Kirche ist kein Spielplatz

- Türkischer Verein entschuldigt sich bei katholischer Gemeinde

Garching - Die jüngsten Versöhnungsbemühungen von Seiten der Muslime in Hochbrück hat Bodo Windolf, Pfarrer der katholischen Gemeinde St. Severin, ausdrücklich gewürdigt, Nach "Störungen" in der Kirche habe sich die Vorsitzende des türkischen Frauen-Freundschaftsvereins, Fatma Turan, persönlich entschuldigt. Wie Windolf bei der Pfarrversammlung beklagte, sei das Leben in Hochbrück seit längerem von "nicht wenig Spannung" gekennzeichnet zwischen muslimischen und einheimischen Bewohnern.

Respektloses Verhalten von Kindern, die in der Kirche gepielt hätten, hat nun offenbar Teile der Gemeinde verärgert. Windolf sprach von "Unregelmäßigkeiten" im Gotteshaus. Gegenstände seien zu Bruch gegangen. Laut Windolf suchte Fatma Turan daraufhin das Gespräch mit Gemeindevertretern. Bei einem Treffen mit Fritz Furchtsam, stellvertretender Kirchenpfleger und alteingesessener Hochbrücker, habe sich Turan im Namen ihrer Landsleute entschuldigt. Es sei ihm sehr wichtig, die Gemeinde über diese Entwicklung in Kenntnis zu setzen, sagt Pfarrer Bodo Windolf.

Als ihm ebenso bedeutsam bezeichnete er den Aufbau eines "guten und gegenseitigen Miteinanders". Das Annäherungsbemühen Turans sei daher ein "anerkennenswerter Schritt". Jedoch wies Windolf das Angebot der Vorsitzenden des Frauen- Freundschaftsvereins, in der Gemeinde einen Vortrag über muslimische Kultur zu halten, zurück. Stattdessen habe er um Auskunft gebeten, "was im Vereinshaus passiert".

In diesem Zusammenhang äußerte sich Windolf zu der Beschwerde eines Türken, dessen Tochter einen Kindergarten der Gemeinde besucht. Nach Angaben Windolfs beklagte sich der Mann über Schweinefleisch im Essen. Der Pfarrer betonte, dass grundsätzlich Alternativspeisen angeboten würden. Mehr als dies zu versichern, könne er auch nicht tun, sagte Windolf und bat um Vertrauen. "Wenn nicht, muss man den Kindergarten wechseln." Die Anregung muslimischer Eltern, ihren Kindern stattdessen geschächtetes Fleisch anzubieten, wies Windolf mit großer Zustimmung der Versammlung zurück. So genanntes Schächten von Tieren ist hierzulande aus Tierschutzgründen verpönt. Andreas Sachse

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