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Besonders Naturschutzverbundenen blutet das Herz: Der Wall neben der Grund- und Mittelschule ist Lebensraum vieler Vögel. 

Ein markanter Punkt Heimstettens verschwindet

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Ab sofort beginnt die Umsetzung der Zusammenführung der beiden Gemeindeteile Kirchheim und Heimstetten. Erster Schritt ist das neue Gymnasium, das ab Frühjahr 2020 gebaut werden soll. Als „Baufeldvorbereitung“ wird der halbe Wall neben der Grund- und Mittelschule abgetragen, als Ersatz ein neuer Wald an der Autobahn bei Hausen gepflanzt. Grüne, LWK und VFW lehnen die Pläne ab.

Kirchheim – „Ich weiß, das ist keine gute Nachricht und ich habe bei den Gesprächen mit den Architekten bis zuletzt darum gekämpft, dass wir den Wall komplett oder weitgehend erhalten können. Aber die Experten haben mich überzeugt, dass es nicht geht“, sagte Bürgermeister Maximilian Böltl (CSU) im Gemeinderat. Er verwies darauf, dass er selbst Mitglied im Bund Naturschutz sei und daher diese Maßnahme als „technische Notwendigkeit“ bedauere. „Aber als Ersatz für die 6449 Quadratmeter Wall und Bäume, die wegen des Vogelschutzes noch vor dem 1. März entfernt sein müssen, werden wir in Hausen an der Autobahn 15.000 Quadratmeter Wald aufforsten, der in das Ökokonto der Gemeinde aufgenommen wird“, sagte Böltl.

Vor der eigentlichen Bautätigkeit, die im Frühjahr 2020 beginnen sollen, muss die Gemeinde vorgezogene Maßnahmen einleiten und das Grundstück dem Zweckverband als Bauherr des Gymnasiums „baureif“ übergeben. Dazu muss der bestehende Wall samt Anwuchs etwa zur Hälfte entfernt werden, anschließend führt das Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege archäologische Untersuchungen auf dem gesamten künftigen Gelände des Gymnasiums durch. Martina Görner, Projektleiterin für Kirchheim 2030, rechnet mit 50 000 Euro für die Beseitigung des Anwuchses, die Abtragung des Walls wird 200 000 Euro kosten, die Aufforstung 80 000 Euro und die archäologische Grabung rund 350 000 Euro, insgesamt also 680 000 Euro.

Wolfgang Heinz-Fischer (VFW) bemerkte, dass die Summe nicht im Haushalt 2019 stehe. „Können wir das umlegen auf den Zweckverband?“ Böltl verneinte, für das baureife Grundstück sei alleine die Gemeinde zuständig, „wir können das aber im Haushalt nachtragen, das war jetzt sehr kurzfristig und muss wegen der Vogelbrutzeit vor dem 1. März passieren, dass wir keine Verzögerungen beim Gymnasium-Bau bekommen“, sagte Böltl, der als Zweckverbandsvorsitzender auch Bauherrenvertreter für das neue Gymnasium ist.

Für Rüdiger Zwarg (Grüne) ist weder die Eile noch die Notwendigkeit nachvollziehbar. „Nachdem der Antrag der LWK auf vollständigen Erhalt des Walls ja nicht möglich war, haben wir einstimmig beschlossen, möglichst große Teile stehen zu lassen und sorgfältig zu prüfen – warum muss das jetzt schnell weg?“ Böltl erläuterte, dass man im Gremium mit den Architekten und Gutachtern die Verschiebung des Gymnasiums nach Süden als mögliche Alternative untersucht habe. Aus Lärmschutzgründen für die umgebende Siedlung, so erläutert Architekt Edzard Schultz von Heinle, Wischer und Partner Architekten, sei aber nur eine Verschiebung des Hauses um 10 Meter möglich. „Das ist zu wenig um den Wall komplett zu erhalten“, sagte Böltl.

Görner ergänzte, dass der Wall zwischen Gymnasium und den künftigen Sportanlagen liege. „Würde man da Schneisen in den Wall schlagen wäre dieser nicht mehr stabil und außen herum geht es auch nicht.“ Das Bestandsgehölz umfasse insgesamt 13 689 Quadratmeter, der Anwuchs besteht aus rund 25 Jahre alten Laubholz-Bäumen.

Eine Bestandskartierung des Ingenieurbüros Scherer & Kurz ermittelte im betroffenen Bereich nur sechs erhaltenswerte Bäume. Es werde laut Görner geprüft diese umzusetzen. „Wir können das nicht scheibchenweise abtragen, denn wenn die Bauarbeiten beginnen, dann benötigt man Platz für Maschinen, Aushub und Container.“

Marcel Proffert (LWK) bedauerte den Abriss des halben Hügels, „denn die Neuaufforstung in Hausen dauert viele Jahre, bis sie sichtbar wird. Der Wall heute ist doch ein markanter Punkt in Heimstetten.“

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