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In den Kirchen stehen an Ostern außerdem neben der großen Osterkerze viele kleine selbst verzierte Osterkerzen.

Frohe Botschaft läuft digital

Die virtuelle Auferstehung

  • Stefan Weinzierl
    vonStefan Weinzierl
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  • Laura Forster
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Mit Beginn der Karwoche steht das höchste Fest der Christen vor der Tür: Nach seinem Leiden und Sterben wird an Ostern der Auferstehung Jesu Christi gedacht. Doch heuer müssen die Gläubigen wegen der Corona-Pandemie auf Gottesdienste und damit auch auf viele Kar- und Osterbräuche verzichten. Deshalb versuchen viele Pfarr- und Kirchengemeinden die frohe Botschaft vom Fest des Lebens über andere Kanäle zu transportieren.

Landkreis – „Uns ist es, wichtig zu zeigen, dass wir da sind“, sagt Pfarrer Ulrich Kampe vom katholischen Pfarrverband Oberschleißheim. Er und sein Team haben ein umfangreiches Angebot für die Gläubigen erarbeitet. So gibt es zu jedem Gottesdienst einen Flyer mit dem Evangelium und einer kurzer Predigt. Die Handzettel liegen in den Kirchen aus und stehen zum Download auf der Website des Pfarrverbandes bereit. Außerdem bietet das Seelsorger-Team zu jedem Gottesdienst mehrere selbstproduzierte Kurzvideos an. Statt in der Kirche können die Gläubigen Kampes Gedanken nun auf dem Computerbildschirm verfolgen.

In den Kirchen des Pfarrverbandes stehen an Ostern außerdem neben der großen Osterkerze viele kleine selbst verzierte Osterkerzen bereit. Die dürfen die Gläubigen gegen eine Spende mitnehmen und so das Osterlicht zu sich nach Hause bringen.

Hausgottesdienst und Videos

Auch der katholische Pfarrverband Vier Brunnen ist kreativ geworden und stellt ein Osterprogramm auf die Beine. Neben Hausgottesdiensten bieten Pfarrer Martin Ringhof und sein Team Videos für Kinder an. „Mit Figuren stellen wir biblische Szenen nach“, erzählt Ringhof, der für die Gemeinden Ottobrunn, Hohenbrunn, Grasbrunn und Putzbrunn zuständig ist. Die Kurzfilme können sich die Gläubigen auf der Pfarrverbands-Homepage anschauen.

„Manche Familien schalten sich auch per Videokonferenz zusammen und feiern Gottesdienst“, sagt Ringhof und spricht von einer interessanten Idee Sein Vorschlag: ein eigenes kleines Abendmahl am Gründonnerstag. „Am besten mit einem leckeren Brot.“

Pfarrerin hoffte auf Ausgangslockerung

Pfarrerin Irene Geiger-Schaller von der evangelischen Kirchengemeinde Zum guten Hirten in Oberhaching hatte bis zuletzt darauf gehofft, dass die Ausgangsbeschränkungen gelockert werden. „Dann hätten wir zumindest Stationen an der Kirche machen können“, sagt sie. Wichtig ist es ihr, das Osterlicht und das Osterevangelium sichtbar zu machen.

Seit dem gestrigen Palmsonntag stehen Figuren in der Kirche, mit denen die Passionsgeschichte dargestellt wird. Jeden Tag wird eine neue Station der Passion zu sehen sein. Zudem hat Geiger-Schaller Videos aufgenommen: eines zu Karfreitag mit Texten und Musik in der Kirche und einen ökumenischen Ostergruß aus dem Pfarrgarten. Die Videos werden ab Karfreitag und Ostern auf der Internetseite der Kirchengemeinde zu sehen sein. Ihr Mann, Pfarrer Karsten Schaller, hat zur Karwoche außerdem die Anleitung für eine Hausandacht auf die Homepage gestellt. „Und es gibt eine ökumenisch gestaltete Osterkarte, die in alle Briefkästen geworfen wird“, erzählt Geiger-Schaller.

Für bemalten Stein gibt es eine Osterkerze

Gemeinsam ein Kreuz aus bunt bemalten Steinen gestalten will Pfarrer Thomas Lotz von der evangelischen Kreuz-Christi in Höhenkirchen. Deshalb werden alle Kinder aufgerufen, am Ostersonntag oder -montag im geöffneten Gotteshaus vorbeizuschauen und dort einen selbst bemalten Stein abzugeben. „Im Gegenzug bekommen die Kinder eine kleine Osterkerze für Zuhause.“

Ansonsten setzt auch Lotz auf Videobotschaften zu den Feiertagen. Die Videos würden in der Kirche aufgenommen, erzählt er. So könne man mithilfe des Videos indirekt dort anwesend sein, wo normalerweise gemeinsam gefeiert wird. Vermutlich wird es auch ein Video davon geben, wie Lotz die Osterkerze entzündet. Die Aufnahme eines gesamten Gottesdienstes ohne Gemeindemitglieder lehnt er ab „Denn die Gemeinschaft der Gläubigen ist für uns wesentlicher Bestandteil eines Gottesdienstes.“

Viele Kirchen werden an Ostern auf alle Fälle geöffnet haben, damit die Menschen – gerade in der Krisenzeit – dort innehalten oder beten können. Ostern als Fest der Hoffnung komme heuer eine besondere Bedeutung zu, findet Lotz: „Denn die zentrale Botschaft ist doch, dass Gott stärker ist als der Tod.“

Auf Mindestabstand wird geachtet

Natürlich muss auch in den Kirchen auf den nötigen Mindestabstand geachtet werden. „Vor allem beim Kerzen anzünden ist das manchmal ein Problem“, sagt Kampe: „Die offene Kirche ist derzeit wie eine Tankstelle.“ Deshalb hat der Pfarrverband Oberschleißheim Hinweisschilder aufgestellt, die auf den Mindestabstand aufmerksam machen. Damit es zu keinen Ansammlungen in der Kirche kommt, setzt Lotz dagegen auf längere Öffnungszeiten über die Feiertage und seine Kirchenvorstandsmitglieder als Aufsichtspersonal: „Die arbeiten in Zwei-Stunden-Schichten und werden schauen, dass es zu keinen Verstößen kommt.“

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