Irmgard Kronester von der Rockerbox steht in ihrer Werkstatt in Kreuzpullach
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Berufsschrauberin: Irmgard Kronester von der Rockerbox ist selbst Bikerin aus Leidenschaft

An Sonn- und Feiertagen

Motorradfahrer drehen am Rad: Das sagen Biker zum drohenden Fahrverbot

Die Diskussion um Fahrverbote für Biker an Sonn- und Feiertagen brodelt immer wieder hoch. Wir haben Biker aus dem Landkreis gefragt, was sie davon halten

  • Der Bundesrat hat ein Fahrverbot für Motorradfahrern an Sonn- und Feiertagen vorgeschlagen
  • Gegen das drohende Verbot haben in den vergangenen Wochen tausende Biker demonstriert, darunter auch in München auf dem Mittleren Ring
  • Wir haben nachgefragt, wie Biker aus dem Landkreis München dazu stehen

Landkreis – Josef Hornburger (64) aus Heimstetten fährt in der Hauptsaison von Mai bis Oktober eigentlich nur noch Kurzstrecken auf seinem Motorrad. Meistens treibt es ihn in eine Wirtschaft, um einen Kaffee oder ein alkoholfreies Bier zu trinken oder in die Stadt, um einfacher einen Parkplatz zu finden. „Gelegentlich besuche ich meine Tochter in Prien, am Chiemsee. Wenn ich mit dem Motorrad unterwegs bin, kann ich von der ganzen Hektik im Alltag abschalten.“

Das könnte schon bald anders aussehen: Der Bundesrat sieht „dringenden Handlungsbedarf, für besondere Konfliktfälle, Geschwindigkeitsbeschränkungen und zeitlich beschränkte Verkehrsverbote an Sonn- und Feiertagen.“ Die Strafen für Lärmbelästigungen sollen strenger werden.

Landwirt Josef Hornburger ist startklar.

„Ich persönlich halte nicht viel von den vorgeschlagenen Fahrverboten für Biker“, sagt Josef Hornburger. Gerade am Wochenende seien die meisten Motorradfahrer unterwegs. „Warum sollte man also ein Sonntagsfahrverbot einführen?“ Josef Hornburger fährt seit 25 Jahren Motorrad. „Ich fahre gerne mit meiner Harley und mit etwas lauterer Musik durch die Gegend. Die Empfindlichkeit in der Bevölkerung ist das Problem“, erzählt Hornburger. Er habe an seiner Harley nichts verändert und alles sei ordnungsgemäß im Fahrzeugschein eingetragen. „Ich hatte noch nie ein Problem in einer Polizeikontrolle. 95 Prozent aller Motorbiker fahren anständig. Warum sollte man also auch die bestrafen?“, fragt sich Hornburger.

Die Crocodiles aus Garching sind ebenfalls wenig begeistert von den neuen Forderungen des Bundesrats. „Grundsätzlich herrscht in unseren Kreisen ein erhebliches Verständnis für die lärmgeschädigten Bürger“, sagt Uwe Ehrecke (64) von den Harley Freunden Garching. Generelle Fahrverbote würden jedoch total am Ziel vorbeischießen. „Hier wird Klientel unter Generalverdacht gestellt, das nicht alleine für Lärm verantwortlich ist. Was ist mit Autos, Rasenmähern und Ähnlichem?“ Die bisherigen gesetzlichen Möglichkeiten der Ordnungsbehörden seien völlig ausreichend, um die wenigen „Lärmrowdies“ zu reglementieren. Diese Maßnahmen müsse man nur konsequent umsetzen. „Sofern aber eine Maschine völlig legal (zum Beispiel nach EU-Recht) ist, darf es keinerlei Einschränkung für das Benutzen aller Straßen geben, schließlich zahlen wir hierfür auch Steuern“, sagt Ehrecke.

Crocodiles Garching: Uwe Ehrecke präsentiert seine Harley Davidson Electra Glide, Baujahr 2018.

