Die erste Geige: Hans Lederwascher aus Heimstetten wird auf seinem Lieblingsinstrument noch lange spielen.
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Die erste Geige: Hans Lederwascher aus Heimstetten wird auf seinem Lieblingsinstrument noch lange spielen.
Hans Lederwascher (r.) mit seiner ersten Geige, damals noch in Arget. Er vermutet, die beiden anderen Buben sind Freunde aus der damaligen Argeter Blaskapelle.
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Hans Lederwascher (r.) mit seiner ersten Geige, damals noch in Arget. Er vermutet, die beiden anderen Buben sind Freunde aus der damaligen Argeter Blaskapelle.

Abschied mit 80 Jahren

Hans Lederwascher: Immer am Puls der Volksmusik

Heimstetten/Arget – Hans Lederwascher (80) aus Heimstetten (Gemeinde Kirchheim) sitzt stest an der ersten Geige und füllt mit seinen Konzerten die Säle . 

Das wird er auch weiterhin tun, wenngleich seine Zeit als Kreisvolksmusikpfleger des Landkreises München nach 30 Jahren nun vorbei ist.

Lederwaschers erstes Instrument war die Zither, es folgten die Trompete, das Tenorhorn und die Klarinette. „Die hab’ ich zu meinem 80. Geburtstag in diesem Jahr sogar noch mal herausgeholt“, sagt Lederwascher und lacht. Wenngleich „sein“ Instrument über all die Jahrzehnte die Geige geworden ist. Sein Vater, selbst Musiker einer Blaskapelle, hat die 40 Mark „Kopfgeld“ nach der Währungsreform für Sohn Hans investiert. Diese Geige hat Lederwascher bis vor zehn Jahren auch noch gespielt. Erst dann hat er sich ein richtig gutes Instrument geleistet. Unzählige Bögen habe er „durchgeschrubbt“, bis er endlich den richtigen für sich gefunden hat. Ausgestattet mit einem ausgezeichneten Musikgehör lernte der Jugendliche schnell das Geigespielen. „An mein erstes kleines Solo, es hieß ‚Das Großmütterchen‘ mit dem Orchesterverein in Sauerlach kann ich mich noch gut erinnern. Es hat ganz gut geklappt.“

In den Ami-Clubs spielt er Jazz und Swing

Nach Kriegsende hat er in den Clubs der Amerikaner mit Swing und Jazz gutes Geld verdient, sein größter Wunsch des Berufsmusikers blieb ihm jedoch verwehrt. Zu dieser Zeit sei gar nicht an ein Musikstudium zu denken gewesen, die erforderliche Schule für den gebürtigen Argeter unerreichbar und unbezahlbar. Den Lebensunterhalt für seine Familie verdiente er bei einer Versicherung, dennoch galt jede freie Minute den Noten. Mit anderen Hobbys, wie Sport etwa, habe er nichts anfangen können.

Musik ist seine Leidenschaft

Ein Blick auf seine feinen Hände zeigt, dass er eher ein Kopfarbeiter, denn ein Handwerker ist. Er hört leidenschaftlich gerne Mozart: „Es gibt nichts Schöneres!“ Die Auftritte mit Volksmusik- oder Tanzkapellen, zum Fasching, beim Hoagartn oder Musikantentreffen, in Konzertsälen und auch Wirtshäusern waren ihm nie zu viel. „Die Musik ist schließlich meine Leidenschaft.“ In Kirchheim hat er auch gleich die „ Herzlfeld Stubenmusi“ ins Leben gerufen, ebenso im Jahr 1986 die „Baierische Volksmusik zum Cäcilientag“, bei der er mit der „Spielmusik Lederwascher“ aufspielt. Die Heilige Cäcilie „ist die Schutzpatronin der Musik und Kirchenmusik. Zu ihren Insignien gehören die Violine und Orgel“, erklärt der Musiker, der heute noch täglich übt, „aber halt nicht mehr so intensiv!“

Cäcilienkonzerte führt er fort

Aber es sind nicht „nur“ die Volksmusik-Konzerte, auch die Operetten und Wiener Schmäh-Musik füllen jedes Jahr das Kirchheimer Gymnasium. Hans Lederwascher wird geschätzt als Musiker, Dirigent, Veranstalter, Organisator und auch Moderator. Als er im November dieses Jahres sein letztes Cäcilienkonzert ankündigte, äußerte Kirchheims Bürgermeister Maximilian Böltl die Bitte, er möge doch weitermachen. Böltl hatte mit seinem Vorstoß Erfolg: „Auch nächstes Jahr im November bin ich mit der Spielmusik dabei, aber das ist das ein reines Lederwascher-Konzert und nicht mehr das des Kreisvolksmusikpflegers.“ Dieses Amt habe er endgültig niedergelegt. Er war Initiator von fünf Volksmusik CDs, die von verschiedenen Musikgruppen des Landkreises eingespielt wurden. Auch hat er die vielen Musikgruppen des Landkreises zusammengebracht und miteinander vernetzt. Dafür wurde er von Bezirkstagspräsident Josef Mederer mit der Bezirksmedaille geehrt. „Doch irgendwann ist Schluss“, sagt Lederwascher. „Da müssen Junge ran.“

Landler in Rockversion - bitte nicht

Um den Fortbestand der traditionellen bairischen Volksmusik sei ihm nicht bange, auch wenn es nicht mehr so feste Verbindungen zwischen den Musikern gebe. Die spielten mal hier und da, selten ausschließlich nur in einer Formation. Auch der drei- oder vierstimmige Gesang werde merklich weniger.

„Volksmusik hat sich stets verändert, wie wir Menschen ja auch unsere Gepflogenheiten ändern. Aber bitte nicht mit Gewalt aus einem Landler eine Rockversion machen“, sagt Lederwascher. Nur weil man damit Geld machen könne. „Da hat sich die Wertigkeit verändert, mal schauen, wo das noch hingeht.“

Hans Lederwaschers Nachfolger stehen bereits fest: Es sind Bärbl Chalupper und Hubert Zellner. Sie übernehmen das Ehrenamt am 1. Januar 2017.

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