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Erster Amtsinhaber Christoph Leicher (62) vertritt die Landkreis-Unternehmen in der IHK.

Erstes Landkreis-Parlament der IHK im Landkreis

Sprachrohr für die Wirtschaft im Landkreis

Kirchheim – Mit dem Kirchheimer Unternehmer Christoph Leicher (62) gibt es erstmals einen regionalen IHK-Vorsitzenden für den Landkreis München.

Gemeinsam mit 20 Kollegen aus Industrie (drei Vertreter), Handel (vier) und Dienstleistungen (14) vertritt er bis zum Jahr 2021 die 43 000 Unternehmen mit ihren 210 000 Beschäftigten im Landkreis. „Wir brauchen mehr Investitionen in Infrastruktur und Verkehr, neue Konzepte für viel mehr Wohnraum sowie neue Inhalte in der dualen Ausbildung“, fordert Leicher.

In seiner konstituierenden Sitzung hat der neue IHK-Regionalausschuss für den Landkreis München Leicher zum Vorsitzenden gewählt. Der 62-Jährige ist der erste Amtsinhaber, weil der IHK-Regionalausschuss 2016 neu begründet wurde. Leichers Stellvertreter sind Ursula Fritzmeier (50), Geschäftsführerin der Umwelttechnik Verwaltungs GmbH in Aying, sowie René Faßbender (39), Geschäftsführer der OmegaLambdaTec GmbH in Garching.

„Wir wollen einen neuen Wind in den Dialog zwischen Wirtschaft, Bürgern und Politik bringen.“

„Wir sind eine Art Regionalparlament der Wirtschaft, wollen künftig die Stimme erheben und einen neuen Wind in den Dialog zwischen Wirtschaft, Bürgern und Politik bringen“, sagt der Diplom-Ingenieur Leicher, Chef des Familienunternehmens Leicher Engineering GmbH in Kirchheim. Seit 1983 führt er das im Jahr 1870 vom Urgroßvater Franz gegründete Familien-Unternehmen, das weltweit als Großhändler für technische Bauteile agiert.

„Aktuell leben im Landkreis München 335 000 Menschen, bis 2034 sollen weitere 17,5 Prozent dazu kommen – dafür benötigen Wirtschaft und Gesellschaft ein kapillares ÖPNV-System.“ Leicher begrüßt ausdrücklich die zweite Stammstrecke, sie bedeute eine schnellere Taktungen auf allen S-Bahn-Linien und die Möglichkeit neuer Verbindungen: Express-S-Bahn zum Flughafen, Querverbindungen zwischen Kommunen und Bahn-Knoten, ein S-Bahn-Nordring. Bestehende Konzepte für Car- oder Bike-Sharing sowie E-Mobility müssten umgesetzt, Park & Ride-Plätze entlang von S- und U-Bahn aufgestockt werden. „Dabei dürfen wir die Ertüchtigung des bestehenden Straßennetzes nicht vergessen.“

Die A99 habe längst ihre Kapazitätsgrenze erreicht, notwendig sei ein Ausbau des Föhringer Rings und ein Lkw-Überholverbot auf der B471.

Leicher fordert mehr Mut zum Wohnungsbau

Zweites Schwerpunktthema ist für ihn die Wohnraumproblematik. „Ohne bezahlbaren Wohnraum können wir die dringend benötigten Fachkräfte nicht finden. Wir brauchen dafür mehr Mut.“ Leicher fordert: „Nutzungsmix Wohnen und Büro/Gewerbe/Handel zulassen, Konversion ehemaliger Gewerbeflächen in Wohnen, Wohnrecht von Saisonarbeitern im Betrieb – und: eine Vereinfachung von Vorschriften und Genehmigungen.“

Beim Thema Arbeit und Bildung habe sich das duale System in Deutschland bewährt und müsse beibehalten werden. „Doch ein Drittel der Lehrstellen im Landkreis sind unbesetzt, Lehrpläne in Schulen und Berufsschulen völlig veraltet. Wirtschaftsrelevante Themen, wie Geld und Wirtschaft, Digitalisierung oder Gesundheit tauchen in den Schulen kaum auf, künstliche Intelligenz oder digitale Prozesse fehlen ebenso.“

Er wisse, sagt Leicher, dass dies viele Forderungen seien, aber es sei dringend nötig , in diese Richtung zu agieren. „Wir werden künftig jede Gelegenheit nutzen, um unsere Anliegen den politischen Entscheidungsträgern und der Verwaltung vorzubringen. Nur der stete Tropfen höhlt den Stein.“ 

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