Das Original? Das kann niemand sagen. Auf alle Fälle ist der Wertstoffhof-Fund der Handschrift zur Verleihung des Gemeindewappens außergewöhnlich.
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Das Original? Das kann niemand sagen. Auf alle Fälle ist der Wertstoffhof-Fund der Handschrift zur Verleihung des Gemeindewappens außergewöhnlich.

Handelt es sich um das Original von 1966 ?

Außergewöhnlicher Fund auf dem Wertstoffhof

  • Bert Brosch
    vonBert Brosch
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Im Jahr 1966 verlieh das Bayerische Innenministerium der Gemeinde Kirchheim offiziell ihr Wappen. Zur Verleihung wurde eine gerahmte, handschriftliche Ortsgeschichte überreicht. Nun ist eine solche Schrift auf dem Wertstoffhof aufgetaucht – laut Archivar Alois Spieß könnte es sogar das Original sein.

Kirchheim - Normalerweise sind Urkunden, Handschriften und dergleichen ein fester Bestandteil des Gemeindearchivs. Nicht so diese Handschrift, die den Mitarbeitern des Wertstoffhofs in die Hände fiel. „Dem Personal ist es ja streng verboten, abgegebene Wertstoffe zu sortieren“, berichtet Katharina Ruf, die Leiterin des Referats für Kultur- und Öffentlichkeitsarbeit. „Wir stellen jedoch schon länger fest, dass immer wieder gut erhalten Rahmen abgegeben werden.“ Diese werden dann vom Personal aussortiert und neben den Behälter gestellt. „Wem’s gefällt, der darf einen Rahmen mitnehmen“. Dabei fiel den Wertstoffhof-Mitarbeitern nicht nur der gute erhaltene, goldene Rahmen auf, sondern vor allem der Inhalt der Schrift.

Keiner weiß, wo das Original geblieben ist

„Wie auch immer diese Handschrift in Privatbesitz und letztendlich zum Wertstoffhof gelangt sein mag, so sind wir nun umso dankbarer, dass dieses Zeitzeugnis erhalten bleibt, denn es beinhaltet wichtige Stationen der Kirchheimer Ortsgeschichte“, sagt Ruf. Sie recherchierte bei Gemeindearchivar Alois Spieß und fand heraus, dass keiner so genau weiß, wo das Original der Verleihung geblieben ist. Fest steht nur, dass in den Jahren nach 1966 immer wieder kopierte Drucke der Urkunde angefertigt wurden, die im unteren Teil die Namen der aktuellen Gemeinderäte enthielten. „Diese späteren Versionen wurden viele Jahre an verdiente Ehrenamtliche, Vereinsvorstände zu Jubiläen oder Ehrenbürger als Vorläufer der späteren Teller und Tassen verliehen“, berichtet Ruf. Da die gefundene Handschrift jedoch keine Gemeinderäte enthält, muss sie zeitlich recht nahe zum Originaljahr ’66 angefertigt worden sein.

Inhalt berichtet von der Entstehungsgeschichte Kirchheims

Im Gemeindearchiv hängt ebenfalls ein solches Exemplar, mit gleichem Rahmen. Archivar Spieß bekam es als Vorstand des Siedlervereins überreicht. Ob nun seines oder das auf dem Wertstoffhof gefundene Exemplar oder ein ganz anderes das Original ist, lässt sich heute nicht mehr feststellen.

Interessant ist der Inhalt der Handschrift: Ausführlich wird dort die Entstehungsgeschichte Kirchheims nacherzählt: von der ersten vermuteten Existenz Anfang des neunten Jahrhunderts, mehreren Zerstörungen durch Einfälle der Ungarn im Jahr 955, Raub und Plünderungen durch die Schweden im Dreißigjährigen Krieg bis zu den Erbfolgekriegen des 18. Jahrhunderts, als Kirchheim unter durchziehender österreichischer Soldateska zu leiden hatte. 1817 bildete sich die erste politische Gemeinde unter Führung des „Viererrates“, im Volksmund die „vier Windigen“: die Bauern vom „Moarhof, Seininger Hof, Schrollhof (beim Schrey) und der alte Wirt“. Sie waren die Spender der Windfahne vom Gemeindewappen.

Schon damals gemeinsame Planung von Kirchheim und Heimstetten

Aus heutiger Sicht lässt der letzte Absatz aufhorchen – Stichwort Kirchheim 2030: „Die Großplanung, die Kirchheim zusammen mit Heimstetten durchführen wird, beabsichtigt in fünf bis sechs Bauabschnitten Wohnraum für 20 000 bis 25 000 Menschen zu schaffen.“ Für Bürgermeister Maximilian Böltl zeigt diese Passage, dass „Kirchheim und Heimstetten schon lange eine gemeinsame Planung vorantrieben. Über 50 Jahre später setzen wir eine andere, viel kleinere Planung um. Immer wieder spannend, wo wir herkommen.“

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