Kinderbetreuung: Reform unumgänglich

- Angeregte Diskussion über Förderrichtlinien

VON BIRGIT DAVIES Oberhaching - Von einer Qualitätssteigerung in pädagogischen Einrichtungen mit Hilfe des neuen "Kindbezogenen Förderkonzepts" konnte Ministerialrat Hans-Jürgen Dunkl vom Sozialministerium seine Zuhörerschaft nicht überzeugen. Das "Weißbräu" in Deisenhofen war jetzt mit Eltern und Pädagogen voll besetzt, die sich auf Einladung des Elternbeirats der Kindertagesstätte St. Bartholomäus über die Neugestaltung der Förderrichtlinien für Kindertagesstätten informieren wollten.

Nach Worten Dunkls ist eine Reform der Kinderbetreuung dringend nötig, um zum einen den starken Geburtenrückgang zu verkraften, zum anderen für eine Qualitätssicherung und -steigerung zu sorgen. Vor allem für Kinder unter drei Jahren und die über Zehnjährigen lägen bei weitem nicht genügend Betreuungsplätze vor. Daher möchte der Freistaat bis zum Jahr 2006 insgesamt 30 000 neue Plätze in der Kinderbetreuung schaffen, 5000 für die ganz Kleinen und 25 000 für die Schüler. "Dafür will Bayern 313 Millionen Euro zur Verfügung stellen", so Dunkl.

Waren bis zu diesem Punkt seine Zuhörer mit ihm noch einig, wurde das neue Förderkonzept, das er anschließend vorstellte, heftig kritisiert. Grundidee der "Kindbezogenen Förderung" ist, dass nicht mehr die Tagesstätte selbst gefördert wird, sondern das einzelne Kind. Der Betrag für jedes Kind soll sich aus der Nutzungszeit und dem Gewichtungsfaktor errechnen. So werden zum Beispiel behinderte Kinder oder Ausländerkinder mit Sprachproblemen stärker finanziell gefördert als "normale" Kinder. Außerdem bekommt die Kita mehr Geld für ein Kind, das länger anwesend ist. Ein Teilnehmer der Veranstaltung meinte dazu: "Ein Pro-Kopf-Satz wird die Qualität sicher nicht steigern, sondern senken, das hört sich nach einem Hühnerkäfig an!" Außerdem entstehe der Eindruck, dass nicht nur eine Aufnahme möglichst vieler Kinder wichtig sei, um viel Fördermittel "an Land zu ziehen", sondern auch möglichst viele Kinder mit Auffälligkeiten, die dann höher bezuschusst werden.

Dunkl setzte dem entgegen, dass die bereits laufenden Versuche nichts dergleichen zeigen, sondern die Träger sehr zufrieden sind, da sie die Fördermittel freier einsetzen können. "Außerdem werden einige Kitas wegen des Geburtenrückgangs sowieso schließen müssen."

"Unzumutbare Planungssicherheit"

Von einer "unzumutbaren Planungsunsicherheit" für die Träger sprach Gabriele Stengel, Geschäftsführerin des Bayerischen Landesverbandes katholischer Einrichtungen für Kinder, denn schon geringe Veränderungen würden die Kostenstruktur im Kindergarten umwälzen. Dunkl abschließend: "Es muss sicher noch vieles geklärt werden."

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