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900 Mitarbeiter sind am Standort in Heimstetten beschäftigt. Der Hauptsitz des Unternehmens soll auch weiterhin hier bleiben. Ob das 64 000 Quadratmeter große Areal verkauft wird, ist noch unklar.

Es besteht seit 1765

Paukenschlag: Traditionsunternehmen verlässt Heimstetten - 350 Arbeitsplätze betroffen

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Die Hubergroup schließt ihren Produktionsstandort in Kirchheim. 350 Arbeitsplätze sind davon betroffen. Die Schließung soll schrittweise innerhalb von zwei Jahren erfolgen.

Kirchheim – Es war ein Paukenschlag für die Belegschaft der Hubergroup in Kirchheim: Bei der Betriebsversammlung am Donnerstag teilte die Geschäftsleitung des Druck-Unternehmens seinen Mitarbeitern mit, dass der Produktionsstandort innerhalb der nächsten zwei Jahre geschlossen werden soll. 350 der 900 Arbeitsplätze in Kirchheim sind davon betroffen.

Die Hubergroup, ehemals Michael Huber München, ist ein Münchner Traditionsunternehmen mit langer Geschichte. Seit über 250 Jahren stellt die Firma Farbdrucke her, insbesondere für Zeitungen und Magazine. Damit hat sich das Unternehmen auch international einen Namen gemacht, betreibt Standorte in Indien und in den USA. Insgesamt arbeiten knapp 4000 Menschen für das Unternehmen. Mit einem Jahresumsatz von rund 348 Millionen Euro gilt die Hubergroup München als sogenannter „Hidden Champion“, also als ein wenig in der Öffentlichkeit bekannter Weltmarktführer.

Druck bei Zeitungen: Umsätze haben sich seit 2007 halbiert

Doch seit Jahren kämpft die Druck-Branche mit rückläufigen Umsätzen. Immer weniger Menschen lesen gedruckte Zeitungen und Magazine. Die Aufträge gehen zurück. Das Wettbewerbsumfeld ist hart umkämpft. „Die Umsätze beim Offsetdruck-Markt, etwa bei Zeitungen, haben sich seit 2007 mehr als halbiert“, sagt Heiner Klokkers, Sprecher der Geschäftsführung der Hubergroup. Um auch weiterhin mithalten und dem Kostendruck standhalten zu können, habe man sich jetzt zu dem Schritt entschieden, die Produktion in Deutschland komplett auf den Standort im niedersächsischen Celle zu konzentrieren, der vor der Fusion zur Hubergroup im Jahr 2015 als Hostmann-Steinberg Celle bekannt war. In Kirchheim hätte man in den kommenden Jahren viel Geld in eine neue Infrastruktur und Anlagen investieren müssen. Deshalb sei die Entscheidung schließlich für Celle und gegen Kirchheim gefallen, sagt Klokkers. Auch den Standort in der Schweiz habe man aufgrund der schwierigen Marktentwicklung vor fünf Jahren schließen müssen.

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„Für uns ist das vor allem menschlich eine sehr schwierige Situation“, betont Klokkers. Denn die Hubergroup verstehe sich als Familienunternehmen, das viel Wert auf ein soziales Arbeitsumfeld lege. „Darum war es uns auch wichtig, der Belegschaft so früh wie möglich reinen Wein einzuschenken, damit die Mitarbeiter genügend Zeit haben, sich neu zu orientieren.“ Derzeit laufen Gespräche zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat, um sozialverträgliche Lösungen für die Mitarbeiter zu finden.

Schließung soll schrittweise erfolgen

Die Schließung der Produktion soll ein schrittweiser Prozess sein innerhalb der nächsten zwei Jahre. Der Hauptsitz aber bleibt auch weiterhin in Kirchheim. Sprich, alle administrativen Bereiche, die mit der Produktion direkt nichts zu tun haben, werden von hier abgewickelt.

Ob das Unternehmen allerdings auch in Zukunft an der bisherigen Adresse an der Feldkirchner Straße im Gewerbegebiet Heimstetten festhält, ist noch unklar. Fakt ist, dass die Produktionsgebäude auf dem 64 000 Quadratmeter großen Areal Hauptbestandteil des Standorts sind und nach der Schließung nicht mehr gebraucht werden. Auch ein Wegzug aus Heimstetten in ein anderes Büro wäre denkbar, sagt Klokkers. Als Münchner Unternehmen wolle man aber in der Region bleiben.

Fakten zur Hubergroup

1765: Gründung als Farbproduktionsfirma in München-Haidhausen durch Mathias Mittermayr;  1780: Übernahme durch Georg Huber; 1815:Sohn Michael Huber gilt als Gründer der Farbenfabrik im modernen Sinne. Erstmals Herstellung von Druckfarben; 1965: Firmensitz wird nach Heimstetten verlegt; 2015: Fusion der deutschen Unternehmen Michael Huber München und Hostmann-Steinberg Celle zur Hubergroup Deutschland GmbH.

Auch andere Unternehmen aus der Region planen derzeit, Stellen abzubauen: Der Pharmakonzern Sandoz plant, bis Ende 2020 sein Entwicklungszentrum in Holzkirchen zu schließen. In Penzberg haben HAP-Mitarbeiter mit einem Protest vor dem Werkstor auf die Schließung ihres Werks reagiert. Vor einigen Monaten wurde bekannt, dass K&L 14 Filialen schließen will.

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