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Stau auf der A 99: Der achtspurige Ausbau soll die Situation verbessern. Allerdings wird es zuvor Behinderungen geben, denn fast alle Brücken müssen abgerissen und erneuert werden.

Ausbau A 99

Fast alle Brücken müssen abgerissen werden

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Landkreis - Bis der Autobahn-Ostring A 99 achtspurig ausgebaut ist, müssen die Autofahrer wohl manchen Stau erdulden.

Denn: Eine neue Bundesvorschrift erfordert, dass fast alle Brücken erneuert werden. Deshalb verzögert sich auch der Lärmschutz. Zudem steht eine Idee im Raum, wie sich das Kreuz München-Süd optimieren ließe.

170 000 Kraftfahrzeuge, so lautet die Prognose fürs Jahr 2020, werden pro Tag über den Autobahnring A 99 rollen, wenn der 18,6 Kilometer lange Nordostabschnitt zwischen dem Kreuz München-Nord und der Anschlussstelle Haar achtspurig ausgebaut ist. Täglich also bis zu 30 000 Autos, Lastwagen und Busse mehr als aktuell: Dies soll einhergehen mit Lärmschutzmaßnahmen. 

Dass die in Angriff genommen werden, darauf wartet die unter anderem betroffene Gemeinde Kirchheim schon länger. Bürgermeister Maximilian Böltl hat jetzt einen Beschwerdebrief an Bayerns Innenminister Joachim Herrmann geschickt. 

Weil ein Projekt von der Dimension des A 99-Ausbaus eine Vielzahl öffentlicher und privater Belange tangiert, ist zuvor ein sogenanntes Planfeststellungsverfahren nötig; erst dann kann auch mit den Lärmschutzmaßnahmen begonnen werden. 

Und genau beim Zeitpunkt dieser Planfeststellung hakt es – 2015 war den Kirchheimern einst zugesagt worden, jetzt sei plötzlich von „voraussichtlich 2017“ die Rede. Statt 2015 also zwei Jahre später: Diese Verzögerung hält Böltl für inakzeptabel. Er fordert nun „ein verlässliches Datum“ zur Einleitung des Verfahrens. 

Doch so einfach ist das nicht, erläutert Josef Seebacher, der Pressesprecher der Autobahndirektion Südbayern. Als hauptsächlichen Grund für die Verzögerung nennt er eine neue Vorschrift des Bundes, der als Standard für die Zukunft leistungsfähige Brücken fordert. Im Klartext bedeutet dies, dass neue Lastmodelle gelten. „Diese Erkenntnis, die wir erst seit relativ kurzer Zeit haben, verändert das Gesamtkonzept des A 99-Ausbaus komplett“, sagt Seebacher. „Wahrscheinlich müssen wir alle Brücken – relevant sind besonders die Unterführungen – erneuern, um sie den veränderten Standards anzupassen.“

Dies bestätigt auch Kathrin Fähndrich, Stellvertretende Pressesprecherin im Innenministerium. „Neue Regelwerke, insbesondere die neue Nachrechnungsrichtlinie, haben dazu geführt, dass die meisten Brücken abgerissen und neu gebaut werden müssen. Dies war bisher nicht vorgesehen. Es bedingt eine Ergänzung des Konzeptes für den Ausbau der A 99, da unter anderem für die Brückenbaustellen Zufahrten und Verkehrsführungskonzepte erarbeitet werden müssen, welche wichtiger Teil der Planfeststellungsunterlagen sind.“ Hinzu kommt, ergänzt Fähndrich, dass die notwendigen Erhebungen und Planungen im Bereich der bestehenden Grundwasserabsenkung bei Heimstetten „deutlich aufwendiger sind als 2014 angenommen“. 

Betroffen von den Brückensanierungen sind im Abschnitt zwischen den Anschlussstellen Kirchheim und Aschheim/Ismaning fünf Unter- und elf Überführungen. Im ersten Bauabschnitt (Aschheim bis Kreuz München-Nord) kommen sieben Brücken hinzu.

„Solch ein ehrgeiziges Projekt ist eine Riesen-Materialschlacht“, verdeutlicht Seebacher. „Wir müssen Hunderte von Einzelbelangen abarbeiten: Leitungen, Wasser- und Naturschutz zum Beispiel.“ Absolute Sorgfalt habe Vorrang, betont Seebacher: „Schnellschüsse rächen sich, denn andernfalls wird das Verfahren beklagt und dauert noch länger.“ Nur eins weiß er schon jetzt: Ein „verlässlicher Zeitpunkt“, wie von Kirchheim gefordert, lasse sich bei der Dimension des Vorhabens A 99-Ausbau nie vorhersagen. „Ziel ist Anfang 2017“,. fasst Seebacher als Beginn der Planfeststellung ins Auge – je nachdem, wie sich die Einwendungen entwickeln.

Der Bundestagsabgeordnete Florian Hahn (CSU) blickt derweil schon weiter: zum Kreuz München-Süd, das er als „Flaschenhals“ bezeichnet. „Mit dem achtspurigen Ausbau der A 99 wird die Flasche dicker gemacht, aber der Hals bleibt dünn“, veranschaulicht er das Problem. Zusammen mit Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt arbeite er an einer Lösung. Hahns Vision für den Bundesverkehrswegeplan: „Man muss 40, 50 Jahre vorausdenken. Die Zweispurigkeit des Abzweigs Richtung Salzburg gehört beseitigt – in diesem Bereich müsste das Kreuz München-Süd mindestens drei-, besser sogar vierspurig werden.

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