Ein Kunstrasenplatz mit Kunststoffgranulat in der Nahaufname.
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Ein Kunstrasenplatz mit Kunststoffgranulat in der Nahaufname.

Gemeinderat gespalten

Kunstrasenplatz am Gymnasium: Anwohner kündigen Widerstand an

  • Bert Brosch
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Einen Kunstrasenplatz samt Flutlichtanlage für die Fußballer leistet sich Kirchheim am Gymnasium. Doch Anwohner wollen sich dagegen wehren.

Kirchheim – Am neuen Gymnasium Kirchheim wird eine große Schulsportanlage gebaut. Geplant war dafür bisher ein Rasenplatz. Nun haben sich die Sportvereine SV Heimstetten und Kirchheimer SC über zu wenige Trainingsmöglichkeiten beklagt. Der Gemeinderat genehmigte daher einen Kunstrasenplatze samt Flutlichtanlage für 433 500 Euro. Anwohner befürchten Fußball-Lärm neben ihren Häusern und kündigen Widerstand an.

Bürgermeister Maximilian Böltl (CSU) schickte voraus, dass für die schulischen Zwecke ein Rasenplatz ohne Flutlichtanlage ausreiche. Der Zweckverband Staatliche weiterführende Schulen im Osten des Landkreises München werde daher auch weder Kunstrasenplatz noch Beleuchtung bezahlen. Aber eine Prüfung habe ergeben: „Weder beim KSC noch beim SVH die derzeitige Nachfrage durch die vorhandenen Spielfelder in der Gemeinde gedeckt werden.“

Fußballer klagen über Platzmangel

KSC-Vorsitzende Petra Mayr (CSU) führte aus, dass es in ihrem Verein 25 Fußballmannschaften gibt, die sich einen Rasen-, einen Kunstrasen- sowie einen Kleinplatz teilen müssen. Der Bedarf sei also dringend. „Und es muss wegen der hohen Belastung ein Kunstrasen sein, den wir täglich und auch im Winter voll nutzen können“, forderte Mayr. Ebenso sieht dies der Vorsitzende des SVH, Ewald Matejka: „Als unser Sportgelände 2001 eröffnet wurde, hatten wir 250 Kicker, jetzt sind es über 500.“ Obwohl Fußballer lieber auf Gras spielten, sei Kunststoff nun mal strapazierfähiger.

Beim Flutlicht bat er um Prüfung einer LED-Anlage, denn die sei wesentlich günstiger als die jetzt kalkulierte mit 146 000 Euro. Böltl ergänzte, dass allen die Problematik der Kunstrasenplätze mit der Entsorgung der Altplätze sowie dem starken Kunststoff-Abrieb bewusst sei. „Aber bis in zwei Jahren gibt es bestimmt neue Alternativen, wir müssen das nur heute entscheiden, damit der Zweckverband weiter planen kann“, sagte Böltl.

Kritik am Plastik-Rasen

Marcel Proffert (LWK) wandte sich energisch gegen den Kunstrasenplatz: „Der kostet doppelt so viel wie Naturrasen, muss nach zwölf Jahren teuer getauscht werden, versiegelt die heutigen Waldbiotop- und Rasenflächen völlig. Er widerspricht zudem völlig dem Ziel des plastikfreien Kirchheim.“ Auch Gerd Kleiber (FDP äußerte deshalb Bedenken.

Rüdiger Zwarg (Grüne) erhielt keine Antwort auf seine Frage, warum bei so einer weitreichenden Planung Anwohner und Siedlervereine nicht eingeladen worden seien – vor einer Entscheidung im Gemeinderat. Mit 13:8 Stimmen beschloss dieser den Bau des Kunstrasenplatzes samt Flutlichtanlage, allerdings wird der Bau der Beleuchtung vorab noch juristisch geprüft.

Anwohnerin: „Das werden wir uns nicht bieten lassen“

Beim Verlassen des Saals kündigten mehrere Anwohner massive Beschwerden gegen die zu erwartende Geräuschentwicklung des Fußballplatzes an. „Die spielen und brüllen dann jede Nacht mindestens bis 22 Uhr – das werden wir uns nicht bieten lassen“, sagte eine ältere Dame. 

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