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Dicht beieinander sollen der Bullenmaststall von Franz Sepp und das Neubaugebiet entstehen.   

Landratsamt lehnt Mastanlage für 450 Tiere ab

Geruchs-Gutachten macht Bullenstall den Garaus

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Landwirt Franz Sepp (54) hat den Kampf verloren: Er darf keinen Stall für 450 Mastbullen in Kirchheim bauen. Dabei sah es so gut für ihn aus.

Kirchheim – Das Landratsamt hat dem Vorhaben nun eine Absage erteilt – mit Blick auf den zu erwartenden Gestank. Der Gemeinderat hatte das Vorhaben – aus Angst vor zu viel Gestank für die Bewohner des geplanten Neubaugebiets „Westlich der Flurstraße“ nur wenige hundert Meter von Sepps Bauernhof entfernt – bereits im Mai abgelehnt.

Doch zunächst sah es gut aus für den Landwirt, dessen Familie den Hof an der Dorfstraße seit 1770 bewirtschaftet. Das Landratsamt, das letztlich über den Bullenstall entscheidet, sah keine Gründe für eine Ablehnung. Es teilte der Gemeinde mit, dass das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten „für ein solches Vorhaben die erforderliche Privilegierung dem Grunde nach als gegeben ansieht“. Eine solche Privilegierung für die Betriebserweiterung von 84 auf 450 Tiere in mehreren Jahren hatte die Kommune zuvor in Zweifel gezogen.

Erstes Gutachten: keine Geruchsprobleme

Nachdem die Argumente Wirtschaftlichkeit, Privilegierung und Erschließung als Gründe für eine Ablehnung nicht mehr zogen, führte die Gemeinde den Geruch als Problem an. Sepp verweist auf das Gutachten für Geruchsimmissionen vom Büro Müller BBM, welches er für seinen Antrag erstellen ließ. Demnach gibt es mit Geruch durch den Westwind sowie den Bau der Ställe an den Nordrand des Grundstücks keinerlei Probleme.

Bürgermeister Maximilian Böltl (CSU) sieht das anders: Die neuen Ställe würden nicht zum neuen Baugebiet „Westlich der Flurstraße“ sowie den bestehenden Wohnungen passen. Nun ist die Gemeinde dem Geruch selbst nachgegangen und hat sich eine Stellungnahme des Ingenieurbüros Möhler + Partner eingeholt. Dieses kommt zu einem ganz anderen Schluss als die Berechnungen der Experten, die Sepp beauftragte. Demnach würden sich in der Nachbarschaft nämlich mehr als doppelt so häufig unzulässige Geruchsbelästigungen ergeben als Sepp in seinem Gutachten angeführt habe. Sogar der heutige Stall sei nach neuesten Berechnungen nicht mehr zulässig.

Anders bauen, um Gestank zu vermeiden

Landwirt Franz Sepp ist enttäuscht.

Um den Geruch zu verringern, soll Sepp – so der Vorschlag von Möhler + Partner – das geplante Stallgebäude drehen sowie eine mechanische Be- und Entlüftung samt höherem Dach einplanen. Die Gemeinde sieht sich in ihrer Position bestätigt: „Auf Grund der prognostizierten Geruchshäufigkeiten wird es aus unserer Sicht Immissionskonflikte geben, daher lehnen wir das Bauvorhaben ab“, betonte Böltl. In der Gemeinde bestehe eine hohe Nachfrage, auch der Kirchheimer, nach Baugrundstücken und Einfamilienhäusern. Diese Nachfrage könne im Rahmen der Planungen zur Ortsmitte nicht befriedigt werden, da dort Geschosswohnungsbau und eine dichte Bebauung geplant ist. „Daher brauchen wir das Gebiet am Ortsrand von Kirchheim im Übergang zum Kirchheimer Moos.“

Das Bittere für Sepp: Ihm zufolge ist das Landratsamt nun „umgeschwenkt und verweist auf das Geruchsgutachten der Gemeinde“. Ein drittes Gutachten oder einen Rechtsstreit will er trotz aller Enttäuschung nicht. „Es muss doch einen gemeinsamen Weg geben. Ich weiß nur nicht, welchen“, sagt der 54-Jährige.

Einigung gerne, nur wie?

Gemeinderat Franz Glasl (CSU), selbst Landwirt, riet ihm, seine Ställe einfach ein paar hundert Meter weiter nördlich zu bauen, „denn wir dürfen ihm doch die Zukunft nicht blockieren“. Sepp entgegnet, dass er weiter im Norden kein eigenes Land besitzt, das sich für den Bau eigne. Zudem zerstöre eine größere Entfernung zur aktuellen Hofstelle seine Betriebsstruktur. 

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