Geschichtsträchtiger Boden: Die Baustellen im Rahmen von Kirchheim 2030 und der Landesgartenschau fördern archäologische Entdeckungen zutage.
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Geschichtsträchtiger Boden: Die Baustellen im Rahmen von Kirchheim 2030 und der Landesgartenschau fördern archäologische Entdeckungen zutage.

bei Ausgrabungen fürs neue Gymnasium

Kirchheims nächstes Keltendorf - Archäologen stoßen auf 2500 alte Siedlung

  • Bert Brosch
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Auf dem Gelände des neuen Gymnasiums in Kirchheim haben Archäologen eine altes Keltendorf gefunden. Die Funde stammen aus der Eisenzeit.

Kirchheim – Auch wenn das neue Gymnasium in Kirchheim wieder ein mathematisch-naturwissenschaftliches sein wird, so sollte das Fach Geschichte für die 1300 Jugendlichen, die die Schule ab September 2023 besuchen, doch eine besondere Bedeutung haben. Sie lernen nämlich auf historisch bedeutsamem Gelände: Archäologen haben unter der neuen Lehranstalt ein Keltendorf entdeckt, das dort vor 2500 Jahren stand.

Die Funde stammen aus der Eisenzeit. Nach dem Abtragen der 15 Zentimeter dicken Humusschicht ließen sich dunkle Verfärbungen, sogenannte Pfostenlöcher, im hellen Kies leicht erkennen. Alle oberirdischen Elemente der Gebäude, Wände aus Lehm und Stroh sowie Fußböden sind zwar verrottet. Es blieben nur die seitlichen Pfostenlöcher der Häuser. So ergaben sich aus „dunklen Flecken“ im hellen Kies über 40 Häuser unterschiedlicher Größe – eine Keltensiedlung, etwa 2500 Jahre alt. Auf der anderen Straßenseite, unter dem heutigen Gymnasium, waren es 1981 mindestens 58 Gebäude.

Grabschmuck: scheibenförmige Perlen aus Bein. 

Ausgrabungen in Kirchheim: Fund eines hölzernen Brunnens in fünf Metern Tiefe

Eine absolute Besonderheit war der Fund eines hölzernen Brunnens in fünf Metern Tiefe. Archäologische Funde aus Holz verrotten gewöhnlich schnell und bleiben nicht für die Nachwelt erhalten, außer das Holz liegt im Wasser oder in kontinuierlich feuchtem Boden, so wie in Kirchheim. Durch die Mithilfe der Feuerwehr, die mit einer großen Pumpe den Wasserspiegel halten konnte, war die sichere Bergung des Fundes möglich. Das Alter des Brunnens wurde mittlerweile auf das Jahr 393 nach Christus, die Spätantike, datiert. Gleiches gilt für die im Brunnen geborgenen Funde: Fragmente eines hölzernen Eimers und eines römischen Rechens, Scherben von Gefäßen sowie ein großes Bruchstück eines Mühlsteins. „Der Brunnen und die Fundstücke werden gerade in einer Restaurierungswerkstatt auf ihre Konservierung vorbereitet“, sagt Archäologin Jennifer Bagley, Leiterin des Bajuwarenhofs. „Um diese Funde in Kirchheim ausstellen zu können, dafür erarbeiten wir gerade ein Konzept.“

Die Gegend zwischen Heimstetten und Kirchheim ist wie für Archäologen gemacht. Der östliche Teil der „Münchner Schotterebene“, am südlichen Ende des Erdinger Mooses, war für eine Besiedelung ideal: der Boden trocken genug, um Häuser zu bauen und Landwirtschaft zu betreiben. Gleichzeitig das Grundwasser nur wenige Meter tief zu erreichen. So stammen die ersten Nachweise einer menschlichen Besiedlung auf dem heutigen Kircheimer Gemeindegebiet aus der späten Steinzeit und dem Beginn der Bronzezeit, etwa 2200 Jahre vor Christus. Von da an war die Region an unterschiedlichen Stellen durchgehend besiedelt.

Sensationsfund: Ein hölzerner Brunnen aus dem Jahr 393 konnte nur mithilfe der Feuerwehr geborgen werden.

Schon vor 40 Jahren am Ortsrand von Heimstetten Gräber aus frührömischen Kaiserzeit entdeckt

Bauarbeiter entdeckten 1972 am Ortsrand von Heimstetten Gräber aus der frührömischen Kaiserzeit, etwa 30 bis 60 Jahre nach Christus. In den Gräbern lagen Frauen in auffallender Tracht mit breiten Gürteln, üppigen Hals- und Armringen sowie übergroßen Gewandspangen auf den Schultern. Bei der Verlegung der Staatsstraße 2082 fand man 1973 ein urnenzeitliches Gräberfeld aus dem zwölften und elften Jahrhundert vor Christus. Ausgrabungen auf dem alten Sportplatz in Kirchheim förderte 1980 eine frühmittelalterliche Siedlung mit Tausenden Einzelfunden aus dem siebten Jahrhundert zutage. Zwei Dutzend Gehöfte, Grubenhäuser mit Brunnen für insgesamt 250 Bewohner wurden rekonstruiert. 1981 fand man auf dem Gelände des alten Gymnasiums Gräber der Glockenbecherkultur um 2600 vor Christus. 1982 und 2014 war es am Hausener Grenzweg ein frühmittelalterliches Gräberfeld aus dem siebten und achten Jahrhundert.

Die Baustellen im Rahmen von Kirchheim 2030 und der Landesgartenschau sind für Archäologen eine willkommene Gelegenheit, noch intensiver hinzuschauen. Auf dem Gelände des neuen Gymnasiums wurden sie sofort fündig mit einer Siedlung aus dem dritten Jahrhundert vor Christus. Für Bagley ist das nicht überraschend. „Schon beim Bau des alten Gymnasiums wurden Spuren der früheren Besiedlung Kirchheims gefunden. Dass auf dem Gelände des neuen Gymnasiums, das direkt auf der anderen Straßenseite liegt, ebenfalls Funde ans Licht kommen, war zu erwarten.“

Die Landesgartenschau 2024 ist ein Großprojekt in Kirchheim. Ein eigener Fanclub soll nun die Vorfreude schüren und in drei Jahren bei der Durchführung tatkräftig mithelfen.

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