Kindernetz will Großtagespflege aufgeben

Schäftlarn - Eltern von kleinen Kindern in Schäftlarn soll weiterhin Flexibilität geboten werden, daher wird nach Alternativen gesucht

Großtagespflege, Tagespflege in der Familie oder Krippe? Bis dato hatten die Schäftlarner freie Auswahl. Doch jetzt möchte das Kindernetz Schäftlarn, das auch Träger der neuen Kinderkrippe an der Zechstraße ist, das Tagespflegeprojekt nurmehr in Familien fortführen. „Ab September werden hier zehn Plätze, ab Januar 2015 13 Plätze zur Verfügung stehen“, berichtete Hauptamtsleiter Lampert Drey im Familien- und Sozialausschuss. Die Gründe liegen in der Neuregelung des Bayerisches Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz (BayKiBiG), das zum einen die Höhe der Elternbeiträge auf das 1,5-fache des staatlichen Anteils der Förderung begrenzt. Zum anderen hat der Landkreis die Vergütung der Tagespflegekräfte auf 7,30 Euro pro Stunde und Kind festgelegt. „Unterm Strich zahlen Familien so tatsächlich weniger als in einer Krippe, und die Erzieher verdienen wesentlich mehr“, sagte Drey. Das wiederum hat zur Folge, dass alle Kräfte in die Tagespflege wechseln. Zum Vergleich: Ein Erzieher verdient in der Krippe 2054 Euro, in der Großtagespflege bei gleicher Belegung an die 4899 Euro. „Allerdings müssen die Großtagespflegekräfte auch Miete für die Räumlichkeiten zahlen und stetig an Fortbildungskursen teilnehmen“, gab Drey zu bedenken. Dennoch: Mit dem Wegfall der Großtagespflege würde die Flexibilität für die Eltern verloren gehen. „Die Krippe verlangt eine Buchung von Montag bis Freitag, die Großtagespflege kann auch tageweise genutzt werden.“ Und genau diese Vielfalt ist es, die Anton Höck (Grüne) bisher an diesem Konzept begeistert hat - und für ihn mit ein Grund war, sich für eine Trägerschaft des Kindernetzes für die Krippe zu entscheiden. „Ich fühle ich mich verschauckelt“, sagte er und plädierte für die Erhaltung „aller drei Säulen“. Doch da gibt es noch einen Punkt: „Die Vorschriften sind strenger geworden“, sagte Kindernetz-Vorsitzende Marisa Martini-Bäumler auf Nachfrage des Gremiums. „Wir benötigen pro Gruppe einen Schlafraum und einen eigenen Garten - doch dafür ist kein Platz.“

Kleiner Lichtblick: Unter dem Dach könnte man einen Raum als Gruppenraum nutzen und eine Spielgruppe einrichten. „Das wäre immerhin eine Möglichkeit“, schaltete sich Bürgermeister Matthias Ruhdorfer (CSU) ein, „Ob wir sie nun unter dem Namen Großtagespflege führen oder nicht, Hauptsache die Eltern erhalten die Möglichkeit, variabel Stunden zu buchen.“ Das sah Sophie von Lenthe (Grüne) genauso: „Wir haben das Vorhaben zur Kenntnis genommen - aber wir fassen hier ja keinen Beschluss. Es muss nochmal über ein anderes Konzept dringend nachgedacht werden. Wir brauchen eine Lösung.“

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