+
Appell an den Dieb: Ba rbara Kraft-Heinik hofft, dass den Täter das Gewissen plagt und er die gestohlenen Krippenfiguren wieder zurückbringt.

Krippenfiguren wurden bereits zum zweiten Mal gestohlen

Dieb vergreift sich an heiliger Familie

Kirchheim - Ein älterer Herr hat kurz vor Weihnachten mehrere Figuren der öffentlich zugänglichen Krippe auf dem Hof der Familie Kraft-Heinik gestohlen. Weil Maria, Josef und die Hirten bereits zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres entwendet worden sind, steht nun die Krippen-Tradition auf dem Spiel.

Das Jesuskind wurde in der Nacht zum 16. Dezember, um kurz vor 21 Uhr  quasi zum Vollwaisen. Das zeigen Fotos einer Überwachungskamera, die Thomas Heinik,Allgemeinarzt und Gemeinderatsmitglied, auf dem Hof zum Schutz seiner Praxis installiert hat. Auf einem Bild ist zu sehen, wie ein älterer, gut zu erkennender Mann vor der Krippe im Hinterhof steht. Beim nächsten Bild ist der Mann verschwunden – und mit ihm das heilige Paar samt den Hirten.

„An das Kind in der Krippe hat er sich wohl nicht herangetraut“, mutmaßt Thomas Heiniks Frau Barbara Kraft-Heinik. Die 56-jährige ehemalige Kreisrätin hatte den Diebstahl selbst nicht bemerkt. Am vierten Adventssonntag, also zwei Tage nach der Tat, habe plötzlich die befreundete Apothekerin ans Fenster geklopft und die Hiobsbotschaft verkündet. „Sie wollte kurz bei der Krippe vorbeischauen und hat dabei entdeckt, dass die Figuren weg sind“, erzählt Kraft-Heinik.

Bei dem Diebesgut handelt es sich um knapp 20 Zentimeter große, bunte Plastikfiguren. „Die sind nicht besonders wertvoll“, betont Kraft-Heinik. Eine Figur koste rund 30 Euro. Deshalb kann sie sich auch schwer das Motiv des Täters erklären. Ein Grund für die Straftat könnte Altersarmut sein. Das ziehe zumindest ihr Sohn Leonhard in Erwägung.

Ob der ältere Mann auch den Diebstahl vor knapp einem Jahr, wenige Tage nach dem Heiligen Abend, begangen hat, weiß die 56-Jährige nicht. Damals waren Maria und Josef, die Hirten sowie Ochs und Esel verschwunden. „Ich habe dann die Figuren bei einer Firma in der Toskana nachbestellt.“ Während das heilige Paar und die Hirten rechtzeitig vor dem Weihnachtsfest eintrafen, gab es bei den Tieren Lieferschwierigkeiten. „Ochs und Esel sind noch nicht angekommen“, sagt Kraft-Heinik. Womöglich hätte sich der Dieb auch diese Figuren gekrallt.

Aber auch so ist der Schaden für Kraft-Heinik hoch genug. Es geht ihr um den ideellen Wert. Denn die Krippe ist eine schöne Erinnerung an ihren verstorbenen Vater. Der sei leidenschaftlicher Krippenbauer gewesen und habe vor 25 Jahren die familieneigene Krippe erweitert und sie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. „Mein Vater war sehr kinderlieb“, erzählt die Kirchheimerin. Für seine Enkel habe er die Krippe kindgerecht umgestaltet. Aus Wurzeln, Steinen und Moos habe er die biblische Landschaft mit See und Lagerfeuern gestaltet. Dazu habe man die Figuren gekauft, die Kinder auch in die Hand nehmen durften.

Seitdem steht der zwei auf drei Meter große Schaukasten ohne Scheibe auf dem Hinterhof, und das Familienanwesen in direkter Nachbarschaft zur Pfarrkirche St. Andreas wurde für viele Bürger zum Ausflugsziel in der Advents- und Weihnachtszeit. Vor allem Kindergartengruppen kämen vorbei und betrachteten die biblische Szene, sagt Kraft-Heinik.

Doch damit ist es erst einmal vorbei. Das Dorfkripperl, wie es von vielen liebevoll genannt wird, wurde mittlerweile aus dem Hof gekarrt und fristet nun in einem Stall ein tristes Dasein. In der aktuellen Ausgabe des Gemeindeblattes hat Kraft-Heinik bereits angekündigt, die Krippe nicht mehr aufstellen zu wollen. Allerdings wird sie seit dem Vorfall ständig darauf angesprochen – selbst beim Einkaufen und von Menschen, die sie gar nicht kennt. „Ich sehe erst jetzt, wie bekannt und beliebt das Kripperl ist“, sagt die 56-Jährige und ist nun hin und her gerissen, ob und wie sie die Familientradition noch weiterführen soll.

Fest steht für sie lediglich, dass sie den Dieb nicht zur Rechenschaft ziehen will – auch wenn es vermutlich ein Leichtes wäre, ihn anhand der Fotos zu identifizieren. Stattdessen appelliert sie an sein Ehrgefühl: „Er soll einmal in sich hineinhören. Vielleicht überlegt er es sich noch einmal und bringt die Figuren heimlich zurück.“ Dann würde sie die Krippe womöglich doch wieder hervorholen, und die heiligen drei Könige könnten sich samt Elefanten und Kamele zur heiligen Familie, den Hirten und Schafen gesellen. „Das wäre für mich das schönste Geschenk zum neuen Jahr.“

Von Stefan Weinzierl

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Drei syrische Familien ziehen in ehemalige Forsthäuser
Harthausen - Ein neues Zuhause haben drei syrische Familien gefunden. Sie werden in den renovierten Forsthäusern im Harthauser Ortsteil „Beim Forstwirt“. Doch der …
Drei syrische Familien ziehen in ehemalige Forsthäuser
Im Adagio flirtet sich’s am schönsten
Grünwald – Endlich: Vor dreieinhalb Monaten hätte Vilde Frang ursprünglich in Grünwald spielen wollen, doch der Termin hatte kurzfristig abgesetzt werden müssen. Die …
Im Adagio flirtet sich’s am schönsten
Kinderbetreuung wird teurer
Ottobrunn – In Ottobrunn haben sich die Ausgaben der Kindertageseinrichtungen – sieben Häuser unterhält die Gemeinde selbst für derzeit 360 Kinder – von rund 3,7 …
Kinderbetreuung wird teurer
Boardinghaus mit 835 Betten durchgedrückt
Unterföhring – Ein Boardinghaus mit bis zu 850 Betten entsteht in den Oktavian-Häusern am Ortseingang von Unterföhring. Weil der Investor drohte, noch größere Ausmaße …
Boardinghaus mit 835 Betten durchgedrückt

Kommentare