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Zeit zu lesen hat Angela Hilger jetzt im Ruhestand.

Die herrliche Zeit ohne Wecker

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Kirchheim - Nach 41 Dienstjahren, davon sieben als Rektorin der Silva-Grundschule in Kirchheim, hat sich Angela Hilger in den Ruhestand verabschiedet.

Sie fühle sich jetzt noch wie in den Ferien, „schauen wir mal, was kommt“, sagte sie zum Abschied. Es ist das Buch „Vom Glück der Muße“ von Anselm Bilgri, das Angela Hilger nun in Ruhe liest. „Ich habe mir immer Zeit gewünscht. Und die habe ich ja nun“, sagt die 64-Jährige und lacht. 

Und doch ist Muße ein Wort, das so gar nicht zu ihr passen will. Burn-out oder Krankentage waren für sie ein Fremdwort, schon als Grundschülerin wollte sie Lehrerin werden. Eine Tafel, die sie zu Weihnachten als Kind geschenkt bekommen hat, war das erste Rüstzeug für die spätere berufliche Laufbahn, „Lehrerin, das war das Tollste für mich.“ 

Nach dem Abitur und einem dreijährigen Studium hatte sie ihren ersten Dienstantritt in Grüntegernbach (Landkreis Erding), im vierten Dienstjahr kam sie, 1977, an die „Grundschule am Feld“ nach Kirchheim. „Meine 1c hatte 33 Kinder. Dennoch war Vieles damals doch viel einfacher, als mit den 16 Kindern, die es heute in der Klasse sind“, erinnert sich Hilger. Der Druck sei bei weitem nicht so stark gewesen. Vor allem in den Übertrittsklassen seien viele Eltern einfach nicht zu überzeugen, dass die Kinder keine Versuchskaninchen seien. „Man kann mit der Durchlässigkeit des Schulsystems doch viel machen und somit einfach auch mal abwarten. Aber mit aller Gewalt werden viele Kinder ins Gymnasium gedrängt, obwohl es doch sinnvoller wäre abzuwarten, bis jedes Kind seine Fähigkeiten und Begabungen entwickeln kann“, ist sich Hilger sicher.

 Viele Jahre war Hilger die rechte Hand von Rektor Karl Segerer, der im Jahr 2009, nach 15 Jahren, die Schulleitung an sie abgab. Viele Ideen und Innovationen hatte sie bis dahin bereits umgesetzt. „Ich war die Medientante“, sagte Hilger. Als eine der ersten Grundschulen Bayerns habe sie vor zwölf Jahren die ersten drei Computer eingesetzt, „die waren gebraucht und wir haben sie aus dem Rathaus übernommen und geschenkt bekommen.“ Auch die Schülerzeitschrift, die Schmökerecke, das Antolin- Online-Portal zur Leseförderung und vor einigen Jahren die Inklusion sowie die Integration der Flüchtlinge in das Kirchheimer Schulsystem gehen auf ihr Engagement zurück. „Ja, ich habe schon einiges gemacht und vorangetrieben“, resümiert Hilger nicht ohne Stolz.

 „Ihre“ Kinder, Eltern, Lehrer, der Elternbeirat und auch der Förderverein haben sich liebevoll von Angela Hilger verabschiedet: Das Lied „Daddy Cool“ von „Boney M.“ hatte das Kollegium zu „Angie Cool“ umgeschrieben. Als Abschiedsgeschenk steht nun eine neue Gartenliege auf ihrer Terrasse. „Ich gehe mit zwei lachenden Augen. Nun beginnt ein neuer Lebensabschnitt“, sagte Angela Hilger. Momentan ist es das Bilgri-Buch, das sie beschäftigt, denn ganz so einfach wird es mit der vielen neuen Zeit nicht werden. „Ich bin noch nicht verplant, habe noch keine Volkshochschul-Kurse gebucht. Vielleicht spiele ich wieder Gitarre oder male. Auf jeden Fall werde ich mich um meinen Enkel kümmern.“ Eines aber genieße sie derzeit am meisten: „Es ist einfach herrlich ohne Wecker.“

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