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Ehealltag bei den Luthers verkörpern die beiden Kirchengemeinde-Mitglieder Günter Schindler und Waltraud Lederer, die in die Rollen von Katharina – Käthe – von Bora und Martinus Luther schlüpfen.

Essen in der Cantate-Kirche Kirchheim

500 Jahre Reformation: Luthers bitten zu Tisch

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Essen, ratschen, streiten wie zu Luthers Zeiten: Wie es daheim beim Reformator zuging, konnten Kirchheimer nun live erleben.

Kirchheim – Griebenschmalz, Gemüsesuppe, Kassler und Hirsebrei kamen auf den Tisch der Cantate-Kirche in Kirchheim. Bitte Platz nehmen bei den Luthers. Während Käthe den Haushalt schmeißt, schwingt Martin große Reden. Martin Luther (Günter Schindler) und seine Frau Katharina von Bora (Waltraud Lederer) nahmen ihre Gäste persönlich in Empfang – mit einem „Gott zum Gruße“. Doch es gab weder Hirsebrei noch Kassler für ungewaschene Hände. Jeder musste seine Finger unter das Wasser aus dem Tonkrug halten.

Das Luther-Essen war ein weiterer Höhepunkt im Programm zum Reformations-Jubiläum. Ein vergnüglicher Abend, der durchaus einem Bezug zur Gegenwart standhält. Die Idee, kulinarische und kulturelle Beiträge aus der Zeit der Reformation in einem geselligen Abend zu verbinden, kam dem Arbeitskreis Reformationsjubiläum schon Anfang des Jahres.

„Hände waschen nicht vergessen!“Karin Siebald gießt den Gästen Wasser aus einem Tonkrug über die Finger.

Stilecht das mittelalterliche Ton-Geschirr, zudem ein Holzlöffel für jeden und nur ein scharfes Messer pro Tisch. Neben seinen historischen Leistungen war Luther auch ein geselliger Mensch und kein Kostverächter, weder beim Essen noch beim Trinken. Dies bezeugen seine durchweg lebensbejahenden Sprüche, die auch heute noch den deutschen Sprachschatz bereichern. „Wer kein Bier hat, hat nichts zu trinken!“, oder „Man kann Gott nicht allein mit Arbeit dienen, sondern auch mit Feiern und Ruhen.“ Luther wusste eine Menge über Bier, schließlich lernte seine Käthe als Nonne das Brauen und ging dem Handwerk auch nach ihrer Heirat zuhause nach.

Der Abend in der Cantate-Kirche zeigte eindrucksvoll und humorvoll, wie es bei den Luthers daheim ablief – inklusive Disput. So erinnerte sich Käthe an diesem Abend des 31. Oktober 1533 eben nicht gleich im ersten Moment daran, dass ihr Martin ja vor 16 Jahren seine 95 Thesen anbrachte. Vielmehr schoss ihr als erstes in den Kopf, „dass Du, Martin, allen Frauen damals ganz schön den Kopf verdreht hast. Damals warst Du noch knackig“. Luther setzte darauf zu einer seiner großen Reden an, die Käthe nüchtern kommentierte: „Während ich den Haushalt schmeiße, schwingst Du immer noch große Reden.“

Einen Schluck Reformator-Bier gönnen sich Stefan und Corinna Baumgartner aus Heimstetten.

Das Motto „Tafeln wie bei Luthern“ kam bei den 64 Gästen sehr gut an. Viele erschienen in mittelalterlich anmutenden Kleidern, Hemden, Wamsen oder auch mit dem von Lucas Cranach porträtierten Doktorhut. „Wir haben grad noch die letzten Karten ergattert“, sagte Corinna Baumgartner aus Heimstetten froh, die mit Ehemann Stefan gekommen war. Und dann natürlich „ so stilecht wie möglich“.

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