Altbürgermeister Hermann Schuster (r.) bei der Vorstellung der Chronik im Jahr 2018 mit dem amtierenden Rathauschef Maximilian Böltl.
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Mit einem seiner Nachfolger: Altbürgermeister Hermann Schuster (r.) bei der Vorstellung der Chronik im Jahr 2018 mit dem amtierenden Rathauschef Maximilian Böltl.

Nachruf

Der Bürgermeister der Einheit: Hermann Schuster (83) gestorben

  • Sabina Brosch
    vonSabina Brosch
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Hermann Schuster war Bürgermeister, als aus Heimstetten und Kirchheim eine Gemeinde wurde. Nun ist er im alter von 83 Jahren gestorben.

Kirchheim – Hermann Schuster, ehemaliger Bürgermeister von Kirchheim und Ex-Bezirkstagspräsident, ist im Alter von 83 Jahren nach schwerer Krankheit verstorben. Schuster war Bürgermeister zu Zeiten der Gebietsreform, die die beiden Gemeindeteile Kirchheim und Heimstetten verknüpfte.

Schuster, geboren am 10. Mai 1937 in Buchenhain/Bukowina, war ein durch und durch politischer Mensch, er saß zehn Jahre für die CSU im Gemeinderat der damals noch selbstständigen Gemeinde Kirchheim. Zwischen 1976 und 1978 war er deren ehrenamtlicher Bürgermeister, nach der Gebietsreform wurde er bis 1990 erster Bürgermeister der vereinten Kommune. Seine Amtszeit ist vom Wachstum geprägt, dem durchschnittlichen Einwohnerzuwachs von rund 1000 Neubürgern in diesen Jahren wurde mit dem Bau von Siedlungen, vor allem Reihenhaussiedlungen und Geschoßwohnungsbau, Rechnung getragen. Es folgte der Ausbau der Infrastruktur mit Kinderspielplätzen, Kindergärten und Schulen wie dem Kirchheimer Gymnasium sowie zahlreichen Sportanlagen. „Schuster baute Brücken zwischen den verschiedenen Strömungen. Zwischen Kirchheim und Heimstetten. Zwischen Neuzugezogenen und Alteingesessenen. Zwischen Akademikern und Handwerkern“, würdigt der heutige Bürgermeister Maximilian Böltl (CSU). In Schusters Amtszeit fielen auch die Grundsteinlegung und der Bau des Feuerwehrgerätehauses sowie einige Fahrzeugbeschaffungen, mit denen die Feuerwehr Kirchheim ihre Aufgaben in einer wachsenden Gemeinde gut ausgestattet erfüllen konnten.

Dunkler Schatten über politischer Laufbahn

Schuster hatte aber auch politische Tiefschläge einzustecken. Etwa als der Gemeinderat nach fünfjähriger Planung kurz vor der Kommunalwahl 1990 den Bebauungsplan „Ortsmitte“ mit einer Stimme kippte. Es tat Schuster auch Jahre später noch weh, dass diese Idee, ein homogenes Gemeinwesen zu schaffen, nicht verwirklicht wurde. Zudem lastet ein Schatten auf seiner politischen Karriere, seit er 1998 auf Druck der Staatskanzlei sein Amt als Bezirkstagspräsident von Oberbayern niederlegen musste. Eine „aufwändige Amtsführung“ sowie üppige Dienstreisen brachten ihn ins Gerede, es folgte ein Strafbefehl wegen Betrugs und Unterschlagung. Dagegen zeugen noch heute die Sanierung und Wiedereröffnung des ehemaligen Klosters Seeon aber auch die Gründung oberbayerischer Museen von seiner Liebe zur Kultur und deren Förderung.

Für seine „herausragenden kommunalpolitischen Leistungen“ bekam Schuster bereits 1987 das Bundesverdienstkreuz verliehen. Er war Träger des Konrad-Adenauer-Preises für Kommunalpolitik, zudem wurde ihm die Goldene Verdienstmedaille der Gemeinde Kirchheim, der Malteser-Orden für besondere Verdienste im Sozialbereich und die Ehrendoktorwürde durch die Sechenov Universität Moskau für Verdienste um die hervorragende wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Moskau und Bayern verliehen.

Die Gemeinde Kirchheim ehrt Hermann Schuster mit einer einwöchigen Beflaggung auf Halbmast. Rathauschef Böltl schwebt zudem vor, eine bedeutende Straße im Umgriff von Kirchheim 2030 nach ihm zu benennen.

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