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Die Luftnummer mit den Filtern - 50 Eltern protestieren vor Schule

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Von: Bert Brosch

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Die Eltern vieler Grundschüler verstehen nicht, weshalb der Gemeinderat den ursprünglichen Beschluss zurückgenommen hat, Luftfilter anzuschaffen.
Die Eltern vieler Grundschüler verstehen nicht, weshalb der Gemeinderat den ursprünglichen Beschluss zurückgenommen hat, Luftfilter anzuschaffen. © Bert Brosch

Über 50 Eltern der drei Grundschulen demonstrierten vor dem Gymnasium Kirchheim, in der der Gemeinderat tagte. Sie ärgerten sich über die Entscheidung des Gremiums, die aus Eltern-Sicht bereits getroffene Entscheidung zur Anschaffung von Luftreinigungsgeräten zu revidieren.

Kirchheim – „Wir Eltern sind wahnsinnig enttäuscht vom Verhalten der Gemeinde“, sagte Susanne Groß, Vorsitzende des Elternbeirats der Martin-Luther-Grundschule. Bei der Sitzung am 9. November, damals waren 30 Eltern anwesend, votierte der Gemeinderat gegen drei Stimmen aus der CSU für die Anschaffung von Luftreinigungsgeräten für 28 Klassenzimmer in den drei Schulen. Ein Anbieter aus Unterschleißheim wollte die Geräte innerhalb von vier Wochen liefern, nach Abzug der Zuschüsse des Freistaats hätte die Gemeinde rund 100 000 Euro bezahlen müssen.

Mehrfach die Sinnhaftigkeit in Frage gestellt

Laut Bürgermeister Maximilian Böltl (CSU) sei diese Summe zu hoch gewesen. Die Verwaltung habe das nicht alleine bestimmen dürfen. „Also mussten wir das noch einmal im Gemeinderat diskutieren.“ Aus Sicht der Eltern ist das nicht nachvollziehbar. Man habe den Punkt auf die Tagesordnung genommen, „wohl extra, weil keine Eltern anwesend sind“, argwöhnt Lydia Kröninger, stellvertretende Elternsprecherin. Vor der Sitzung am 7. Dezember erhielten die Eltern einen Brief aus dem Landratsamt, in dem auf die mögliche Impfung aller Kinder ab dem 20. Dezember verwiesen wird. Dies führte bei den Fraktionen von SPD, CSU und Volt zum Umdenken. Bürgermeister Böltl hatte zudem die Sinnhaftigkeit der Luftreiniger in Frage gestellt: „Es gibt keinen Hinweis darauf, dass dort, wo die Geräte bisher eingesetzt werden, die Infektionszahlen geringer sein könnten.“

Luftfilter eher Virenschleudern?

Als dann der Mediziner und CSU-Gemeinderat Thomas Heinik (CSU) sagte, aus seiner Sicht seien die Luftreiniger völlig sinnlos und eher als Virenschleudern zu bezeichnen, entschied die Mehrheit der anwesenden Gemeinderäte, die mobilen Luftreiniger nun doch nicht anzuschaffen.„Es sitzen jetzt schon viele Kinder in den Grundschulen ohne Maske, aber mit Attest. Die lassen sich doch nie impfen“, sagt Groß. Daher sei aus Sicht eines Vaters das Miteinander von Impfen, Luftreinigungsgeräten, Testen und Lüften die einzige Lösung. Eine andere Mutter sagte, die Kinderärzte würden Impftermine erst im März vergeben.

Nebeneingang gewählt

Verärgert hat die Eltern, dass die Gemeinde eine Anschaffung von 100 000 Euro für die Grundschulkinder ablehne, „ansonsten schieben die jede Woche riesen Beträge hin und her, zum Beispiel für eine freitragende Fahrradbrücke“, schimpft Lydia Kröninger.

Viele Eltern waren verärgert, dass ihnen Bürgermeister Böltl nicht gleich vor dem Gymnasium Rede und Antwort gestanden, sondern das Gymnasium durch einen Nebeneingang betreten habe. Bürgermeister Böltl verwies darauf, dass er mit den Eltern für Mittwoch einen Gesprächstermin vereinbart habe. „Mein Stil des Miteinanders ist geprägt von sachlichen Gesprächen anhand von Argumenten. Und nicht Streit im Dunklen, auf der Straße.“ Er bat um Verständnis für die abschließende Mehrheitsentscheidung des zuständigen Gremiums.

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