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Hinterm Jägerzaun liegen die ge fällten Stämme: Sechs der 19 Bäume waren schon ohne Genehmigung umgeschnitten, bevor Bürgermeister und Umweltamt die Aktion gestoppt haben.

An der Hauptstraße

Anwohner empört über illegale Baumfällung in Heimstetten

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Zwei Tage später ist Anwohnerin Eva Henger aus Heimstetten immer noch außer sich. Auf ihrem Nachbargrundstück an der Hauptstraße sollen drei Häuser gebaut werden, nun wurden illegal sechs große Bäume gefällt.

Heimstetten – Manfred Praml, Inhaber der verantwortlichen Baufirma, zeigt sich auf Nachfrage des Münchner Merkurzerknirscht über den Fehler. „Das hätte nicht passieren dürfen – es ist aber kein Schwarzbau!“, betont Praml.

„Wenn wir bisher aus unserem Fenster sahen, glaubten wir fast, wir wohnen im Wald. Nun ist da der totale Kahlschlag. Und das zwei Tage nach dem Tag des Baumes, an dem Bürgermeister Böltl noch stolz einen Baum am Wertstoffhof gepflanzt hat“, schimpft Eva Henger. Maximilian Böltl (CSU) ist selbst entsetzt und weist eine Mitschuld der Gemeinde weit von sich. „Der Bauherr ist die Firma Praml Bau. Für den Bau der Häuser sowie die Fällung der Bäume liegt keine Genehmigung seitens des Landratsamtes vor“, sagt Böltl. Der Bauausschuss der Gemeinde habe zwar sein Einvernehmen zum Bauantrag gegenüber dem Landratsamt erteilt, hierbei besonders auf den Erhalt des alten Baumbestandes verwiesen. Doch das Landratsamt habe die Baugenehmigung noch nicht erteilt. „Jetzt haben die einfach mal angefangen zu fällen, und das mitten in der Vogel-Brutzeit“, sagt Bürgermeister Böltl verärgert.

Mitten in der Vogelbrutzeit

Manfred Praml führt seit 30 Jahren eine Baufirma im niederbayerischen Offenberg bei Deggendorf, die sein Großvater 1948 gegründet hat. Im Jahr 2016 erwarb er das Grundstück zwischen Heimstettener Moosweg und Hauptstraße, auf dem 19 Bäume standen. Dort will er sieben Wohneinheiten in zwei Doppelhäusern sowie einem Dreispänner bauen. „Vor etwa sechs Wochen wurde unser Bauantrag im Bauausschuss Kirchheim behandelt und genehmigt. Darin steht, dass wir lediglich zwei Bäume erhalten sowie das Grundstück von einem Archäologen auf Erddenkmäler untersuchen lassen müssen“, sagt Praml.

Bauunternehmer gibt sich reuig

Bei jedem seiner Grundstücke, auf dem noch ein altes Haus stehe, entferne er dieses frühzeitig vor Baubeginn; genauso Bäume. „Wir wollten jetzt, nachdem wir bis spätestens Ende Mai mit der Baugenehmigung durch das Landratsamt rechnen, die geplanten 17 Bäume entfernen, damit der Archäologe seine Arbeit aufnehmen kann.“ Da es im Gegensatz etwa zu München in Kirchheim keine Baumverordnung gebe, könne er auf seinem Grundstück die Bäume entfernen, wenn es ihm nicht ausdrücklich verboten werde. „Unser unverzeihlicher Fehler war, dass wir den Artenschutz nicht beachtet haben. Dieser verbietet ab 1. März bis 31. Dezember, speziell aber während der Vogelbrutzeit, das Fällen jeglicher Bäume. Das tut mir sehr leid“, gibt sich Praml einsichtig.

Keinesfalls, so betont er energisch, habe er einen Schwarzbau ohne Baugenehmigung im Sinn gehabt. „Das habe ich noch nie gemacht und werde ich auch nicht! Uns ging es wirklich nur um den freien Platz für den Archäologen.“

Gemeinde überdenkt Genehmigung

Eva Henger und mehrere andere Anwohner waren früh morgens von röhrenden Motorsägen geweckt worden. Sie erkannten, dass Arbeiter bereits die ersten der etwa 25 bis 30 Meter hohen Bäume gefällt hatten. Daraufhin riefen sie beim Umweltamt der Gemeinde und beim Bürgermeister an. „Das waren prächtige, gesunde Bäume und es ist ja aktuell Vogelnistzeit, diese Bäume sind Rückzugsort vieler Vögel. Das darf doch nicht sein!“, ärgert sich Eva Henger. Sechs Bäume wurden gefällt, ehe Bürgermeister und sämtliche Bauarbeiten stoppten. „Der Vorgang liegt jetzt beim Landratsamt als Genehmigungsbehörde. Wir prüfen aber derzeit, ob wir das gemeindliche Einvernehmen verweigern“, sagt Böltl.

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