Ein Radlader gräbt Erde aus.
+
Möglichst behutsam wurden Teile des wertvollen Biotops angehoben und auf der neuen Ausgleichsfläche wieder abgesetzt.

Verein IG Wall übt Kritik

Ein Biotop wird verpflanzt - und schon gibt es Ärger

  • Bert Brosch
    VonBert Brosch
    schließen

Das Magerrasen-Biotop am Jugendzentrum Kirchheim ist abgegraben und versetzt worden. So soll es erhalten bleiben. Der Verein „IG Wall“ kritisiert das Vorgehen.

Kirchheim – Das Biotop nördlich des Jugendzentrums (JUZ) wurde teilweise verpflanzt und soll auf diesem Weg erhalten werden. Neuer Standort der wertvollen Magerrasenfläche ist auf der anderen Seite der Heimstettener Straße, entlang der Staatsstraße 2082. Kritik für das Vorgehen beim Umzug kommt vom Verein IG Wall.

Erschließungsarbeiten für neue Ortsmitte machen Eingriff notwendig

Der Eingriff in den Altgrasbestand im Bereich der Verlängerung der Ludwigstraße (neue Hauptstraße) ist wegen der Erschließungsarbeiten für die neue Ortsmitte „Kirchheim 2030“ notwendig und erfolgt in Abstimmung mit dem Fachbereich Naturschutz, Erholungsgebiete, Landwirtschaft und Forsten des Landratsamtes München. Um dieses Biotop gab es viele Diskussionen und Beschwerden, vor allem von den Aktivisten von IG Wall, die sich nicht nur um das Wäldchen beim jetzigen Gymnasium kümmern, sondern generell für Klima-, Natur- und Artenschutz in Kirchheim einsetzen.

Laut IG Wall ist das Magerrasen-Biotop etwas Besonderes, weil dort viele seltene Tier- und Pflanzenarten leben, die auf der Roten Liste stünden und nach der Bundesartenschutzverordnung zu den besonders geschützten Arten zählten. So etwa die Tagfalter Kurzschwänziger Bläuling und Idas-Bläuling, die Heuschrecke Heidegrashüpfer, die Rispenflockenblume, die Büschelnelke oder das Rosmarin-Weidenröschen. Vor allem der Idas-Bläuling sei in seinen Entwicklungsstadien stark spezialisiert und gehöre daher zu den besonders geschützten Arten. 

Nach vielen Diskussionen hat der Gemeinderat entschieden, dass ein Teil des Magerrasen-Biotops auf Kosten der Bauträger umgezogen wird. Dafür wurde die obere Bodenschicht am Westrand des Biotops vorsichtig abgetragen und direkt am neuen Bestimmungsort, der inneren Ausgleichsfläche südlich der Staatstraße 2082, angebracht. „Unser Ziel ist es, die ökologisch wertvolle Magerrasenfläche als Biotop am Ort zu erhalten. Kirchheim 2030 schafft neuen Wohnraum für die Bürger – aber eben auch neue Naturräume für Flora und Fauna“, sagt Bürgermeister Maximilian Böltl (CSU).

Verein kritisiert: Absprachen nicht eingehalten

Der Verein IG Wall zeigt sich zwar erfreut über den Erhalt und Umzug eines Biotop-Teils, nicht aber über das Vorgehen. „Entgegen der Abstimmung mit dem Fachbereich Naturschutz des Landratsamts München wurde die Ausgleichsfläche nicht vorab angepasst oder bepflanzt, sodass jetzt nicht gewährleistet ist, dass übertragene Tiere in die neue Fläche einwandern können und die mit der Erde abgehobenen Pflanzen bei der aktuellen Trockenheit diese Prozedur überleben“, sagt die Vereinsvorsitzende Constanze Friemert. Ob das Ökosystem und vor allem die Arten, die an dieser Stelle erhalten werden sollen, erfolgreich verpflanzt wurden, sei unter diesen Umständen nicht absehbar.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare