Kulturreferentin hält Bürgersaal-Neubau für unnötig

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KirchheimIm Bürgerhaus Kirchheim an der Feldkirchner Straße soll ein Saal für 199 Menschen entstehen. Neben dem neuen Rathaus ist der Bürgersaal für 400 Besucher geplant. Sind beide wirklich notwendig, wollte die SPD wissen. Kulturreferentin Katharina Ruf erläuterte die Zahlen für 2017 und stellte ihre Planungen vor. „Ich sehe keine Notwendigkeit für einen großen Saal.“

Im Jahr 2017 führte Ruf im Namen der Gemeinde 13 kulturelle Veranstaltungen durch: Das ging von „Knedl & Kraut“ über Chor- und Liederabende, Lesungen, Kabarett bis hin zu Volksmusik und einem Babykonzert. „Einige Abende waren sehr gut besucht, andere nicht, insgesamt betrug unser Defizit dabei 4311 Euro“, berichtete Ruf. Ausverkauft war keine Veranstaltung, am besten besucht waren Luise Kinseher sowie der Cäcilientag. Hinzu kamen aber auch „Kooperationen“ für knapp 5100 Euro bei der Operettengala sowie dem Männerchor-Treffen sowie Zuschüsse in Höhe von 9200 Euro für den Oratorienchor, das CD-Projekt der Hausner Bigband oder das Adventskonzert St. Andreas.

Rechnet man weitere 2800 Euro für sonstige Ausgaben, wie Anzeigen, Flyer oder die Beschriftung von Ortstafeln, hinzu sowie 4000 Euro für Beschäftigte, etwa Techniker, dann hat die Gemeinde im vergangenen Jahr rund 58 000 Euro für Kultur ausgegeben. Bei verkauften Eintrittskarten im Wert von 32 622 Euro bedeutet dies ein Defizit von gut 25 000 Euro. „Wir alle wissen, dass es Kultur nicht zum Nulltarif gibt. Ich denke“, sagte Ruf, „dass wir mit unserem Etat, der für eine Gemeinde wie Kirchheim ausreicht, ein tolles und abwechslungsreiches Programm auf die Füße stellen.“

Ein Problem seien die „Fremdräume“ im Gymnasium, in den Kirchen und Pfarrsälen, hier müsse man mit großem Aufwand die Ton- und Lichttechnik installieren und benötige viel Personal, unter anderem für den Brandschutz. „Ein eigener Raum, wie den im Bürgerhaus für 200 Personen mit fest installierter Technik, wäre ideal für Kleinkunst und Theater, Feiern und Geburtstage und reicht dann auch aus.“ Große Veranstaltungen mit bis zu 500 Besuchern gebe es maximal fünf bis sechs Mal im Jahr – dafür genüge das alte oder auch neue Gymnasium. „Ich sehe daher keine Notwendigkeit für einen Bürgersaal.“

Für ihr Programm und die hohe Qualität erhielt Ruf Lob von Bürgermeister Maximilian Böltl (CSU), Frank Holz (CSU) und Gerd Kleiber (FDP). „Ein schwarze Null wäre toll, aber das ist kaum zu erreichen, da man nie genau weiß, wie viele Besucher tatsächlich kommen“, sagte Böltl. Thomas Etterer (SPD) ist nicht einverstanden mit Rufs Meinung: „Es gab einen Bürgerentscheid mit über 70 Prozent Zustimmung zum Konzept ,Kirchheim 2030’ inklusive Bürgersaal.“ Fraktionskollegin Tanja Heidacher bekräftigte dies, man habe immer von einem funktionellen Saal gesprochen, den man mit 100 Menschen ebenso „füllen“ könne wie mit 400.

„Wenn der Gemeinderat meinen Kulturetat auf 100 000 Euro verdoppelt, dann bin ich sofort dabei. Doch ein so großer Saal erfordert sehr viel organisatorischen Aufwand, um ihn zu füllen“, sagte Ruf. Im Moment seien es im Jahr nur vier Hochzeiten, bei den Veranstaltungen gab es nur eine im vergangenen Jahr mit mehr als 400 Besuchern. Franz Glasl (CSU) sagte, dass 90 Prozent aller Veranstaltungen für maximal 200 Gäste ausgelegt seien. „Wir brauchen keinen Saal für 500 Leute.“ Dem widersprach Ewald Matejka (SPD): „Es geht doch nicht nur um Kultur und Hochzeiten – die Firmen in Kirchheim wollen dringend einen Saal für Kongresse und Meetings. Daher brauchen wir den Bürgersaal unbedingt für die Wirtschaftsförderung.“

Nun wird eine Sondersitzung einberufen, um noch einmal über das Thema zu sprechen.  bb

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