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Kinder fordern Spielstraße

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Sauerlach - „Liebe Frau Bürgermeisterin“ - nicht jeder Antrag, den Barbara Bogner auf den Tisch bekommt, fängt so an. Der von der Interessengemeinschaft Herbststraße schon. 24 Kinder im Alter von drei bis 14 Jahren haben ihn gestellt und mit Buntstift unterschrieben. Sie fordern: eine Spielstraße.

Die Buben und Mädchen sind sauer. „Immer, wenn wir draußen spielen, rasen hier Autos durch“, sagt Franziska Ernst. Neulich habe es eine richtig gefährliche Situation mit ihrer Schwester Katharina (14) gegeben. „Der Typ im Auto musste ganz stark bremsen und ist dann mit quietschenden Reifen weitergefahren“, erzählt die 13-Jährige.

Das war zu viel. Gemeinsam mit ihrer Freundin Ruba Ismail (13) suchte sie nach einer Lösung. Die Interessengemeinschaft war geboren. Die Bitte auf Errichtung einer Spielstraße oder eines verkehrsberuhigten Bereiches wurde sorgfältig formuliert. Sich gleich an die Rathauschefin zu wenden, fanden die Mädchen nicht ungewöhnlich. „Als Bürgermeisterin muss sie doch wissen, was in der Herbststraße los ist“, meinen die beiden. Berührungsängste? „Nö, ich kenne Frau Bogner doch aus dem Supermarkt und dem Gemeindeblatt“, sagt Ruba.

Die Schülerinnen machten sich in den Tagen danach auf Unterschriftensuche. 24 Namen kamen zusammen. Leoni, Carlo, Amelie und Moritz: Sie alle machten mit. Die Kinder unterzeichneten mit Wachs- oder Buntstift, mal ordentlich, mal gekrickelt. Zu sehen gab’s das bei der Sitzung des Bauausschusses an die Wand projiziert.

Dass sie mit ihrem Antrag derart offizielles Terrain betreten, war den Gymnasialschülerinnen am Anfang gar nicht so präsent. In der Sitzung des Bauausschusses fehlten sie. Keines der Kinder war im Rathaus zugegen, als sich die neun Ausschussmitglieder mit dem Antrag befassten. „Wir haben gar nicht gewusst, was mit dem so schnell passiert“, sagt Franziska enttäuscht. Sie sei beim Turnen gewesen, erzählt sie, hätte das aber für die Sitzung sausen lassen. Und jetzt, da alles vorbei ist, fragt sie sich: „Warum hat uns denn keiner Bescheid gesagt?“

Das Gremium behandelte den Tagesordnungspunkt Nummer neun geschäftsmäßig und wie jeden anderen. Am Ende stimmten alle Mitglieder dagegen.

Warum, das erfuhr Franziska in einem Antwortschreiben, das sie dieser Tage erhielt. Die Herbststraße sei von Anfang an nicht als Spielstraße angelegt worden, sei eine Ortsstraße mit überwiegend Anliegerverkehr. Eine Spielstraße müsse entsprechend ausgebaut sein, steht dort geschrieben. Nur mit Aufstellung von Verkehrszeichen wäre die Straße nicht sicher genug, ein Umbau kostete zu viel Geld.

Die Kinder sind enttäuscht und wissen momentan nicht, was sie noch machen sollen. Wollen sie später mal in die Politik? „Oh nein, ganz bestimmt nicht.“

„Schade, dass die Mädchen nicht mehr erreichen konnten“, meint auch Mutter Nicola Ernst. Schließlich wohnten in diesem Bereich fast in jedem Haus Kinder. Die Grundschullehrerin bestätigt die Ernsthaftigkeit des Anliegens. „Viele Autofahrer nutzen die Herbststraße als rasche Abkürzung, um die Kreuzung Hofoldinger und Münchner Straße zu umgehen“. Obwohl nur Tempo 30 erlaubt sei, obwohl es sich um eine Anliegerstraße handele.

„Liebe Franziska, wir bitten um Verständnis, euren Antrag nicht erfüllen zu können“. Mit dieser Erkenntnis werden die Mitglieder der Interessengemeinschaft wohl leben müssen.

von Kathrin Kohnke

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