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(v.l.) Pfarrer Torsten Bader, Imam Ahmad Popal, die Veranstalter Carina Steger und Gerlinde Reichert sowie Professor Stefan Wimmer.

Bei Dialog in Kirchheim

Pfarrer und Imam: Islamischer Religionsunterricht an Schulen

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Islamischer Religionsunterricht an Schulen: Das finden Imam Ahmad Popal aus München und Feldkirchens evangelischer Pfarrer Torsten Bader nicht schlecht. Aus einem ganz bestimmten Grund.

Kirchheim – 120 Katholiken, Protestanten und Muslime trafen sich zum Meinungsaustausch im Jugendzentrum Kirchheim: gleichberechtigt, respektvoll und kritisch. Es war ein Treffen auf Augenhöhe. Das Fazit: Wir müssen nur miteinander reden.

Und die jeweils andere Religion verstehen lernen, sie einbetten in die Kultur und Werte des Staates. Damit die Religion nicht zur Grenze zwischen Menschen wird, sehen Imam Ahmad Popal aus München und Feldkirchens evangelischer Pfarrer Torsten Bader eine Lösung im islamischen Religionsunterricht. „In deutscher Sprache, ausgearbeitet in einem Lehrplan, der vom Kultusministerium abgesegnet ist und in Zusammenarbeit mit allen Beteiligten“, forderte Bader beim interreligösen Dialog in Kirchheim. „Lehrer sollten in Deutschland geborene und ausgebildete Imame sein, die wissen, welche Geschichte, Kultur Werte und Rechte hier gelten“, fügte Popal hinzu. Denn viele Muslime könnten die Sprache des Korans gar nicht verstehen. „Das ist auch gefährlich für die Muslime selbst.“

„Uns trennt gar nicht so viel“

Ahmad Popal ist in München geboren und aufgewachsen, streng gläubig, spricht davon, „dass wir unsere Werte gegen die Extremisten verteidigen müssen“. Er sehe anders aus, trage Vollbart und Hut, „trotzdem brauchen Sie vor mir keine Angst zu haben. Lassen Sie uns respektvoll miteinander umgehen und reden, um festzustellen, dass uns gar nicht so viel voneinander trennt“. Ähnliche Erfahrung macht das afghanische Paar Hasan (27) und Aisha (24), das unter den Zuhörern war. „Ich bin deutscher Muslim, nicht schlechter oder besser als ein deutscher Christ“, sagte Hasan. Seine Kollegen sprechen ihn auf Terrorakte an, fragen, wieso Muslime das tun. „Aber sie lehnen mich nicht ab. Sie wissen, dass ich keine Gefahr bin.“

Rund 120 Besucher hörten im JUZ in Kirchheim zu.

Apropos Gefahr: Professor Stefan Wimmer, Ägyptologe, Archäologe und Vorsitzender des Vereins Freunde Abrahams, erinnerte daran: Es sei gerade das Christentum, das keine andere Religion neben sich dulde. „Wir Christen aber werfen dem Islam Gewalt vor.“ Entscheidend sei, dass man Religion und Missbrauch von Religion auseinander halte. „Dafür muss man sich aber erst einmal schlau machen.“ Er nannte Beispiele: Muslime, die sich von den IS-Anhängern abgrenzen, sprechen von „Daesch“, dem „sogenannten islamischen Staat“, um sich klar vom terroristischen Anspruch der Organisation abzugrenzen. Ähnlich sei es mit dem Wort „kâfir“, was mit „andersgläubig“ zu übersetzen ist, so Wimmer. Gewaltbereite Muslime sprechen von „Ungläubigen. Das wissen aber nur wenige Nicht-Muslime“.

IS missbraucht Religion

Auch Popal betonte: Nie sei es der Weg des Propheten gewesen, sich über andere zu stellen. Beiden Konfessionen wohne doch der Grundgedanke inne, dass „Religion nur Sinn macht, wenn etwas Gutes dabei herauskommt“. Der IS jedoch missbrauche den Islam für den Terror. Um Ängste abzubauen und zu verstehen, hatten die Veranstalter, Gerlinde Reichert vom Helferkreis Asyl, sowie Kirchheims Integrationsbeauftragte Carina Steger, zum Dialog eingeladen: „Es geht ums miteinander reden“, betonte Reichert, „damit Vorurteile gar nicht entstehen.“

Pfarrer Bader berichtete von einem Erlebnis, bei dem er selbst den interreligösen Dialog praktiziert hat: „Vor kurzem habe ich die Kinder eines Kindergartens gesegnet. Die muslimischen Eltern baten mich, auf das Kreuz auf der Stirn zu verzichten. Der Segen für ihre Kinder jedoch war willkommen, denn uns eint ja der Glaube an den Schöpfer.“ Als Aufklärer für seine Religion sei er daher unterwegs. Auch von Drohungen lasse er sich nicht einschüchtern und aufhalten. „Wir müssen für die Rechtsstaatlichkeit kämpfen.“

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