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Was tun mit dem kranken Kind – in die Kita, oder doch daheim bleiben?

Kindergärten: Zu vorsichtig bei Krankheiten?

Aschheim – Ein Arzt im Landkreis München ärgert sich, dass Kindergärten ihre kleinen Gäste wegen „Bagatell-Erkrankungen“ vom Besuch ausschließen. Ein Keim-freier Kindergarten – das sei eine Illusion.

Kaum trieft die Nase – schon wird der Dreijährige vom Kindergarten ausgeschlossen. Und die Mutter, eigentlich berufstätig, sucht händeringend nach einer Betreuungsmöglichkeit. Der Kinderarzt Dr. Danylo Kubryk aus Aschheim (Landkreis München) kennt das Problem. Je nach Saison seien 50 bis 100 Prozent aller Kinder in Krippen oder Kindergärten „mit potenziell ansteckenden Keimen besiedelt“, schreibt er in einem Rundbrief an Kindertagesstätten in seiner Umgebung. Eine „Infektfreiheit aller Kinder im wissenschaftlichen Sinn“ könne es gar nicht geben. „Dann wäre die Kita definitiv leer.“

Etwa zehn Einrichtungen hat der Mediziner angeschrieben. Der Grund: Eltern hatten wegen geringfügiger Erkrankungen ihrer Kinder in den vergangenen Monaten vermehrt um eine Bescheinigung für das Eltern-Krankengeld gebeten – nachdem die Kita sie zum Arzt geschickt hatte. Bei der Sprechstunde stellte sich indes heraus, dass dem Bub oder Mädel nichts fehlte – bzw. fast nichts. Derzeit etwa grassiert die Hand-Fuß-Mund-Krankheit – für Dr. Kubryk definitiv kein Ausschlussgrund. Die Krankheit sei „harmlos“, eine Verbreitung auch gar nicht zu verhindern, weil die Kinder bereits vor Ausbruch der ersten Symptome ansteckend seien. Ähnlich sei es mit anderen „Bagatell-Erkrankungen“ wie Bindehautentzündung, Durchfall oder Läusen. Natürlich gebe es auch Grenzen: Fiebernde Kinder etwa gehörten nicht in die Krippe.

Zuspruch erfährt der Aschheimer Kinderarzt vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in Bayern. Vorsitzender Dr. Martin Lang, der in Augsburg praktiziert, rät dazu, „banale Infektionen zu tolerieren“. Ein Kind im Alter zwischen 2 und 5 Jahren habe etwa zehn bis zwölf Infekte im Jahr, es könne acht bis zehn Mal im Jahr krank sein, das sei „normal“ und nicht besorgniserregend. Durch Infektionen werde das Immunsystem der Kinder langsam aufgebaut. Allerdings hat Dr. Lang auch Verständnis für die Erzieher. Diese hätten zum Teil strenge Hausordnungen der Kita-Träger zu beachten; und sie könnten es sich nicht leisten, selbst krank zu werden.

Müttern werde heutzutage suggeriert, dass sie ihre Kinder schon im Windelalter problemlos in Krippen unterbringen könnten. Aber den Krankheitsfall habe die Politik bei ihrem Ausbauprogramm für Krippen und Kindergärten nicht mitbedacht. Die Ausfallzeit, die durch Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen mit Eltern-Krankengeld-Anspruch abgedeckt sei, hält Dr. Lang mit zehn Tagen je Erziehungsberechtigten und Jahr für „sehr knapp bemessen“.

Dr. Lang: „Es gibt keine Pflegestation für kranke Kinder, obwohl das eigentlich sinnvoll wäre.“

Von Dirk Walter

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