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Sechs Quereinsteiger und fünf junge Frauen: So kann die Feuerwehr den Personalrückgang stoppen. Kommandant Franz Fischer (r.) und Bürgermeister Maximilian Böltl (2.v.r.) sind damit sehr zufrieden.

Wegen Personalrückgangs

Feuerwehr Kirchheim: Mädels sollen’s richten

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Als die Zahl der aktiven Retter sank, probierte die Feuerwehr Kirchheim Unkonventionelles: Sie gründete eine reine Mädelsgruppe und wendeten sich an männliche Quereinsteiger – mit Erfolg.

Kirchheim – Mit 99 Alarmierungen hatte die Freiwillige Feuerwehr Kirchheim im vergangenen Jahr ein ruhigeres Jahr als noch 2016 (105 Einsätze). 2015 waren es sogar 143 Einsätze. Doch während dies eine positive Entwicklung ist, beobachteten die Retter einen anderen Rückgang mit großer Sorge: Von Jahr zu Jahr wurden es immer weniger aktive Kameraden. Die Zahl der Aktiven sank von 89 im Jahr 2014 auf 74 Aktive im Jahr 2016. Die Folge: Die zeitliche Belastung für jeden Einzelnen stieg. „Wenn wir unsere 1266 Stunden bei den 99 Einsätzen in 40-Stunden-Wochen umrechnen, dann waren wir im vergangenen Jahr 32 Wochen durchgehend – ehrenamtlich – im Einsatz“, rechnet Kommandant Franz Fischer vor. „Das machen wir gerne für die Bevölkerung von Kirchheim, doch es wird immer schwerer, genügend Kameraden dafür zu finden.“

Also „mussten wir uns also etwas ganz Neues einfallen lassen“. Um diesen Trend zu stoppen, gingen er und Feuerwehrvereins-Vorsitzender Andreas Bosch ganz neue Wege – mit einem Kurs für Quereinsteiger sowie einer reinen Mädelsgruppe. Aus ihr sind bislang fünf aktive, junge Feuerwehrfrauen hervorgegangen. Von den Quereinsteigern, die die Jugendfeuerwehr nicht durchliefen und sich erst später für die Feuerwehr entschieden, haben nun sechs Männer die Feuerwehrprüfung abgelegt. Nun kann die Feuerwehr Kirchheim wieder auf 81 aktive Mitglieder zurückgreifen. „Es ist außerdem schön zu sehen, dass wir viele neue, junge Mitglieder haben, zum Teil aus alteingesessenen Kirchheimer Familien“, sagt Kommandant Fischer erfreut.

Bedenklich sei aber, dass es nur noch 26 Mitglieder gebe, die mit Atemschutzgeräten für Einsätze zur Verfügung stehen. Diese Zahl müsse unbedingt wieder steigen, ansonsten werde es große Probleme bei Einsätzen geben. Und Fischer äußerte weitere Kritik: „Ich finde es nicht in Ordnung, dass wir für die Lehrgänge an den Staatlichen Feuerwehrschulen nur so wenige Plätze zugeteilt bekommen.“ Für 2018 nur einen, „da hätten wir gerne mehr“.

Insgesamt haben die Kameraden im vergangenen Jahr 3300 Stunden in 105 Übungen für Fortbildungen, Atemschutz-, Maschinisten-, oder Drehleiterübungen geleistet. Hinzu kamen 400 Stunden für Gruppenführerbesprechungen sowie 3400 Stunden für Verwaltungsaufgaben wie Lehrgangsplanungen, Beschaffungen, Feuerbeschau oder Brandmeldeanlagen. „Das waren weit über 8000 ehrenamtliche Stunden – Hut ab für diese Leistung“, sagt Fischer.

Die 99 Einsätze verteilen sich auf 45 technische Hilfeleistungen, 24 sonstige Einsätze, 14 Brände, zehn Sicherheitswachen (Osterwache, Gymnasium-Veranstaltungen) und sechs Fehlalarme. In Erinnerung bleibt den Rettern ein Zimmerbrand, bei dem das Dachgeschoss brannte und die Familie im Erdgeschoss saß und nichts bemerkt hatte. Ebenso wie ein brennender Lkw, zu dem mehrere Kirchheimer Fahrzeuge auf die Autobahn ausrückten, bis bekannt wurde, dass der Unfall in Sachsen-Anhalt geschehen war.

Im Schnitt waren je Einsatz neun Feuerwehr-Kameraden alarmiert, insgesamt 872. Fast alle Alarmierungen fanden zwischen 6 und 22 Uhr statt. Der Kommandant weiß daher: „Da brauchen wir also Arbeitgeber, die uns unterstützen.“

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