sie versteht, dass sich einige Bewohner massiv gestört fühlen. „Das ist nun mal keine Bolz- und Spielwiese.“

„Wo sollen die Kinder denn hin?“, fragt Goldhahn-Denzinger. Der Spielplatz für das gesamte Areal im Innenhof der Wohnblock-Siedlung, zwischen den Mehrfamilienhäusern an der Zeisig- und Zaunkönigstraße, reiche nicht. Und er befinde sich in schlechtem Zustand, klagen Familien. Tatsächlich wirkt er nicht sonderlich einladend zum Spielen: Ein verwitterter Sandkasten, Dreck und Laub liegen im Sand, eine Wippe und ein paar ebenfalls verwitterte Bänke. Eine Schaukel gibt es nicht. Dafür aber ein Schild: Mittagspause von 13 bis 15 Uhr.

Mit dieser Situation will sich Marita Goldhahn-Denzinger nicht zufriedengeben. Viele Eltern sind gefrustet. Sie wünschen sich einen zweiten Spielplatz – und zwar auf der Wiese hinter dem Wohnblock Zaunkönigstraße 23 bis 27. Auch wenn dies den Ärger mit genervten Bewohnern nicht mildert, sondern womöglich eher befeuert. Goldhahn-Denzinger hat versucht, alle Hebel in Bewegung zu setzen. Die Verwaltung lehnt einen weiteren Spielplatz vehement ab. Der sei „völlig konträr“ zu den Belangen einiger Bewohner, sagt die Sprecherin, die namentlich nicht genannt werden möchte. Denn Spielgeräte würden den Lärmpegel sicher erhöhen.

Doch Goldhahn-Denzinger will sich nicht einfach so abspeisen lassen. Bei etlichen Behörden und Anlaufstellen hat sie das Problem geschildert, auch beim Landratsamt. „Anlässlich einer Mieterbeschwerde wird derzeit geprüft, ob die vorhandenen Gegebenheiten den gesetzlichen Anforderungen genügen“, sagt Pressesprecherin Christina Walzner.

Gut stehen die Chancen nicht für einen zweiten Spielplatz. „Die Gebäude der Zaunkönigstraße 23 bis 27 ist Teil einer größeren Wohnanlage, die auf der Grundlage eines Bebauungsplans aus dem Jahr 1966 als Gesamtkomplex errichtet wurde. Dieser Plan sieht für alle Wohngebäude einen gemeinschaftlichen Kinderspielplatz vor.“ Eben der, der einen trostlosen Eindruck macht und vielen Familien nicht genügt. „Verbindliche gesetzliche Anforderungen, welche Geräte vorhanden sein müssen, bestehen nicht“, sagt Walzner. „Es gibt nur die allgemeine Anforderung, dass ein Spielplatz nach Lage, Größe und Ausstattung geeignet sein muss.“ Ob der vorhandene dem entspricht, prüft die Behörde.

Unabhängig vom Ergebnis: Der Streit unter den Nachbarn ist nicht beigelegt. Denn die Wiese bleibt ein beliebter Spielplatz – auch ohne Geräte und mit Verbotsschildern.

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