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Abverkauf: Kunde Florian Fial aus Trudering, Lunemann-Mitarbeiter Dominic Deml und Benedikt Lunemann (v.l.) 

Caterer in Not

Coronavirus: Lebensmittel-Lieferservice aus Kirchheim verliert ganzes Geschäft

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Quasi von einem Tag auf den anderen hat der Kirchheimer Caterer „Lunemann‘s“ wegen der Coronakrise sein ganzes Geschäft verloren. Mit einem großen Abverkauf haben die Inhaber jetzt Lebensmittel an Bürger verkauft, damit sie nicht verderben. 

Kirchheim – Kistenweise Gemüse und Obst, Joghurt, Milch, abgepackte Wurst und Eier gehen in der Lagerhalle bei „Lunemann’s leckerer Lieferservice“ (LLL) über den Ladentisch. Geplant war das so nicht, es ist eine drastische Maßnahme. Es gilt, das Lager leer zu bekommen und die verderblichen Waren nicht auf den Müll werfen zu müssen. Über die Sozialen Medien und Handzettel hat Junior-Chef Benedikt Lunemann für den „Lagerverkauf“ am Mittwoch geworben und für riesige Mengen an Lebensmitteln Abnehmer gesucht. Gleichzeitig wollte er den Lieferengpässen im Einzelhandel auch etwas den Druck nehmen.

Der Aufruf hat gefruchtet, nach zwei Stunden waren bereits die Kartoffeln aus, schließlich haben die Lunemanns auch noch mit Sonderpreisen aufgewartet. „Hauptsache, das Lager wird leer“, betont Lunemann. Ein Bund Bananen für 1,50 Euro, Joghurt-Gläser für 50 Cent, Bio-Gurken, Bio-Tomaten, Eier zu Ausverkaufspreisen.

Familienbetrieb seit 1983

Die Lunemanns sind ein Familienbetrieb, den es seit 1983 gibt, begonnen haben Jens und Anke Lunemann mit den drei Stammartikeln Apfelmus, Puddingpulver und Kartoffelsalat und einem klapprigen Lieferwagen. Schnell kamen Molkereiprodukte, Obst und Gemüse hinzu, der LLL gehörte zu den ersten Lieferanten mit einer Produktpalette, die neben Obst auch Müsli aus kontrolliert ökologischem Anbau anboten. Größere Räume fanden sie erst in Grasbrunn und seit 2014 in der Kirchheimer Dieselstraße. Auch die nächste Generation arbeitet voll im Betrieb mit, das Familienunternehmen beschäftigt 40 Mitarbeiter.

100 Prozent Umsatzausfall

Von denen sind jetzt 80 Prozent bereits in Kurzarbeit. Denn von einem Tag auf den anderen ist der Umsatz auf Null gefallen. „Wir haben 100 Prozent Umsatzausfall, und das für die kommenden fünf Wochen“, sagt Benedikt Lunemann. Mit der Schließung von Kitas und Schulen, dem Versammlungs- und Veranstaltungsverbot wurden alle Aufträge storniert. „Und wir bleiben auf unseren Waren sitzen“, so der Caterer.

„So was haben wir noch nie erlebt“

Anton Gebert (l.) aus Hohenbrunn mit Lunemann- Mitarbeiter Dominic Deml

An den zwölf Lieferautos fehlt bereits das Nummernschild. „Wir haben alle abgemeldet.“ Ein Glück sei, dass das Betriebs- und Lagergelände ihnen gehört und sie keine Miete bezahlen müssen. „So etwas haben wir noch nie erlebt in den fast 40 Jahren“, sagt Gründer Jens Lunemann. „Streiks hatten wir schon, aber das war überschaubar und nach ein paar Tagen vorbei. Jetzt geht wochenlang gar nichts mehr. Von den 400 Kunden, die bislang im Großraum München bis Ingolstadt und Rosenheim beliefert wurden, geht keine Bestellung mehr ein. Alles wurde nun heruntergefahren, aber die Lunemanns sind schon so lange am Markt. „Wir schnaufen sehr, aber wir werden überleben“, versichert Junior-Chef Benedikt.

Kunden unterstützen Caterer

Florian Fial aus Trudering kennt den Cateringservice durch seine Tochter. Die Lunemanns liefern an ihre Schule. Käse und Milchprodukte hat er in der Einkaufstasche, Bananen und Äpfel. „Es ist wichtig, dass wir unsere Lieferanten am Leben halten müssen“, findet er. „Klar, dass ich nun hier einkaufe und meinen Beitrag leiste.“ Anton Gebert aus Hohenbrunn wurde von seiner Frau zum Einkaufen bei den Lunemanns geschickt. Sie hatten einen Zettel im Briefkasten. Er hat einen Großeinkauf gemacht. „Alles Dinge, die wir heute auch in einem anderen Laden gekauft hätten“, sagt er. „Aber wir brauchen die Lunemanns auch nach Corona, deshalb bin ich hier.“

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