Über zehntausend Biker hatten sich in München zusammengeschlossen, um gegen die Vorschläge des Bundesrats zu protestieren. Auch die Biker aus Garching, – zwölf Mitglieder hat ihr Verein – waren dabei. „Natürlich haben wir uns an dem “Ausflug“ auf den Mittleren Ring beteiligt. Die Demo in München wurde ja vom Kreisverwaltungsreferat mit fadenscheinigen Begründungen abgesagt.“ Diese Absage stelle eine erhebliche Grundrechtseinschränkung dar. „Sofern weitere solche Veranstaltungen durchgeführt werden, sind wir natürlich wieder dabei“, sagt Ehrecke. Die Politik des immer mehr Verbietens müsse unbedingt gestoppt werden. „Nach den Verboten für Motorradfahrer, was kommt dann?“. Es solle jeder etwas vom “Gas“ gehen und dem Anderen seinen Spaß an der Freude gönnen.

Aber nicht nur die Fahrverbote sollen strenger werden. Die Polizei soll, laut Bundesrat, mehr Befugnisse im Falle von Manipulationen am Fahrzeug, bekommen. Bei gravierenden Überschreitungen der Lautstärke dürfte die Polizei dann das Fahrzeug sicherstellen oder an Ort und Stelle beschlagnahmen.

Die Inhaberin der Motorradwerkstatt Rockerbox in Kreuzpullach, Irmgard Kronester (62), zeigt ebenfalls Verständnis für die Anwohner. „Einige Motorradfahrer übertreiben und fahren mit Absicht zu laut. Die sind dann selbst mir als Motorradfahrerin zu laut“, sagt sie. Biker, die zu laut sind, sollten rausgewunken werden. „Strengere Kontrollen fände ich gut, die würden mit Sicherheit mehr bringen als neue Fahrverbote“, sagt Kronester.

Harley Bros.: Serge Giordano ist einsatzbereit.

„Ich denke, jeder Motorradfahrer fühlt sich ungerecht behandelt – besonders die, die sich an die Regeln halten.“ Irmgard Kronester fährt seit 32 Jahren Motorrad. „Das Motorradfahren ermöglicht mir, besonders nah an der Landschaft und den Dörfern zu sein.“ Sie mache hauptsächlich mehrtägige Reisen in den Süden nach Italien oder Österreich. Außerdem begeistert sie sich für Oldtimer. „Ich fahre zum Beispiel eine 350 er Triumph, Baujahr 1939 und eine Yamaha xt 600 – die ist 30 Jahre alt.“ Mittlerweile fahre sie nicht mehr so oft. Im Sommer hätte sie bei gutem Wetter in ihrer Werkstatt einfach zu viel zu tun und im Winter sei das Fahrrad für Kurzstrecken geeigneter.

Die Harley Bros. Munich zeigen sich wenig begeistert von der neuen Fahrverbotsdiskussion. „Man sollte einfach alles so lassen wie es momentan ist und die Störenfriede herausziehen und verwarnen“, sagt Serge Giordano (60), dritter Vorsitzender des Ismaninger Vereins. Strecken, wo bereits Fahrbeschränkungen für Biker gelten, werden von den Harley Bros. gemieden. „Wir meiden generell Strecken, wo so viel los ist“, erzählt Serge Giordano.

Für mich steht Motorradfahren für Spaß, Freiheit und schrauben.

Serge Giordano

Der Motorradclub hat sich ebenfalls an der Demonstration am 4. Juli in München beteiligt. „Wir waren mit vier befreundeten Clans unterwegs.“ Die 80 Mann starke Gruppe habe in entgegengesetzter Richtung auf dem Mittleren Ring gegen die Fahrverbote demonstriert.

Serge Giordano fährt seit 40 Jahren Motorrad. „Für mich steht Motorradfahren für Spaß, Freiheit und schrauben.“ Er habe Verständnis für die Bürger und könne es verstehen, wenn Anwohner an Knotenpunkten durch unnötiges Aufheulen des Motors belästigt werden. „Ich wurde schon öfters unnötig von der Polizei herausgezogen.“ Ein Polizist habe ihm einmal vorgeworfen, dass seine Maschine manipuliert ist. „Meine Maschine ist serienmäßig. Nach einer Stunde durfte ich dann weiterfahren.“ Für Serge Giordano wäre eine Reduzierung der Maximaldezibel für neue Motorräder in Ordnung – solange diese aber auch für alle anderen Fahrzeuge gelten

Manuel von Knoblauch

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