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Eine Änderung der Verkehrsführung fordern die Anwohner.

Ärger über massiven Busverkehr

„Lärmschleudern vergiften Wohnstraße“

Kirchheim – Tierisch regen sich die Anwohner an der Zugspitzstraße über den Busverkehr an ihrer Straße auf. Doch ändern tut sich vorerst nichts.

Den Anwohnern der Kirchheimer Zugspitzstraße reicht es. Seit am 14. Dezember die Taktung der Linie 263 von Riem nach Feldkirchen umgestellt wurde, fährt alle fünf Minuten ein Bus durch die 450 Meter lange Straße.

Die Lärmbelästigung hat fast unerträgliche Ausmaße angenommen, finden die Anwohner. „Wir fordern von der Gemeinde und dem Bürgermeister dringend Hilfe“ betont deren Sprecher Siegfried Eichstädter. „Durch unsere kurze Straße brummen täglich zwischen 7 und 20 Uhr 156 Verkehrsbusse. Bis 0:45 Uhr werktags und bis 3 Uhr am Wochenende fahren weitere 50 Busse, insgesamt also 206. Wir können nicht mehr bei geöffneten Fenstern schlafen, unsere Gärten und Balkone, die zur Straßenseite ausgerichtet sind, nur noch eingeschränkt nutzen“, ärgert sich Eichstädter.

Gemeinsam mit Nachbar Manfred Lindenmüller hat er am 27. Juli sämtliche Busse zwischen 7 Uhr und 20 Uhr gezählt – und auch die Anzahl der Fahrgäste. Demnach waren von den 156 Bussen 68 nur mit maximal drei Personen besetzt, 37 hatten bis zu sechs Fahrgästen, 14 waren mit zehn Menschen besetzt, 18 waren sogar vollkommen leer. Und: „115 Busse hielten überhaupt nicht in der Zugspitzstraße. Keiner wollte aus- oder einsteigen, da kann man doch nicht von einem hohen Bedarf sprechen“, meint der Sprecher. „Wir in der Zugspitzstraße müssen also 206 Busse am Tag ertragen und nur 89 davon halten bei uns.“

Und auch in den Sommerferien wurden diese Zahlen reduziert, weil Schüler nicht transportiert werden müssen. „Die Anzahl der Busse blieb gleich hoch, dadurch sind es natürlich noch viel mehr Leerbusse. Diese Dreck- und Lärmschleudern vergiften unsere Wohnstraße“, ärgert sich Eichstädter maßlos.

Bürgermeister Maximilian Böltl versteht zwar den Ärger der Anwohner. „Aber diese Linie 263 ist laut Landratsamt die nachfragestärkste Regionalbuslinie im ganzen Landkreis. Die Nachverdichtung, also Taktänderung, musste sein, weil die Busse vorher überfüllt waren.“ Im Landratsamt ist man der Ansicht, dass es noch viel zu früh ist, sich Gedanken über Fahrgastzahlen zu machen. „Ob eine Buslinie von den Bürgern angenommen wird, dafür haben wir einen vierjährigen Erprobungszeitraum vorgesehen“, sagt Christine Spiegel von der Pressestelle des Landratsamts.

Gemeinsam hatten der Landkreis und der MVV die Taktänderung beschlossen, in enger Absprache mit der Gemeinde Kirchheim. „Irgendwo muss der Bus ja fahren. Jetzt zu sagen, er soll durch eine andere Straße fahren, ist auch keine Lösung“, meint Böltl. Er werde das Thema aber im Bauausschuss aufgreifen und beraten lassen. Doch das sei wegen der Sommerferien sowie der extremen Arbeitsbelastung des Bauamts frühestens im späten Herbst möglich.

Die Anwohner der Zugspitzstraße kritisieren nicht nur, sie haben auch detaillierte Lösungsmöglichkeiten erarbeitet und diese dem Bürgermeister in einem persönlichen Gespräch präsentiert. Zum einen fordern sie die Rücknahme des Zehn-Minuten-Taktes, weil es dafür keinen Bedarf gebe. Zum anderen sei zur kurzfristigen Reduzierung der Lärmbelastung auch das Aufbringen von „Flüsterasphalt“ möglich.

Vor allem aber wollen sie eine Änderung der Verkehrsführung: „Wir schlagen für den Bus von Riem nach Feldkirchen die bisherige Route durch die Zugspitzstraße vor, auf dem Rückweg von der Bahnhofstraße nach links abbiegend in die Hauptstraße. So reduziert sich der Verkehr um die Hälfte“, sagt Eichstädter. Ein weiterer Vorschlag ist die Öffnung der Heimstettener Straße, die Buslinie könnte dann am Gymnasium vorbei in die Räterstraße und weiter in die Hauptstraße geführt werden. So würde die Zugspitzstraße nicht mehr tangiert. Laut Landratsamt hat man die Streckenführung nach der Taktänderung bewusst so gelassen, „um das Räterzentrum adäquat einzubinden, was bei einer alternativen Route nicht möglich wäre.“ Zudem werde bei einer anderen Streckenführung die S-Bahn-Haltestelle auf der Nordseite nicht mehr angefahren, doch diese sei barrierefreier als die Südseite des Bahnhofs.

„Ganz wichtig wäre auch“, fordert Eichstädter, „dass die Busse sich an die Höchstgeschwindigkeit von 30 halten würden, das tun sie nämlich nicht. Meine Frau ist schon zwei Mal mit dem Fahrrad gestürzt wegen der aggressiven Fahrweise der Busfahrer.“ Landratsamt-Pressesprecherin Spiegel empfiehlt, solche Verstöße zu dokumentieren (Ort und Zeit) und schriftlich an das Landratsamt zu übermitteln. Dann werde die Behörde über den MVV entsprechende Maßnahmen treffen lassen.

B. Brosch

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