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Höher, größer, schöner: Das ehemalige Kirchheimer Schulhaus an der Münchner Straße erhält im Jahr 1872 ein zusätzliches Stockwerk. Heute ist darin der Kindergarten St. Andreas untergebracht.

Ortsgeschichte

Wie Kirchheim mit Bier eine Schule baute

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Kirchheim - Kirchheim und Heimstetten waren Anfang des 19. Jahrhunderts ziemlich pleite. Dennoch wollten sich die beiden Orte eine neue Schule leisten. Also führten sie eine Steuer auf Bier ein, den sogenannten Bierpfennig.

Wenn man als Gemeinde Wünsche aber kein Geld hat, muss man kreativ sein. So wie die Kirchheimer und Heimstettener Ende des 19.Jahrhunderts. Eine eigene Schule sollte her, allein das liebe Geld fehlte. Also führte man den „Bierpfennig“ ein, der bis 1904 Bestand hatte. Im Jahr 1802 erließ der Graf Montgelas unter der Regentschaft des Kurfürsten Max Joseph IV., dem späteren König Max Joseph I., die sechsjährige Schulpflicht in Bayern für alle Kinder von sechs bis zwölf Jahren. Die erste Zentralschule für Kirchheim, Hausen, Hainstetten (dem heutigen Heimstetten), Aschheim, Feldkirchen und Dornach stand in Kirchheim. Hier existierte bereits eine sogenannte Winkelschule.

Ehemaliges Wagnerhaus umgebaut

Doch die Kircheimer und Heimstettener wollten endlich eine eigene Schule haben. Die königliche Regierung des Isarkreises beschloss schließlich den Bau der Schule für die beiden Orte, getrennt von Aschheim. Das ehemalige „Wagnerhaus“ von Nikolaus Hörmann, wurde zügig umgebaut und bereits am 8. August 1836 als neues Schulhaus bezogen.

Der Lehrer Anton Götz unterrichtete in drei Klassen 59 Schüler, bis zum Jahr 1870 stieg die Zahl auf 70. Noten gab es für Religion, Lesen, Schönschreiben, Rechnen und Aufsätze schreiben, ohne Bewertung unterrichtet wurden die „nützlichen Fächer“, also Singen, Stricken und Nähen. Lehrer Götz stirbt jedoch zwei Jahre später. Es wird gemunkelt, dass sein früher Tod mit der Lehrerwohnung zu tun hatte. Alle seine Nachfolger klagten nämlich über die ungesunden Wohnverhältnisse. 

Kein Lehrer hält es lange aus

Wie schon beim Bau der Schule zahlten die Kirchheimer ihre Lehrer schlecht oder gar nicht. Lange hielt es dort keiner aus. Daher und weil die über 80 Schüler einfach keinen Platz hatten beschloss das königliche Bezirksamt 1870, ein neue Schule zu bauen. Die Kosten dafür beliefen sich auf 5 800 Gulden, davon musste Kirchheim 1 866 und Heimstetten 934 Gulden selbst aufbringen, den Rest bezahlte der Kreisfonds.

Weil aber die beiden Gemeinden chronisch knapp bei Kasse waren, beschlossen sie im Juni 1871 die Einführung eines „Bierpfennigs“ zur Finanzierung der neuen Schule. Auf jeden „Eimer“ Bier (64,14l) durften zunächst 13 Jahre lang 15 Kreuzer zusätzlich erhoben werden. Das ergab auf jeden „Seidl“ (0,534l) einen Aufschlag von 0,13 Kreuzer oder 1,8 Pfennig. Das Bier kostete damals drei bis vier Kreuzer je Seidl. 

0,13 Kreuzer mehr pro Se07idl

Kirchheim erwarb durch einen Grundstückstausch den Bauplatz vom Wirt Josef May am damaligen Südwestrand der Gemeinde. Das neue Schulhaus war im Herbst 1872 fertig, 113 Werktags- und 52 Feiertagsschüler (12 bis 18 Jahre) wurden von Lehrer Alois Praentl in einem großen Schulsaal unterrichtet. Weil die Schülerzahlen aber rasant stiegen, wurde 1886 für 14 000 Mark (8.160 Gulden) noch ein Stockwerk für einen zweiten Schulsaal sowie eine Hilfslehrerwohnung oben draufgesetzt – ebenfalls finanziert mit dem Bierpfennig. Bis 1971 war Haus an der Münchner Straße die Heimat der Volksschule Kirchheims. Heute ist darin der Kindergarten St. Andreas. Der Bierpfennig dagegen wurde 1904 abgeschafft. Doch zuvor finanzierte man damit noch den Straßen- und Friedhofsmauerneubau.

Lohnende Steuer

Der „Bierpfennig“ war natürlich gerade in Bayern eine sinnvolle und lohnenswerte Steuer. Trank jeder Münchner um das Jahr 1875 (der Zeit, als Kirchheim den Bierpfennig einführte) noch über 500 Liter im Jahr, waren es in ganz Bayern – inklusive der fränkischen Weintrinker – immerhin noch über 225 Liter. Heute liegt der bayrische Bier-Konsum bei etwa 170 Litern je Einwohner und Jahr.

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