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 „Heldenverlies“ in Kirchheim

Spielplatz für Magier und Elfen

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Im „Heldenverlies“ treffen sich Magier, Krieger, Heiler und Elben. Ein echtes Abenteuer für Kinder, die in fremde Welten tauchen und ihre Lieblingsrolle schlüpfen.

Kirchheim/Unterhaching –Mari schreitet durch die finsteren Gänge und Räume. Die Neunjährige mit braunen, lockigen Haaren hält ein Schwert fest umklammert. Schließlich weiß man nicht, was in der Dunkelheit lauert. Und als Kriegerin hat Mari schließlich die Aufgabe, ihre Weggefährten zu beschützen. Zum Beispiel Magier Magnus, dessen kleines Licht die Schwärze etwas weniger bedrohlich erscheinen lässt. Oder Elb Moritz, ohne dessen Schlüssel an so mancher Tür für die siebenköpfige Gruppe Endstation wäre.

Mauer aus Spanplatten stört niemanden

Fast 40 Mädchen und Buben vom AWO-Hort an der Fasanenstraße in Unterhaching erkunden heute das Heldenverlies. Sie eilen an alten Spinnrädern vorbei, luren auf der Suche nach versteckten Botschaften unter Vasen und Zinnbecher oder versuchen, auf Gemälden Geheimbotschaften zu entdecken. Die Grundschüler stört es dabei weder, dass das Verlies im zweiten Stock eines Bürogebäudes liegt, noch dass sich die Mauern, Kerker und Kammern als Spanplatten-Konstruktionen entpuppen, beklebt mit Foto-Tapeten oder von Tüchern bedeckt.

Vorbild aus Hamburg

Die Schöpferin des 370 Quadratmeter großen Labyrinths heißt Tatjana Elbs. Die 49-jährige Kirchheimerin, selbst zweifache Mutter, hat die Idee vom „Drachenlabyrinth“ in Hamburg. „Mein Sohn war völlig begeistert von der Abenteuerwelt. Da habe ich die Betreiber gefragt, ob sie so etwas auch hier im Raum München aufziehen wollen.“ Wollten sie nicht – und so hat Elbs selbst die Initiative ergriffen, ihren Job im Sekretariat des Kirchheimer Gymnasiums an den Nagel gehängt und das Projekt in ihrer Heimatgemeinde verwirklicht. „Wir kooperieren aber mit dem Drachenlabyrinth, haben von dort das Spielkonzept übernommen.“

Ziel: Eintritt in die Monsterwelt

Das sieht folgendermaßen aus: Die Kinder suchen sich einen Heldencharakter aus und gehen im Idealfall gruppenweise daran, Aufgaben zu lösen. Als Belohnung winken Kontorscheine. Dank dieser Währung können die Nachwuchs-Helden ihren Charakter aufwerten. „Hochleveln“ nennt Elbs das. So beginnt der Magier als „Abenteurer“ und kann sich bis zum „Jungzauberer“ hocharbeiten. Wer auf dem höchsten Level angekommen ist, dem winkt die Schattenkarte, die zum Eintritt in die Monsterwelt berechtigt. Dort können Kinder in weitere Rollen schlüpfen: Vampir, Dämon, Pirat oder Ork.

Lagebesprechung bei (v.l.) Maxi, Hendrik und Jana aus dem Hort in Unterhaching.

Elbs hält die geschaffene Welt durchaus für pädagogisch wertvoll. Denn die Kinder sitzen nicht am Computer und steuern ihre Helden, sondern schlüpfen selbst in die Rollen. „Sie lernen dabei Konflikte zu bewältigen, im Team zu arbeiten und natürlich im dunklen Verlies Ängste zu überwinden.“

Keine Lust auf Monster

Bei Heiler Julian ist es mit der Angstbewältigung heute so eine Sache. Der Siebenjährige, der mit Kriegerin Mari unterwegs ist, streikt auf dem Weg in Richtung Monsterwelt. „Kann ich hierbleiben?“, fragt er, auch ein kleines Mädchen aus der Gruppe will nicht mehr weiter in die Dunkelheit vordringen. Auf eine Monsterbegegnung haben beide keine Lust.

Nur gut, dass man immer wieder in den großen hellen Raum zurückkehren kann, in dem von den Heldenverlies-Mitarbeitern die Kontorscheine sowie neue Aufgaben ausgegeben werden und Pizza und Eis zur Stärkung warten. Auch hier wimmelt es von Kindern. Während sich an einem Tisch Heiler Maxi, Krieger Hendik und Elfe Jana ihre nächste Aufgabe durchlesen, werden bei der Gruppe um Mari eifrig die Kontorscheine sortiert und gezählt. Die stellvertretende Hortleiterin Elke Pawlitschko empfindet das Heldenverlies als spannende Angelegenheit: „Es ist einmal etwas völlig anderes. Und die Kinder sind mit Begeisterung dabei. Viele gehen voll in ihren Rollen auf.“

Stammkunden stehen auf Profiausrüstung

Dass den Kindern das Abtauchen in die Fantasy-Welt Spaß macht, merkt auch Betreiberin Elbs. Das Geschäft läuft gut, viele Kinder sieht sie nicht nur einmal. „Wir haben mittlerweile eine Menge Stammkunden“, sagt sie. Und die Besucher kommen nicht nur aus dem Großraum München. „Selbst vom Achensee ist schon eine Gruppe angereist“, erzählt Elbs.

Schwer bewaffnet - mit guten Ideen: Betreiberin Tatjana Elbs und ihr Mitarbeiter Pauli.

„Leben kann ich vom Heldenverlies noch nicht“, sagt sie. Denn noch werden die Gewinne in den Ausbau gesteckt. Im ersten Stock, in dem sich neben den Büroräumen auch eine Lounge für Eltern befindet, soll ein Shop für Fantasy-Artikel entstehen. Zwar bekommen die Kinder die Grundausrüstung gratis, doch gerade die Stammkundschaft giert nach aufwändigeren Ritterhelmen, Umhängen, Orkmasken und Schwertern.

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