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Nachschuss: 2014 weihte Bürgermeister Böltl (2.v.l.) den Kunstrasenplatz des SV Heimstetten ein. Jetzt will die Gemeinde einen weiteren Plastik-Platz bauen.

„Vollkommen unsinnig“

Anwohner wehren sich gegen Kunstrasenplatz - doch Gemeinderat hält an Plänen fest

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Die Gemeinde Kirchheim plant, einen Kunstrasenplatz zur bauen. Einige Anwohner sind dagegen. Der Gemeinderat verfolgt die Pläne trotz Gegenwind weiter.

Kirchheim – Für die Fußballer des SV Heimstetten und Kirchheimer SC will die Gemeinde am neuen Gymnasium einen Kunstrasenplatz samt Flutlichtanlage bauen. Der Schule würde ein Rasenplatz reichen. Gegen die drohende Lärmbelastung sowie Plastikpartikel wehren sich derweil die Anwohner in der „Interessengemeinschaft (IG) Wall“, die auch die Abholzung des Wäldchens verhindern will. Der Gemeinderat hält trotz Protest an seinem Plan fest.

„Aus unserer Sicht ist ein Kunstrasen vollkommen unsinnig“, schimpft Veronika Kröniger, Sprecherin der IG, die mittlerweile 60 Mitglieder zählt, vor allem aus dem Lindenviertel. „Da darf man keinen Schulsport wie Speer- und Diskuswurf oder Kugelstoßen drauf machen.“ Auch für den Schulsport werde das künstliche Grün nicht gebraucht, und die EU-Kommission wolle Kunstrasenplätze wegen des nicht abbaubaren Kunststoffgranulats ja sowieso verbieten, zählt Kröniger auf.

Neuer Kunstrasenplatz in Kirchheim: „Naturschutz spielt keine Rolle“

Zudem ärgern sich die IG-Mitglieder über die bereits stattgefundene Abholzung des Wäldchens am Gymnasium. „Das Konzept unterscheidet sich total von dem Entwurf, für den so viele gestimmt haben – Naturschutz spielt keine Rolle“, sagt Kröniger. Streng geschützte Silberpappeln seien abgeholzt worden, versprochene Fangzäune und Kästen, in denen die geschützten Tiere hätten umgesiedelt werden können, gebe es nicht. Anstelle des Kunstrasens fordert die IG einen Rasenplatz. Wenn man die Sporthalle um 90 Grad drehe, würde beides südlich des Wäldchens passen, das stehen bleiben könne.

Bürgermeister Maximilian Böltl (CSU) hält die Idee, die Turnhalle zu drehen, für nicht umsetzbar. „Die Nachteile für den Schulbetrieb wären enorm“, sagt er im Gemeinderat. Der Pausenhof hätte nur noch zwei Drittel seiner geplanten Fläche, die Sporthalle wäre von außerhalb des Schulgeländes einsehbar. Böltls Urteil: „Das wollen wir nicht.“

Kunstrasen muss die Gemeinde selber zahlen

Zudem sei die Planung des Zweckverbands abgeschlossen. „Die wollen jetzt von uns wissen, ob wir den Naturrasen wollen, den der Zweckverband zahlt“, sagte Böltl, „oder den Kunstrasen, den wir selber bezahlen müssen.“ Für den müsste die Gemeinde rund 433 500 Euro berappen.

Böltl hat in der Zwischenzeit mit den Sportvereinen und einem Anwohner gesprochen. Als Zugeständnis würde der Kick-Betrieb auf 19.30 Uhr begrenzt, Turniere oder Spiele dürfen dort nicht stattfinden.

Kunstrasen: Grünen-Gemeinderat wittert eklatant höhere Kosten

Susanne Merten-Wente (Grüne) fand es eigenartig, dass bei so vielen Hausbesitzern im Lindenviertel nur mit einem gesprochen wurde. „Ich glaube auch nicht, dass die Fußballer um 19.30 Uhr aufhören“, sagte sie. Derweil zweifelt Rüdiger Zwarg (Grüne) die Kosten an: „Ein Rasenplatz hält 30 Jahre, ein Kunstrasen nur zehn – also muss der in der gleichen Zeit zwei Mal erneuert werden – dann stehen Kosten von über einer Million Euro.“

„Wir planen jetzt mit dem Kunstrasen“, schlug Böltl vor. „Und wenn die EU tatsächlich solche Plätze verbietet, machen wir einen Naturrasen, der mir auch lieber wäre, aber der hohen Belastung durch die Fußballer im Winter nicht standhält.“ Letztlich stimmte der Gemeinderat erneut mehrheitlich für den neuen Plastik-Platz.

IG behauptet: „Böltl zensiert uns“

Über ihre Pläne wollte die IG Wall die Bürger im Ortsblatt „Kirchheimer Mitteilungen“ informieren. Bürgermeister Maximilian Böltl verweigerte dies laut Veronika Kröniger. Die „KiMi“ stünden nur den im Gemeinderat vertretenen Parteien offen. „Ansonsten muss man sich eine Anzeige kaufen“, sagt Böltl. Für die Kunstrasen-Gegner war dies nicht nachvollziehbar, seither prangt auf deren Homepage der Schriftzug „Bürgermeister Böltl zensiert IG Wall“. Veröffentlichen durften sie dennoch in den KiMi, die Fraktionen von SPD, VFW, Grüne und LWK stellten ihren Platz zur Verfügung.

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