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Ein Jahr, ein Mann, eintausend Hindernisse: Uwe Kauntz, 39, ist Extrem-Hindernisläufer.

Kirchheimer stellt sich besondere Aufgabe

1000 Hindernisse in 2016: Dieser Mann ist auf verrückter Mission

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Kirchheim - Uwe Kauntz ist Extrem-Hindernisläufer. In seiner Freizeit klettert er über Wände und robbt unter Stacheldrähte. Nun stellt er sich eine unglaubliche Aufgabe.

Neulich im Buga-Park in Riem: Ein junges Pärchen ist einen der vielen Hügel emporgestiegen, um von oben den Sonnenuntergang zu bestaunen. Es ist erstaunlich lau für einen Winterabend, der Himmel färbt sich langsam rot, und eigentlich könnte die Szenerie romantischer kaum sein – wäre da nicht ein schwitzender, keuchender Mann, der unermüdlich jenen Hügel rauf- und runterjagt, auf dem es sich das Pärchen bequem gemacht hat.

„Mir war das selbst ein bisschen unangenehm, also bin ich zu den beiden hingegangen und habe ihnen erklärt, was ich mache“, erzählt Uwe Kauntz. „Die haben das locker genommen und gesagt, dass ich ruhig weiter trainieren soll – das störe sie gar nicht.“ Und so hat sich der 39-Jährige aus Kirchheim noch einige Male den Hügel hinaufgequält – schließlich ist Kauntz auf einer Mission. Und die heißt: 1000 Hindernisse im Jahr 2016.

Viele absolvieren einen Lauf und sind süchtig - so war es auch bei Uwe Kauntz

Furchtlos: Der Weg ist das Ziel. Für Uwe Kauntz ist kein Hindernis zu groß, auch nicht wenn es brennt.

„Ich habe schon früh das Laufen für mich entdeckt, mit 19 Jahren etwa“, erzählt Uwe Kauntz – auf dem Kopf eine Igelfrisur, darunter eine Brille, darunter meist ein Lächeln und darunter ein sehniger, durchtrainierter Körper. Der Kirchheimer sitzt am heimischen Wohnzimmertisch, hinter ihm wuseln abwechselnd seine Katze und seine zehnjährige Tochter Angelina vorbei. Bereits mit 20 sei er den ersten Marathon gelaufen; es folgten sieben weitere. Doch dann kam das Kind, die Zeit zum Trainieren wurde knapp. Zudem sei er auf der Suche gewesen nach einem Sport mit mehr Abwechslung, „der den ganzen Körper fordert“. Denn beim Laufen sei es doch so: „In der Vorbereitung besteht 90 Prozent des Trainings nur aus Laufen.“

Stark: Beim Spartan Race im Münchner Olympiapark läuft Uwe Kauntz durch Wassergräben.

Im Jahr 2014 habe er dann erstmals an einem Hindernislauf teilgenommen, beim sogenannten Spartan Race im Münchner Olympiapark. „Die meisten kommen bei ihrem ersten Hindernislauf ins Ziel und sind sofort süchtig“, sagt Kauntz – und so war es auch bei ihm. Dazu muss man wissen: So ein Spartan Race hat wenig zu tun mit Hindernisrennen, wie man sie aus der Leichtathletik kennt. Vielmehr laufen die Teilnehmer beim „Obstacle Course Racing“, wie es offiziell heißt, querfeldein, bergauf und bergab, und müssen zudem eine Vielzahl unterschiedlicher Hindernisse überwinden: Wände, Klettergerüste oder Wassergräben; dazu kommen Tauchstrecken, das Robben unter Stacheldraht oder Seile, an denen man hochklettern muss. „Das ist wie ein Spielplatz für Erwachsene“, sagt Kauntz. „Man braucht nicht nur Ausdauer, sondern auch Kraft und Koordination.“

Entsprechend sieht sein Trainingsplan aus: Zu 60 Prozent Laufen kommen 40 Prozent Kraft- und Koordinationseinheiten. Oder anders ausgedrückt: Fünfmal pro Woche schnürt Kauntz die Laufschuhe – mal zum Hügellauf im Buga-Park, mal zum dreistündigen Ausdauerlauf. Obendrein geht er dreimal die Woche zum Krafttraining.

Ein beachtliches Pensum, hinter dem ein ehrgeiziges Ziel steckt: Uwe Kauntz will dieses Jahr mindestens 1000 Hindernisse bei Wettkämpfen überwinden. Anstoß hierfür ist sein 40. Geburtstag, den er im Februar feiert. „In vielen Sportarten wird man schon ab Mitte dreißig belächelt“, sagt Kauntz. „Dabei ist das gar nicht up-to-date, weil das Leistungsniveau nicht vom Alter abhängig ist.“ Mit seiner 1000-Hindernisse-Aktion will er zeigen, was man in seinem Alter noch schaffen kann – das entsprechende Training vorausgesetzt. „Viele Leute nehmen ihren 40. Geburtstag als Entschuldigung dafür, keinen Sport mehr zu treiben“, weiß Uwe Kauntz. „Dabei sollte man gerade in diesem Alter etwas für sich tun.“

Um sein Ziel zu erreichen, muss er fast 800 Kilometer und 19 Marathons laufen

Kraftvoll: Der Kirchheimer mag Sport, bei dem der ganze Körper gefordert ist.

Die Zahl 1000 klingt zunächst abstrakt. Doch wenn man weiß, dass bei einem typischen Rennen etwa alle 800 Meter ein Hindernis steht, lässt sich ausrechnen: Um sein Ziel zu erreichen, muss Uwe Kauntz heuer rund 800 Laufkilometer bewältigen, also gut 19 Marathons – und das nur bei Wettkämpfen. „Ich weiß nicht, ob ich die 1000 Hindernisse schaffe, das wird sicher eng“, weiß der Kirchheimer, dessen Terminkalender schon jetzt vollgepackt ist: Bis Juli warten 18 Rennen – vom Fünf-Kilometer-Lauf bis zum „Braveheart Battle“ in Nordbayern über fast 30 Kilometer mit gut 50 Hindernissen.

Wo immer es geht, nimmt Uwe Kauntz seine Familie mit – schließlich ist nicht nur seine Ehefrau Sigrid eine begeisterte Hindernisläuferin, sondern auch Tochter Angelina hat das Lauffieber gepackt. Ohnehin will der gelernte Fitnesstrainer gerade für Kinder ein Vorbild sein. Schließlich hätten sie im Alltag kaum mehr die Möglichkeit, auf Bäume zu kraxeln oder auf unbefestigten Strecken zu rennen. „Darunter leidet ihre Koordination“, glaubt Kauntz. „Vielleicht kann ich mit meinem Projekt ein kleines Rädchen sein, dass in diesem Bereich mehr für Kinder getan wird.“

Video vom Spartan Race in München

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