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Wie entwickeln sich Verkehr und Umweltbeltbelastung im Ortskern Kirchheims beim Einsatz intelligenter Ampeln? Wann sollte welches Geschäft öffnen, welche Straße zuerst vom Schnee befreit werden? Alles Daten, die das Smart Mobility-Projekt ergeben hat.

Modellprojekt

Datenflut gegen das Verkehrschaos

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Kirchheim ist ganz vorne dran, was innovative Verkehrslösungen betrifft. Bundesweit. Und das kam so.

Kirchheim – Die beiden Mega-Projekte „Kirchheim 2030“, also der Bau der neuen Ortsmitte, und die Landesgartenschau 2024 werden den Verkehr in und um Kirchheim ansteigen lassen. Dabei stehen die Autofahrer bereits heute an einigen neuralgischen Stellen, wie dem „Kirchheimer Ei“, in langen Staus, beschweren sich immer mehr Anwohner über zu viel Durchgangsverkehr. Im Zuge des IHK-Pilotprojektes „Smart Mobility“ wurden von 25 Unternehmen – Konzerne wie auch Start-Ups – sowie Hochschulen sehr viele Daten gesammelt. „Jetzt brauchen wir das entsprechende Geld und das „Go!“, dass daraus echte Lösungen werden“, fasste Kirchheims Wirtschaftsförderer Tobias Schock das Projekt am Ende seiner Laufzeit zusammen.

Goldschatz an Daten

Schock spricht von einem „Goldschatz an Daten, auf dem wir sitzen – den müssen wir jetzt nur noch heben.“ Dazu will man verschiedene Systeme verbinden, um etwa herauszufinden, wie es sich auf die Schadstoffbelastung auswirkt, wenn Autofahrer nicht mehr an der Ampel warten müssen. Was passiert, wenn man in bestimmten Straßen wechselseitige Einbahnregelungen schafft? „Wann steigen Pendler auf Busse oder Sharing-Projekte, wie kann man mit intelligenten Ampeln grüne Wellen erzeugen“, stellte Schock in Aussicht. Dies wolle man mit Computerprogrammen simulieren. „Big Data“ könnte Kirchheimer Gemeinderäten, wie auch im ganzen Landkreise oder überall in Deutschland helfen, sinnvolle Verkehrs-Entscheidungen zu treffen.

Staus vorhersagen und reagieren

René Faßbender leitete das IHK-Projekt ein Jahr lang ehrenamtlich. 

Am Anfang stand die Idee, mit intelligenten und vernetzten Sensoren sämtliche Verkehrsströme zu messen, Staus frühzeitig vorherzusagen und darauf reagieren zu können, dass der Verkehr möglichst flüssig bleibt. Das war im April 2018 bei einem lockeren Treffen zwischen der Gemeinde und dem IHK-Regionalbüro in den Räumen des HighTech-Unternehmens „Genua“. Ein halbes Jahr später startete das Projekt, nun gefördert durch die Gemeinde mit 25 000 Euro sowie mit jeweils 10 000 Euro vom Landkreis und der IHK. Geleitet wurde alles ehrenamtlich von René Faßbender, Geschäftsführer von „Omega LambdaTec“ in Garching, einem Dienstleister für Datenanalysen.

Sechs Hochschulen und Hightech-Unternehmen an Bord 

Zunächst entstand eine kleine Arbeitsgruppe aus drei etablierten Technologie-Unternehmen, fünf junge Start-Ups sowie den Universitäten aus München (TUM und LMU) und der FH Landshut. Alle beteiligten sich ohne Bezahlung. „Kirchheim ist für mich die ideale Pilotgemeinde für Verkehrssteuerung und Stadtentwicklung. Bürgermeister und Wirtschaftsförderer sind aufgeschlossen, es gibt drei Gewerbegebiete somit mehrere verkehrsrelevante und kritische Knotenpunkte mit regelmäßigen Staus von und zur Autobahn“, sagt Faßbender. Das Ziel war ein Projekt im Bereich Smart Mobility, die Lösung einzelner Verkehrsprobleme und die Erkenntnisse für andere Landkreisgemeinden nutzbar zu machen. „Es ging um die Stau-Schmerz-Punkte, doch es wurde viel mehr daraus.“

„Kirchheimer Ei“ der größte Problempunkt

Drohnen wie diese setzte das Kirchheimer Start Up „Eagle AI“ ein, um den Verkehr rund um den Ort aus der Luft exakt zu dokumentieren.

Das Projekt wurde rasch immer größer, letztlich waren neben zehn Start-Ups und sechs Hochschulen auch zehn etablierte Technologieunternehmen wie Infineon und Spacenet mit dabei. „Alle bekamen dafür nichts, unseren Etat von rund 50 000 Euro haben wir nur für die Anschaffung von Technik verwendet“, sagt Faßbender. Beispielsweise für Sensoren, die auf den Hauptstraßen jeglichen Verkehr mit Menge und Geschwindigkeit messen, in der Luft wurden Drohnen eingesetzt, ein Start-Up konstruierte völlig neuartige Sensoren zur Messung der Schadstoffbelastung, ein anderes stellte „Soundcounter“ auf, Sensoren, die Passanten beim Vorbeigehen zählen, ein weiteres erfasst die Anzahl der Fahrräder. Mehrere Bachelor- und Doktorarbeiten wurden dazu geschrieben.

Jetzt ist neues Geld nötig

„Größter Problempunkt, das wussten wir vorher, ist das Kirchheimer Ei, der größte Rückstau dafür kommt aus dem Süden, maximal dreieinhalb Minuten müssen Autofahrer dort warten“, sagte Faßbender. Doch um mit diesen und unzähligen weiteren Daten tatsächlich etwas anfangen zu können, benötigen die beteiligten Firmen und das gesamte Projekt jetzt Geld. Man habe in knapp 15 Monaten so viele Erkenntnisse erlangt, „die könnte man für ganz Deutschland einsetzen, um Staus zu minimieren“, verspricht René Faßbender.

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